Schärfere Regulierungen der Tech-Giganten: Was müssen Anleger jetzt befürchten?

Ein Tech-CEO nach dem anderen wurde 2020 in den USA zur parlamentarischen Anhörung geladen, nun stellt auch EU-Kommissarin Vera Jourova klar, dass ihre "Geduld am Ende ist". Der Tenor gegen die Tech-Giganten: Ihr monopolistisches Verhalten zerstöre den Wettbewerb. Damit müssen Anleger rechnen.

Als Donald Trumps Twitter-Konto gesperrt wurde, fand das auch Bundeskanzlerin Angela Merkel „problematisch”. Soziale Medien sollten nicht über die Meinungsfreiheit bestimmen, hieß es aus dem Kanzleramt. Auch EU-Kommissarin Vera Jourova kritisierte die Tech-Konzerne vor wenigen Tagen in einem Handelsblatt-Interview scharf. Die Debatte um die Macht globaler Technologie-Konzerne läuft heiß. Zugegeben, um die Befindlichkeiten deutscher oder europäischer Politiker schert man sich im Silicon Valley wenig, umso mehr aber um ein mögliches Kartellverfahren in Washington.

Bei der Diskussion um Technologiemonopole geht es um mehr als politische Machtfragen im Rahmen der US-Präsidentschaftswahl. Firmen wie Google, Amazon, Facebook und Apple dominieren ihre jeweiligen Marktsegmente, wodurch der Wettbewerb für kleinere Unternehmen härter wird. Die regulatorische Debatte wird deshalb auch unter Präsident Biden in die nächste Runde gehen. Manchem Anleger mag das Sorgen bereiten, doch das muss es nicht.


Der Markt lebt vom fairen Wettbewerb

Bislang zeigte sich der Aktienmarkt von den kartellrechtlichen Anhörungen am Capitol Hill wenig beeindruckt. Die Kurse der FAANG Aktien sind im Jahr 2020 wieder kräftig gestiegen, der amerikanische Technologieindex Nasdaq 100 legte um rund 40 Prozent zu. Von Sorge um strengere Regulatorik ist hier keine Spur.


Strengere Regulierungen der führenden Tech-Konzerne muss für Anleger auch nicht unbedingt schlecht sein. Zwar sind strengere Regeln im Allgemeinen eher eine Wachstumshürde, aber wenn die Macht einzelner Unternehmen den Wettbewerb belastet, könnten Wettbewerbsregeln das Marktwachstum sogar beschleunigen. Darüber hinaus könnten sich strengere Regulierungen für Tech-Konzerne auch positiv auf andere Branchen auswirken. Die Marktmacht Amazons im Onlinehandel hat zum Beispiel Auswirkungen auf den Einzelhandel, und Facebook und Google beeinflussen die Werbekosten in fast jeder Branche. Mehr Wettbewerb bei diesen Diensten könnte also allgemein positive Effekte auf das Wirtschaftswachstum und die Innovation haben.

Realistischerweise muss man allerdings sagen, dass die Technologiemonopole von Amazon & Co. nicht direkt mit Industriemonopolen vergleichbar sind. Sie können zwar durchaus zur Wettbewerbsverzerrung führen, und das tun sie zum Teil auch. Trotzdem sind die Investitionshürden in der digitalen Welt für Wettbewerber niedriger und leichter zu überwinden als bei Telefonmasten, Ölplattformen oder Stromleitungen. Im Internet ist der Wettbewerb nur einen Klick entfernt. Es ist also fraglich, ob sich strengere Regulierungen bei Technologiefirmen überhaupt signifikant auf den Markt auswirken, sowohl in positiver als auch in negativer Weise.


Gute Unternehmen bestehen auch bei strengerer Regulierung

Neben der Gesamtmarkt-Betrachtung stellt sich natürlich die Frage, was mit den Kursen der betroffenen Unternehmen geschieht. Amazon, Apple, Facebook & Co. erzielten in den letzten Jahren zuverlässig Überrenditen in den Portfolios der Anleger. Darüber hinaus haben sie auch ein großes Gewicht in vielen Indizes. Apple ist mittlerweile mehr wert als alle 30 DAX-Firmen zusammen.

Eine Zerschlagung der Tech-Giganten ist unrealistisch, aber selbst das wäre für Anleger nicht zwingend negativ: Sollte zum Beispiel Facebook die beiden Dienste WhatsApp und Instagram abspalten müssen, böten sich den Anlegern mehr Diversifikationsmöglichkeiten im Portfolio. Auch könnte die Summe der Einzelteile am Ende sogar mehr Wert sein als ein einziger Megakonzern, der von Kartellstrafen bedroht ist. Schlaflose Nächte sollten diese Kartellverfahren Anlegern deshalb nicht bereiten. Vor allem nicht heute, denn diese Verfahren könnten sich noch über Jahre hinziehen. Auch ist es unwahrscheinlich, dass die US-Regierung ihren führenden Unternehmen ernsthaften Schaden zufügt. Dazu sind sie auch im Wettstreit mit China um die technologische Führerschaft zu wichtig.


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Apropos China: Dort stehen Monopolisten wie Alibaba, Meituan oder Tencent ebenfalls regulatorischen Risiken gegenüber. Spätestens seit die kommunistische Regierung den Börsengang von Alibabas Ant Group verhinderte, ist auch hier ein Machtkampf entbrannt. Die Überlegungen für Anleger sind dabei ähnlich wie die im Westen, allerdings mit dem Unterschied, dass China schneller, härter und womöglich mit mehr politischer Willkür gegen Monopolisten vorgehen könnte. Das politische Risiko ist für China-Anleger deshalb größer, weshalb hier mehr Vorsicht angebracht ist.

Prinzipiell sollten die Kartellstreitigkeiten Anleger aber nicht weiter verunsichern. Ein gut gemanagtes Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell und gutem Marktausblick wird auch bei strengerer Regulierung und selbst nach einer Zerschlagung weiterhin Gewinne erwirtschaften. Ein Blick in den Rückspiegel hilft bei der Perspektive: Microsoft verlor im Jahr 2000 ein Kartellverfahren und sollte zerschlagen werden. Ein Jahr später einigte man sich dann auf eine andere Lösung und Anleger sind mit der Aktie seither trotz allem gut gefahren.


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