Schnapszahl: Limonaden- Startup mit guter Rendite

Das britische Unternehmen profitiert aufgrund mehrerer Entwicklungen. Einerseits erlebt der Gin, der gerne als „Mother’s Ruin“ und Billiggetränk verspottet wurde, eine glanzvolle Renaissance. Vor allem die Briten haben wieder Lust auf Gin bekommen. 2017, so das britische Statistikamt, hat man auf der Insel 517 Millionen US-Dollar für den Wacholderschnaps ausgegeben - ein Drittel mehr als im Jahr zuvor und zudem dreimal so viel als 2009. Andererseits ist es aber nicht nur die neuentdeckte Lust, sondern auch die Tatsache, dass auf höherwertiges Tonicwater zurückgegriffen wird. Seit dem Börsenstart, das war im November 2014, hat sich der Aktienkurs von Fever-Tree verzwanzigfacht. All jene, die zu Beginn eingestiegen sind und 1.000 Pfund investierten, dürfen sich heute über Aktien im Wert von 21.000 Pfund freuen - exklusive den Gewinnen aus den ausgeschütteten Dividenden. Der Grund für den rasanten Kursanstieg? Das britische Unternehmen konnte immer wieder die Umsatz- und auch Gewinnerwartungen übertreffen. Durchschnittlich kam es zu einem jährlichen Anstieg des Aktienkurses um rund 136 Prozent. Noch heute ist die Mehrheit der Analysten der Meinung, man solle weiterhin Fever-Tree-Aktien kaufen. Dies auch deshalb, weil die Erfolgsgeschichte des Unternehmens keine Schattenseiten mit sich gebracht hat: 2014 lag der Umsatz bei 34,7 Millionen Pfund, 2017 waren es über 170 Millionen Pfund - im ersten Halbjahr 2018 lag der Umsatz bei 104 Millionen Pfund, sodass man davon ausgehen kann, dass man das Vorjahr problemlos toppen wird. So schnell die Umsatzzahlen in die Höhe geschossen sind, so schnell kletterten auch die Gewinne nach oben - 2014 waren es 10 Millionen Pfund, 2017 hingegen schon 58,7 Millionen Pfund.

 

Wachstumspotential wird unterschätzt

Wer in Fever-Tree investieren will, der wird schnell feststellen, dass keinesfalls mehr von einer billigen Aktie die Rede sein kann. Berücksichtigt man die Gewinneinschätzung für das Jahr 2018, so befindet sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 70 - ein extrem hoher Wert für ein Unternehmen aus dem Bereich der Konsumgüterindustrie. Mittlerweile beträgt die Marktkapitalisierung 4,4 Milliarden Euro - das heißt, man muss schon extrem optimistisch sein, wenn man die Meinung vertritt, das Unternehmen wird weiterhin wachsen. Endet der Gin-Boom oder die hohen Erwartungen werden von Seiten des Unternehmens nicht mehr erfüllt, so sind Kurseinbrüche vorprogrammiert. Und auch wenn eine Investition in das Unternehmen durchaus riskant erscheint, so ist Analyst Richard Felton (Morgan Stanley) überzeugt, dass trotz herausfordernder Bewertung ein Potential für einen noch höheren Kurs gegeben ist. „Das Wachstumspotential wird noch immer unterschätzt“, so Felton.

 

Wird die Erfolgsgeschichte in den USA wiederholt?

Bislang konnten 58 Prozent der Umsätze in Großbritannien erzielt werden. 25 Prozent der Umsätze wurden in Europa und 15 Prozent in den USA erzielt. Das soll sich jetzt aber ändern, weil das britische Unternehmen die Erfolgsgeschichte in den USA wiederholen möchte. Als Partner hat man Southern Glazer’s Wine and Spirits gewinnen können - der amerikanische Großhändler soll Fever-Tree in weiterer Folge vermarkten. Bei Glazer’s Wine and Spirits handelt es sich um den größten Vermarkter im Bereich Wein und Spirituosen, der im Sortiment auch Bacardi, Pernod oder auch Diageo hat. Auch dieser Umstand ist ein Grund, warum die Analysten optimistisch bleiben. Schlussendlich ist der amerikanische Markt vielversprechend, da hier immer wieder hochwertige Spirituosen über den Ladentisch gezogen werden (so liegt der Marktanteil bei den Premiummarken bei weit über 50 Prozent), noch aber hochwertige Mix-Getränke fehlen, wenn es um das Strecken von Longdrinks geht (hier liegt der Marktanteil bei den Premiummarken noch bei unter 10 Prozent).

 

Betrieb mit 50 Mitarbeitern

Das Unternehmen Fever-Tree wurde von Charles Rolls und Tim Warrillow im Jahr 2005 gegründet. Der Beweggrund? Wer hochwertigen Gin trinkt, der will sich seinen teuren Schnaps nicht mit einem glanzlosen Schweppes mischen - somit entschied man sich für natürliche Zutaten und hoffte, dass man mit der Marketing-Strategie Erfolg haben wird. Fever-Tree gibt bereits einen Einblick über die wichtigste Zutat, die sich in der Bitterlimonade befindet: die Rinde des Chinarindenbaums. Auch wenn seit Jahren schon große Erfolge gefeiert werden, so ist das Unternehmen mit gerade einmal 50 Mitarbeitern klein geblieben - ein weiterer Grund, warum Fever-Tree hochprofitabel ist. Zahlreiche Tätigkeiten werden von Subunternehmen durchgeführt - dazu gehören etwa die Produktion oder auch das Abfüllen und der Vertrieb. Derzeit liegt die Gewinnmarge bei 33 Prozent.

 

Aktuell gibt es keine Übernahmegerüchte

Dass die Erfolgsgeschichte natürlich auch Nachahmer mit sich bringt, mag keine große Überraschung sein. So gibt es in Deutschland etwa „Thomas Henry“, ein Berliner Unternehmen. Die Gründer haben sich aber bereits auszahlen lassen und verabschiedeten sich. Natürlich gab es auch schon Übernahmespekulationen im Fall Fever-Tree - so gab es Berichte, Diageo oder Unilever hätten Interesse. Jedoch ist der hohe Aktienkurs mitunter ein Grund, warum in naher Zukunft keine Übernahme stattfinden wird.