Schon die Sowjetunion lieferte zuverlässig Gas

Bei der Europareise von US-Präsident Donald Trump stand Deutschland wieder einmal im besonderen Fokus. Das amerikanische Staatsoberhaupt arbeitete sich nicht nur im Zuge des NATO-Gipfels an Deutschland ab, sondern legte seinen besonderen Fokus auf die vermeintliche Tatsache, dass sich Deutschland zu sehr mit Russland einlässt. Besonders ging es dabei um die umstrittene Nord Stream 2 Vereinbarung, die Erdgas auf direktem Wege von Russland nach Deutschland transportieren soll und auch innerhalb Europas in der Kritik steht. Was hat es mit diesem Projekt auf sich? 

 

Geopolitik mit der Hilfe natürlicher Ressourcen

Der Vorwurf von Donald Trump war deutlich: Mit dem Nord Stream 2 Projekt macht sich Deutschland nicht nur abhängig von Russland, sondern würde von dem Land künftig kontrolliert werden. Während europäische Politiker, wie so oft in diesen Tagen, die Vorwürfe aus Amerika richtigzustellen versuchten, lohnt sich aber tatsächlich ein Blick auf das ambitionierte Projekt. Denn nicht nur die Amerikaner haben Kritik daran geübt, dass Deutschland künftig russisches Gas über die Ostsee erhalten möchte. Vor allem die bisherigen Transit-Länder wie Polen und die Ukraine haben das Projekt in der Planungsphase aber auch in der Gegenwart stark kritisiert

Die Verbindung zwischen Russland und Deutschland ist aber nicht neu. Schon während der Zeiten der DDR hat die Sowjetunion diesen Teil von Deutschland mit seinen beträchtlichen Energiereserven beliefert. Nach dem Fall der DDR hat das neue Gesamt-Deutschland dieses Volumen nicht nur übernommen, sondern in den vergangenen Jahrzehnten stark gesteigert. Inzwischen ist Deutschland der wichtigste Abnehmer von russischem Erdgas in Westeuropa - was nicht zuletzt daran liegt, dass die Wärme in Deutschland immer häufiger mit der Hilfe von Gas erzeugt wird. Unter Betrachtung der Energiewende in Deutschland wird der Bedarf in den kommenden Jahren steigen und entsprechend sinnvoll empfanden die Architekten von Nord Stream 2 es, dass man künftig eine direkte Leitung nach Russland erhält. 

 

Schwierige Verhandlungslage für Westeuropa - und ein wichtiger Export für Russland

Verständlicherweise sind es besonders Polen und die Ukraine, die kein Interesse daran haben, dass sie mit den neuen russischen Leitungen umgangen werden können. Dabei sind es auch gerade diese beiden Länder, die dafür gesorgt haben, dass in Westeuropa eine gewisse Notwendigkeit entstand. Nicht nur einmal haben die Russen in den vergangenen Jahren die Zulieferung von Erdgas in die Ukraine und Polen abgestellt, als es auf politischer Ebene um die Preiskämpfe um den begehrten Rohstoff ging. Entsprechend hoch war die Befürchtung, dass Deutschland in diese politischen Manöver hineingezogen werden könnte. 

Natürlich besteht künftig eine größere Abhängigkeit von Russland was das Erdgas angeht. Der Atomausstieg und die Energiewende sind dabei aber nur ein Faktor - die Erdgas-Felder in Westeuropa versiegen langsam. Es ist aber nicht so, dass Russland in einer unmittelbaren Machtposition steht. Mit den laufenden Embargos und dem hohen Bedarf an Devisen ist der Erdgas-Handel mit Westeuropa eine der wichtigsten Einkünfte für Putins Russland. Auf dieser Ebene lässt sich also sagen, dass sich das Machtverhältnis wenigstens momentan nicht verändern dürfte.