Schuldenquote der Euroländer sinkt spürbar

Eine gute konjunkturelle Lage und die anhaltende Niedrigzinspolitik sorgen für fallende Schuldenquoten bei den 19 Euroländern. So sank in 2017 die Gesamtverschuldung gemessen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Schnitt um 2,3 Prozentpunkte. Auch die Neuverschuldungsquote ist deutlich zurückgegangen.


Sinkende Staatsschulden und Haushaltsüberschüsse

Eurostat, das europäische Statistikamt, hat aktuelle Zahlen zur gesamtwirtschaftlichen Situation der Eurozone und der einzelnen Euroländer veröffentlicht. Hiernach ist die Gesamtschuldenquote von 89 Prozent am BIP im Jahr 2016 auf 86,7 Prozent im Jahr 2017 gesunken. Auch die Neuverschuldung ist zurückgegangen. Das Haushaltsdefizit in 2016 lag für die Euroländer noch bei 1,5 Prozent. In 2017 ist dieser Wert auf 0,9 Prozent gesunken. Dabei haben die Euroländer gut 99 Milliarden Euro in 2017 mehr ausgegeben als im Vorjahr. Dank gute Konjunktur und damit steigenden Steuereinnahmen ist die Einnahmeseite bei den meisten Euroländern deutlich stärker gewachsen als die Ausgabenseite.

Viele Euroländern konnten sogar einen Haushaltsüberschuss ausweisen. Darunter Deutschland mit 1,3 Prozent zum BIP. Sogar Griechenland konnte dank Reformen und engen Einsparungen ein Haushaltsüberschuss erreichen. 0,8 Prozent beträgt dieser für 2017 - ohne die Zinslasten liegt der Überschuss sogar bei vier Prozent. Damit hat Griechenland die vereinbarten Ziele der internationalen Geldgeber deutlich übertroffen.



Ungleichverteilung der Staatsschulden

Neben den positiven Zahlen sind aber auch einige Euroländer weiterhin in einer angespannten Situation. Darunter Spanien und Portugal, die beide mit drei oder mehr Prozent Haushaltsdefizit im Jahr 2017 abgeschlagen hinterhinken. Das bedeutet für beide Ländern, dass die Gesamtverschuldung weiter anstieg. Mit 98,3 Prozent Gesamtverschuldung zum BIP im Falle Spaniens und 125,7 Prozent im Falle Portugals überschreiten beide Länder die erlaubte Schuldenstandsquote von 60 Prozent deutlich. Immerhin wird die Vorgabe von drei Prozent Haushaltsdefizit im Jahr (Neuverschuldungsquote) kaum überschritten.

Neben Spanien und Portugal sind aber auch weitere Euroländer mit hohen Schuldenständen belastet. So liegt Griechenland trotz besserer Lage jetzt weiterhin bei 178,6 Prozent Gesamtschulen zum BIP. Italien mit 131,8 Prozent und Belgien mit 103,1 Prozent verfehlen die Vorgaben weiterhin deutlich. Klassenprimus hier ist Estland mit gerade einmal neun Prozent. Luxemburg mit 23 Prozent folgt dahinter.



Vorgaben zum Schuldenstand und Neuverschuldung für viele Euroländer schwierig

Estland und Luxemburg zählen zu den sechs Ländern, die beide Vorgaben des Maastricht-Vertrags im vergangenen Jahr auch eingehalten haben. Die Niederlande, Lettland, Litauen und die Slowakei sind die anderen vier. Deutschland hat seinen Schuldenstand mittlerweile auf 64,1 Prozent gedrückt - die Zielvorgabe ist damit nur knapp nicht erfüllt.