Schwache Zinslandschaft treibt Attraktivität von Private Equity

Im Jahr 2018 investierten Beteiligungsgesellschaften in Deutschland insgesamt 9,6 Milliarden Euro, auch in Europa zeigt der Trend nach oben. Das ist auch eine Folge der Niedrigzinspolitik.

Die anhaltende Niedrigzinspolitik vor allem in Europa hat seit Jahren massive Auswirkungen auf Manager und Anleger. Sie suchen einigermaßen rentierliche, aber nicht allzu riskante Assetklassen, um ein gewisses Plus zum durchschnittlichen Kapitalmarktzins zu generieren. Das gilt für private wie für professionelle Investoren: Beide Gruppen streben Vermögensschutz und Vermögensentwicklung an, was bei einer herkömmlichen, vermeintlich sicheren Asset Allocation nach Abzug von Steuern, Gebühren und Inflationsausgleich kaum mehr möglich ist.

Daher treten Alternativen wie Private Equity stärker in den Vordergrund – der Einfluss der Zinspolitik auf die Entwicklung der Anlageklasse ist kaum wegzudiskutieren. „Im Jahr 2018 investierten Beteiligungsgesellschaften in Deutschland insgesamt 9,6 Milliarden Euro. Nach dem Rekordjahr 2017 hat der deutsche Beteiligungskapitalmarkt damit erneut seine Stärke unterstrichen“, sagte Dr. Christian Stoffel, Sprecher des Vorstandes des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) bei der Vorstellung der Statistik für den deutschen Private Equity-Markt 2018. Gegenüber dem Vorjahr bedeute dies zwar einen Rückgang um 18 Prozent. „Allerdings war 2017 auch ein herausragendes Rekordjahr“, ergänzt Stoffel. „Und das Investitionsniveau der Jahre davor konnte deutlich übertroffen werden.“ Im Jahresverlauf seien gut 1200 Unternehmen mit Beteiligungskapital finanziert worden.


Private Equity in Europa um acht Prozent gewachsen

Auch aus europäischer Sicht zeigt sich die Bedeutung von Private Equity. Preqin, Datenanbieter für alternative Anlagen, hat kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Asset Manager Amundi seinen zweiten jährlichen Bericht über alternative Anlagen in Europa veröffentlicht. Das Ergebnis: Die makroökonomische Stimmung für Europa hat sich in den letzten 24 Monaten zwar gedämpft, die Industrie für alternative Investments wird aber immer stärker. Private Equity beispielsweise ist in der ersten Jahreshälfte 2018 um acht Prozent auf 559 Milliarden Euro angewachsen. 2018 gab es in Europa Rekordwerte bei Private Equity-Buyout-, Venture-Capital- und Infrastrukturtransaktionen. Die gesamten Private Capital-Transaktionen erreichten einen Wert von 375 Milliarden Euro.

Die Assekuranz Rating-Agentur Assekurata hat sich im aktuellen Marktausblick mit der Kapitalanlage der Lebensversicherer beschäftigt und dabei festgestellt: Das anhaltende Zinsdilemma erschwert insbesondere den Lebens- und Krankenversicherer allein mit festverzinslichen Wertpapieren ausreichend Rendite zu erwirtschaften, um die Rechnungszinsen in den Beständen zu bedienen. Lars Heemann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata, sagt, dass alternative Anlagen zunehmend an Bedeutung gewännen und unter Risiko-Rendite-Gesichtspunkten attraktive Anlagealternativen darstellten. Besonders stark gewinnen laut der Studie, die das Fachmagazin „AssCompact“ erwähnt, Investitionen in Infrastruktur, Private Equity und Private Debt an Beliebtheit. Zinstitel verlieren dagegen erwartungsgemäß weiter an Bedeutung für die Kapitalanlage der Versicherer.


Bis zu fünf Prozent Überrendite von Private Equity gegenüber Aktien

Dazu passen auch Zahlen von Goldman Sachs Asset Management, dem Vermögensverwalter der gleichnamigen US-Großbank. Das „GSAM Insurance Survey 2019“, also die jährliche globale Versicherungsstudie, zeigt, dass weltweite Versicherungsgesellschaften Private Equity als diejenige Anlageklasse einschätzen, die in den kommenden zwölf Monaten die höchsten Renditen verheißt. Das kommt nicht von ungefähr, wie die historischen Daten beweisen. Spitzenfonds erzielen Renditen von bis zu 20 Prozent, die Überrendite von Private Equity-Anteilen gegenüber Aktien soll nach Einschätzung von Experten bei rund fünf Prozent liegen. Und Chirag Patel, Head of Research & Advisory EMEA bei State Street Global Exchange in London, rechnet damit, dass sich die durchschnittlichen jährlichen Renditen in den nächsten Jahren in einer Range von zwölf bis 16 Prozent bewegen werden.


Phase extrem niedriger Zinsen noch Jahrzehnte?

Das ist natürlich in Zeiten von Niedrigzins‘, unsicheren Aussichten bei Anleihen und sehr volatilen Aktienmärkten eine hochinteressante Alternative. Und es sieht so aus, als würde uns das kritische Zinsumfeld noch einige Jahre begleiten. „Mit ihren erneuten Lockerungsmaßnahmen werden die internationalen Notenbanken die Zinsen noch weiter ins Minus drücken. Die psychologische Grenze von null Prozent ist dabei längst nach unten durchbrochen, schreibt beispielsweise Holger Knaup“, geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. Und nach Ansicht von Andreas Utermann, Chef der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors, könnte die Phase extrem niedriger Zinsen noch Jahrzehnte anhalten. „Warum soll die Phase niedriger Inflation und Zinsen nicht noch 30 Jahre andauern?“, fragte er vor wenigen Monaten in einem Interview. Diese Aussichten werden die Attraktivität von Private Equity weiter aufrechterhalten und sogar noch erhöhen – zumal Beteiligungsgesellschaften günstige Kurse zur Finanzierung ihrer Akquisitionen nutzen können.