Schwellenländer-ETFs: Sorgenkind Brasilien
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2021-10-07

Schwellenländer-ETFs: Sorgenkind Brasilien

Viele deutsche Anleger halten über Schwellenländer-ETFs brasilianische Aktien. Das war zuletzt kein gutes Investment und eine baldige Besserung ist nicht in Sicht. Neben den Turbulenzen in China müssen Anleger auch Brasiliens politischen und wirtschaftlichen Abstieg im Auge behalten. Eine Analyse von CAPinside-Experte Lukas Hofer.

Die Präsidentschaftswahlen in Brasilien haben in den letzten Tagen zehntausende Menschen auf die Straßen gebracht. Sie fordern die Amtsenthebung des Präsidenten Jair Bolsonaro, mehr Impfstoff und mehr Arbeitsplätze. Neben der Bevölkerung haben auch Investoren das Vertrauen in die Regierung verloren: Der Bovespa Index, der Brasiliens 84 größte Unternehmen enthält, hat in diesem Jahr von Anfang Juni bis Ende September 15 Prozent verloren, der iShares Brazil sogar 20 Prozent.

Davon sind auch viele deutsche Anleger betroffen, denn brasilianische Aktien sind in den meisten Schwellenländer-ETFs enthalten. Im iShares MSCI Emerging Markets macht Brasilien zum Beispiel 4,5 Prozent des Portfolios aus. Im Vanguard FTSE Emerging Markets sogar 6,4 Prozent.


Politischer Hexenkessel

Zu Beginn des Jahres war der Ausblick für Brasiliens Wirtschaft noch positiv, denn der Rohstoffboom kam dem Land zugute. Die Exportgewinne brasilianischer Rohstoffproduzenten stiegen seit Jahresbeginn. Das chaotische Pandemie-Management der Regierung hat der Wirtschaft jedoch massiv geschadet. Dazu kommt die Sorge vor gewaltsamen Auseinandersetzungen vor den Wahlen im Oktober 2022: Lula da Silva, der Präsidentschaftskandidat aus dem linken Lager, führt in den Umfragen. Bolsonaro selbst verlautete, „nur Gott“ werde ihn aus seinem Amt entfernen, und hat den Konflikt damit weiter gefährlich angeheizt. Internationale Investoren betrachten die politische Entwicklung daher mit großer Sorge und haben ihr Kapital bereits abgezogen: Das Fondsvolumen des iShares MSCI Brazil ist in den letzten sechs Monaten laut Morningstar von insgesamt ursprünglich 5,1 Milliarden um 1,5 Milliarden US-Dollar gesunken.

Ein weiterer Punkt: Die Inflation hat sich im letzten Jahr fast verdreifacht und steht jetzt bei knapp zehn Prozent. Versuche der Zentralbank, der steigenden Inflation durch Zinserhöhungen entgegenzuwirken, sind bisher im Sande verlaufen. Seit März 2021 wurde der Leitzins schon fünfmal erhöht, trotzdem sind die Realzinsen nach wie vor negativ. Vor allem die Energiepreise sind gestiegen. Brasilien nutzt im großen Stil Wasserkraftwerke, die durch eine Dürreperiode in der ersten Jahreshälfte zum Teil ausfielen. 

Neben den Herausforderungen im eigenen Land haben auch veränderte internationale Rahmenbedingungen einen signifikanten Einfluss auf die brasilianische Wirtschaft. Als die US-amerikanische Zentralbank 2013 die Zinsen erhöhte, waren massive Mittelabflüsse aus Schwellenländern die Folge. Sollte die Fed im nächsten Jahr tatsächlich die Zinsen anheben, könnte die brasilianische Wirtschaft erneut unter die Räder kommen. Auch schwächelndes globales Wachstum ist ein Risiko für Brasilien, denn brasilianische Unternehmen sind stark von der internationalen Nachfrage abhängig.


Hohes Risiko in Indizes

Für Buy-the-Dip ist es in Brasilien noch zu früh. Die Wahlen im nächsten Jahr, potentielle Zinserhöhungen in den USA und eine schwächere Weltwirtschaft: Brasiliens Aktienmärkte haben ihren Tiefstand noch nicht erreicht. Wer jetzt aggressiv nachkauft, greift unter Umständen ins fallende Messer. Wer sich an brasilianische Einzeltitel traut, kann sich im Rohstoffsektor umschauen. Vale, eines der drei größten Bergbauunternehmen der Welt, ist seit Juni um 37 Prozent gesunken. Die Aktie ist jetzt mit einem KGV von drei bewertet. Selbst bei den derzeit niedrigen Preisen für Eisenerz ist diese Bewertung noch attraktiv. Außerdem hat der brasilianische Real innerhalb von nur drei Monaten über zehn Prozent abgewertet, was Rohstoffexporteuren wie Vale zugutekommt. Das politische Risiko tragen Anleger natürlich trotzdem.

Die meisten Anleger kaufen wohl ohnehin keine brasilianischen Einzeltitel, sondern Schwellenländer-ETFs und Fonds. Neben den Verlusten in Brasilien mussten Schwellenländer-Indizes in den letzten Monaten auch den Wertverfall chinesischer Aktien verkraften. Der iShares Core MSCI Emerging Markets ETF ist seit Juni um über zehn Prozent gesunken. Auch hier ist mit Blick auf Brasilien und China noch Potential nach unten zu erwarten.   

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