Serie Stiftungen, Teil 3: Reale Erträge? Nur noch mit einem breiteren Anlagemix

Traditionell stehen bei Stiftungen und bei deutschen Anlegern insgesamt sichere Zinsanlagen im Vordergrund. Da das derzeit aber nur sichere reale Verluste bringt, muss heute jeder, der Kapital anlegt und eine reale Rendite erzielen will, die gesamte Bandbreite der Kapitalanlagen nutzen.

Zwischen 2007 und 2017 kletterte das Brutto-Geldvermögen in Westeuropa um rund 40 Prozent. Das geht aus dem Global Wealth Report 2018 von Allianz Global Investors hervor. Bei genauerem Hinsehen fällt aber auf, dass der Vermögenszuwachs hierzulande leicht unterdurchschnittlich ist, während das Brutto-Geldvermögen in Ländern wie Schweden oder Dänemark deutlich stärker zulegte. Warum das so ist, erklärt ein Blick in die Asset Allocation. Denn die differiert von Land zu Land deutlich.

Während in Deutschland laut dem Global Wealth Report fast 40 Prozent in Bankeinlagen angelegt sind und 36 Prozent bei Versicherungen und Pensionen liegen, beträgt der Anteil von Wertpapieren 24 Prozent. In Schweden aber kommen Letztere auf einen Anteil von 47 Prozent. Das heißt, die Anleger hierzulande und insbesondere Stiftungen, die auf regelmäßige Erträge angewiesen sind, müssen sich umorientieren – weg von Bankeinlagen und sicheren Zinsprodukten hin zu renditeträchtigeren Investments.


Aktieninvestments sind real nicht zu schlagen

Was das bringen kann, verdeutlicht der Blick auf die reale Rendite, also den Anlageertrag abzüglich Inflation, verschiedener Anlageklassen. Für die vergangenen 100 Jahre hat das StarCapital Research einmal nachgerechnet. Demnach verdienten Anleger in diesem Zeitraum mit globalen Staatsanleihen, Gold oder Immobilien rund ein bis zwei Prozent pro Jahr im Schnitt. Dazu, so die Experten weiter, gingen die Kurse von  Staatsanleihen teilweise über den Zeitraum von 50 Jahren zurück oder wurden nicht zurückgezahlt, Grundbesitz wurde in Krisenzeiten massiv besteuert und der Besitz von Edelmetallen sanktioniert.

Im Vergleich dazu schneiden globale Aktien deutlich besser ab. Denn sie brachten in diesem Zeitraum nach Abzug der Inflation im Durchschnitt rund sieben Prozent jährlich. Dazu erzielten Anleger mit Aktien, egal wann sie einstiegen, spätestens nach 20 Jahren immer Wertzuwächse. Dass die Verlustwahrscheinlichkeit mit längerer Anlagedauer immer weiter abnimmt, bestätigt auch eine Untersuchung des Deutschen Aktieninstituts. Kurzfristig, auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es bei der Aktienanlage zu einem Verlust kommt, demnach auf Grund der höheren Kursschwankungen zwar bei 28 Prozent.


Verlustwahrscheinlich bei Aktien nach 15 Jahren bei Null

Doch mit zunehmender Haltedauer nimmt die Verlustwahrscheinlichkeit immer weiter ab, die Wahrscheinlichkeit Gewinne entsprechend zu. Nach fünf Jahren kommt es zwar noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 23 Prozent zu Verlusten, nach zehn Jahren liegt sie dann nur aber nur bei fünf Prozent, nach 15 Jahren bei null Prozent. Das heißt, je länger der Anlagehorizont eines Anlegers, desto eher eignen sich Aktien als renditestarke Kapitalanlage. Aus diesem Grund sind Aktien gerade für Stiftungen, die in der Regel für die Ewigkeit errichtet sind, eine ideale Anlageform.

Um also den Stiftungszweck auch im Niedrigzinsumfeld erfüllen zu können, sollten Aktien dringend in der Asset Allocation berücksichtigt werden – auch mit einem höheren Anteil, als den traditionellen 30 Prozent. Aber der Kapitalmarkt hat noch mehr zu bieten. Neben sicheren Zinsanlagen können im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere auch Hochzins- oder Schwellenländeranleihen interessant sein. Diese haben zwar eine niedrigere Bonität als Bundesanleihen, bieten aber höhere laufende Erträge. Dazu können sich auch Gold sowie alternative Investments wie Private Equity oder indirekte Immobilieninvestments wie REITS oder offene Immobilienfonds eignen.


Breite Diversifikation entscheidend

Der Vorteil einer breiten Mischung im Portfolio ist einfach erklärt: Alle diese unterschiedlichen Anlageklassen korrelieren nicht eins zu eins miteinander. So ist zum Beispiel die Korrelation zwischen globalen Anleihen und europäischen Aktien laut einer Korrelationsmatrix von JP Morgan negativ. Das heißt, fallen die Kurse globaler Staatsanleihen, legen europäische Aktien tendenziell zu. Immobilien weisen sogar zu sämtlichen anderen Anlageklassen eine sehr geringe oder negative Korrelation auf. Und das gilt auch innerhalb einzelner Assetklasse. Im Aktienbereich zum Beispiel laufen nicht alle Märkte und Branchen stets eins zu eins in die gleiche Richtung. 

Durch die Berücksichtigung mehrerer Anlageklassen, lassen sich in einem Portfolio somit Risiken reduzieren, ohne dass ein Anleger wie eine Stiftung bei der Rendite Abstriche machen muss. Für Stiftungen, die reale Erträge für ihren langfristigen Erhalt und die Erfüllung ihres Stiftungszwecks brauchen, ist es deshalb unerlässlich, ihr angelegtes Kapital breiter zu streuen. Allerdings haben gerade kleinere Stiftungen meist nicht die finanziellen Rahmenbedingungen, um einen Anlageprofi damit zu beauftragen. Sie müssen  deshalb auf Finanzprodukte zurückgreifen. Welche Alternativen es hier gibt und was sich für wen eignet, lesen Sie in der nächsten Folge dieser Serie.


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