Serie Stiftungen, Teil 4: Was Stiftungs- oder Mischfonds im aktuellen Umfeld leisten können

Für Stiftungen bieten Stiftungs- oder Mischfonds, die in Aktien und Anleihen investieren, im derzeitigen Niedrigzinsumfeld eine interessante Alternative. Was sie können, was es gibt und wie Stiftungen oder Privatanleger die für sie passenden Anlagevehikel finden.

Gemischte Fonds, die in Aktien und Anleihen sowie womöglich auch noch in andere Assetklassen investieren, erfreuen sich hierzulande derzeit großer Beliebtheit. Laut dem Fondsverband BVI hat sich das dort investierte Volumen seit 2013 fast verdoppelt. Derzeit sind etwa 47 Prozent des Fondsvermögens in gemischten Produkten investiert – mehr als in jedem anderen europäischen Land. Dies mag auch an der recht einfachen und einleuchtenden Idee dieser Fondskategorie liegen: In Phasen, in denen die Aktienkurse steigen, investiert der Manager stärker in Aktien. In schlechten Zeiten dagegen geht er in sichere Anleihen und schützt das Portfolio so gegen Kursverluste.

Für kleinere Stiftungen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um eine professionelle Anlageberatung in Anspruch zu nehmen, sind diese damit eine interessante Variante. „Allerdings sollten Stiftungen darauf achten, dass das von ihnen gewählte Produkt eine ausreichende Ausschüttung in Aussicht stellt und dass der Fondsmanager eine ausreichend breite Diversifikation verfolgt“, rät Barbara Claus, Fondsanalystin bei Morningstar. Das heißt, ein Fonds sollte auf Einzeltitel-, Sektoren- und Länderebene ausreichend streuen, um Risiken zu vermindern. „Zudem sollte sich der Manager eines solchen Fonds an einem absoluten Ertragsziel orientiert – und nicht an einem wie auch immer definierten Vergleichsindex“, so die Expertin weiter.

 

Absolutes Ertragsziel und breite Streuung

Ferner empfiehlt sie, Produkten mit eher eng definierten Anlagegrenzen den Vorzug zu geben. Das gehe zwar unter Umständen zu Lasten des aktiven Performancepotenzials, da der Manager nicht alle Möglichkeiten nutzen kann. „Doch ist es das oberste Ziel von Stiftungen, Verlustrisiken zu vermeiden oder zu reduzieren. Das aber setzt Kalkulierbarkeit voraus und die ist nicht gegeben, wenn der Manager theoretisch zu 100 Prozent in riskante Anlagen investieren darf“, so Claus weiter. Dabei erachtet sie eine Aktienquote von maximal 60 Prozent als vernünftig.

Auf die speziellen Anforderungen von Stiftungen zielen zunächst einmal Stiftungsfonds ab. Jedoch müssen Investoren wissen, dass auch die Ausrichtung dieser Fonds nicht immer gleich ist. Ein Beispiel: Laut Morningstar ist der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen mit einem jährlichen Plus von mehr als zehn Prozent der erfolgreichste Stiftungsfonds der vergangenen zehn Jahre. Dieses Produkt zählt allerdings zu den flexiblen Mischfonds, womit Anleger auch höhere Risiken tragen müssen. Laut dem aktuellen Factsheet liegt dessen Aktienquote bei etwa 63 Prozent. Entsprechend müssen Anleger auch mit höheren Kursschwankungen rechnen. Dessen Standardabweichung auf drei Jahre liegt laut Morningstar bei etwas mehr als acht Prozent.

Wem dies zu hoch ist, hat aber die Möglichkeit, zu einem defensiveren Produkt zu greifen. Der Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit P beispielsweise, der zur defensiven Kategorie zählt, weist laut Morning eine Volatilität von nur 2,44 Prozent auf. Dafür legte der Fonds, der aktuell laut Morningstar eine Anleihequote von 80 Prozent aufweist, auf Sicht von zehn Jahren lediglich drei Prozent pro Jahr zu. Doch gibt es zwischen diesen beiden genannten Fonds eine große Bandbreite weiterer Produkte, die zum Beispiel auch recht ausgewogen in Aktien und Anleihen investieren.

 

Das breite Universum der Mischfonds nutzen

„Bevor Stiftungsvorstände investieren, müssen sie sich deshalb im Klaren darüber sein, wie viel Freiheit sie dem Manager lassen möchten und wie viel Risiko sie bereit sind tragen“, erläutert Fonds-Analystin Claus. Wer also mit zwischenzeitlich hohen Verlusten umgehen kann, der kann eine offensivere Variante wählen, bei der der Aktienanteil bei bis zu 60 Prozent liegen kann. Allerdings sollte jeder Investor die Performance- und Risikodaten wie die Volatilität oder die Sharpe Ratio genau vergleichen. Schließlich gibt es Produkte, die bei gleich hohen Kursschwankungen unterschiedliche Renditen erzielen.

„Allerdings gibt es auch keinen Grund, sich bei der Selektion allein auf Stiftungsfonds zu beschränken“, macht Claus klar. „Herkömmliche Mischfonds können sich für Stiftungen ebenso gut eignen, sofern sie eine ausreichende Ausschüttung in Aussicht stellen und breit streuen.“ Interessant daran ist, dass sich das Anlagespektrum von rund 50 Produkten plötzlich auf mehrere tausend Investmentfonds erweitert. Schließlich gibt es defensive, ausgewogene, offensive und flexible Mischfonds. Und darunter befinden sich einige recht attraktive Produkte. Zum Beispiel den Kapital Plus, der sich auf den Markt für Euro-Anleihen guter Bonität konzentriert und 20 bis 40  Prozent des Vermögens am europäischen Aktienmarkt anlegen kann. Mit dieser zurückhaltenden Ausrichtung brachte er es auf eine Rendite von fast 7,7 Prozent jährlich in den vergangenen zehn Jahren.

Dazu hat diese breitere Auswahl noch einen weiteren Vorteil. Denn so lassen sich Fonds finden und kombinieren, die ähnliche Anlageziele mit unterschiedlichen Ansätzen und Stilen zu erreichen versuchen. Diese zu mischen, kann das Risiko weiter reduzieren. Denn letztlich bieten alle diese Fonds keine Garantie. So mussten gerade offensivere Stiftungs- oder Mischfonds im schwierigen Aktienjahr 2018 deutliche Verluste von sieben Prozent und mehr hinnehmen. Manche defensiven Produkte aber konnten ihr Minus auf zwei bis drei Prozent begrenzen. Übrigens hat es sich auch ausgezahlt, Verlustbringer nicht gleich zu verkaufen. Denn ein erheblicher Teil der Fonds hat das Minus aus dem vierten Quartal 2018 inzwischen wieder aufgeholt.

 

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