Serie Stiftungen, Teil 5: Warum sich Stiftungen und Nachhaltige Geldanlage gut ergänzen

Stiftungen haben meist einen sozialen oder ökologischen Zweck. Deshalb können sich nachhaltige Investments, mit denen sich nachweislich Risiken ohne Abstriche bei der Rendite reduzieren lassen, für diese besonders eignen. Allerdings passt auch nicht alles, was als nachhaltig bezeichnet wird, gleichermaßen zu jedem Investor.

Raus aus der Nische, rein in den Main Stream: Nachhaltigkeit bei der Geldanlage wird derzeit immer populärer und ist dabei sich fest zu etablieren. Das zeigt nicht zuletzt ein Blick auf die nackten Fakten: Laut dem Marktbericht 2019 des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) hat das hierzulande nachhaltig investierte Kapital mit einem Zuwachs von 28,2 Prozent im vergangenen Jahr mit 219 Milliarden Euro einen neuen Rekordstand erreicht. Nimmt man jene Vermögen hinzu, für die Nachhaltigkeitskriterien auf Unternehmensebene verankert sind, ergibt sich gar die Gesamtsumme von 1,53 Billionen Euro.

Dabei ist Nachhaltigkeit kein deutsches Phänomen. Laut der Global Sustainable Investment Alliance ist die Summe nachhaltiger Investments weltweit seit 2016 um 34 Prozent auf etwa 30 Billionen Dollar gestiegen. „Zum einen dürfte bei dem wachsenden Interesse die zunehmende Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen und den immer stärker spürenden Klimawandel eine Rolle spielen“, urteilt Felix Oldenburg vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. „Zum anderen zeigen Studien, dass Anleger damit im Vergleich zu traditionellen Anlagen keinen Renditenachteil mehr erleiden müssen.“


Nachhaltige globale Aktienfonds mit besserem Rendite-Risiko-Profil

Das haben die Experten von Scope Analysis im Oktober vergangenen Jahres untersucht. Sie haben unter anderem die Wertentwicklung der Peergroup „Aktien Nachhaltigkeit/Ethik Welt“ mit nicht nachhaltig ausgerichteten globalen Aktienfonds verglichen. Das Ergebnis: Über fünf Jahre legten die nachhaltigen Produkte im Schnitt 10,7 Prozent pro Jahr zu, während ihre traditionellen Pendants nur auf zehn Prozent kamen. Besonders interessant für Stiftungen: Die nachhaltig-ethischen Anlagevehikel haben diese Performance mit durchschnittlichen Kursschwankungen von 10,1 Prozent erreicht, während traditionelle Aktienfonds eine Volatilität von 10,9 Prozent aufwiesen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Fondsanalysehaus Morningstar. Auch dort stellen die Analysten fest, dass nachhaltige Fonds keinen Renditenachteil bringen, aber die Risiken im Portfolio reduzieren können. Diese Ergebnisse machen nachhaltige Investments für Stiftungen besonders attraktiv, da sie damit gerade in der anhaltenden Niedrigzinsphase eine Alternative zu Zinsanlagen wie Bundesanleihen bieten können. Der Haken an der nachhaltigen Geldanlage ist allerdings, dass es keine allgemein gültige Definition dafür gibt. Stiftungsvorstände sollten sich deshalb im ersten Schritt Gedanken darüber machen, was Nachhaltigkeit für sie bedeutet.

„Für uns zum Beispiel“, erklärt Geschäftsführerin Petra Träg von der SOS-Kinderdorf-Stiftung, die derzeit an einem White Paper zum Thema Geldanlage von Stiftungen im Niedrigzinsumfeld arbeitet, „bedeutet Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage insbesondere, auf Geschäftsmodelle zu setzen, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich langfristig tragfähig sind. Außerdem schließen wir bestimmte Branchen aus unserem Anlageuniversum aus, die wir nicht zur Ertragserzielung nutzen möchten.“ Unternehmen, die bereits lange bestehen, haben schließlich unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, sich auch an veränderte Marktbedingungen anzupassen. „Solche Firmen werden dann auch auf eine CO2-Besteuerung oder ähnliche regulatorische oder gesellschaftliche Veränderungen reagieren“, so Träg.


Zusätzliche ökologische und soziale Rendite mit Impact Investing

Andere Investoren dagegen mögen einen Best-in-Class-Ansatz für sich als sinnvoll erachten. Dabei geht es darum, aus jeder Branche nur in die nachhaltigsten Unternehmen zu investieren. Zumeist erfolgt die Analyse der Unternehmen nach den so genannten ESG-Kriterien, was für Umwelt, Soziales und Governance steht. Das heißt, es wird untersucht, wie ökologisch und sozial ein Unternehmen ist und wie gut es hinsichtlich seines ethischen Verhaltens abschneidet. Für ein Investment kommen dann die Firmen oder Staaten in Betracht, die das beste ESG-Rating aufweisen. Auf diese Weise sollen die Risiken in einem Portfolio reduziert werden.

Einen weiteren Weg erachtet Felix Oldenburg für Stiftungen als besonders interessant: Impact Investing. „Grob geht es darum, mit seinem investierten Geld nicht nur einen finanziellen Ertrag, sondern auch eine ökologische oder soziale Rendite zu erzielen“, sagt er. „Idealerweise gelingt es entsprechend dem Stiftungszweck zu investieren, also diesen mit den Investments in Einklang zu bringen.“ Das heißt, eine Stiftung kann auf diese Weise ihren Stiftungszweck erfüllen und zugleich eine finanzielle Rendite erzielen. Jedoch ist das der Idealfall und wird nicht in jedem Fall funktionieren.

Diese Beispiele zeigen aber auch, dass sich nicht jeder Ansatz und jedes Produkt für jeden Investor gleichermaßen eignet. Jeder Anleger sollte deshalb für sich selbst zuerst definieren, was Nachhaltigkeit für ihn bedeutet. Und erst im zweiten Schritt nach dem dazu passenden Anlageansatz suchen.


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