Siemens schickt mehrere Tausend in Zwangsurlaub

Siemens schickt Zehntausende seiner Mitarbeiter in der Woche nach Pfingsten in den Zwangsurlaub. Betroffen sind mehrere Produktionsstätten großer Turbinen für Gas- und Dampfkraftwerke.

Schwächelnder Energiemarkt

Laut Siemens soll mit den Zwangsurlauben Kosten gespart werden. Genauer geht es dabei um die Posten, in denen es demnächst zu einem massiven Stellenabbau kommen könnte. In der Woche nach Pfingsten sollen so viele Standorte wie möglich stillgelegt werden. Der Zwangsurlaub soll mindestens drei bis vier Tage dauern, wenn nicht die ganze Woche. In der Sparte der Produktion großer Turbinen für Gas- und Dampfkraftwerke beschäftigt das Münchner Industrieunternehmen ungefähr 30.000 Mitarbeiter. Gleichzeitig will man bei Siemens auch an Reisekosten, Messen, Investitionen und am Sponsoring sparen.

Grund dafür sind die einbrechenden Einnahmen von Siemens. An diesem Mittwoch wird der Industriekonzern seine aktuellen Zahlen vorlegen. Zurzeit gibt es am Markt von Gasturbinen enorme Überkapazitäten. Während es hier wenige Aufträge gibt, ist auch der Preisdruck besonders hoch. Schon in den Monaten musste die Energiedivision von Siemens herbe Verluste hinnehmen. Im ersten Geschäftsquartal hatte sich deren Gewinn fast halbiert. Für das zweite Quartal befürchten Beobachter einen Rückgang von 62 Prozent und einen Umsatzeinbruch von fast einem Viertel. Lediglich im Service-Bereich konnte Siemens mit dem Kraftwerksgeschäft noch Umsätze machen.


Ein absichtliches Zeichen der Schwäche?

 Bei diesen Einsparungen handelt es sich nicht um eine Maßnahme, um den geplanten massiven Stellenabbau zu verhindern. Es ist vorgesehen, mehr als 6000 Stellen in der Division Power und Gas zu streichen. Dabei drohen solche Kündigungen schon seit Jahren. Die Pläne zur Schließung mehrerer ostdeutscher Werke in Görlitz, Leipzig und möglicherweise in Erfurt sorgt schon eine Weile für Unmut. Zurzeit laufen Sondierungsgespräche zwischen Siemens, den Betriebsräten und der IG Metall. Vonseiten der Arbeitnehmervertreter wurde geäußert, dass Siemens mit dem Zwangsurlaub lediglich beweisen will, wie dringend der Abbau nötig ist. Betriebsräte und Gewerkschaft wollen die Schließung der Werke in Leipzig und Görlitz verhindern. Mittlerweile zeichnen sich die ersten Ansätze für eine Gesamtlösung ab. Bis zum Sommer könnte eine Einigung erzielt werden.