Sind börsennotierte Beteiligungsgesellschaften die besseren Aktienfonds?
4 min
2021-11-02

Sind börsennotierte Beteiligungsgesellschaften die besseren Aktienfonds?

Wer Geld anlegen möchte, sollte seine Investitionen breit streuen. Eine Alternative zu Investmentfonds sind börsennotierte Beteiligungsgesellschaften, die ihre Engagements ebenfalls über viele Unternehmen verteilen. Wer besser abschneidet, hat CAPinside-Experte Rainer Wagenhäuser analysiert.

Zunächst stellt sich die Frage, was unter „Beteiligungsgesellschaft“ zu verstehen ist. Die Unterschiede zwischen Mischkonzern, Private Equity und Investmentgesellschaft sind fließend. Im klassischen Fall handelt es sich um eine Dachgesellschaft, die wiederum Beteiligungen an weiteren börsennotierten Unternehmen hält, sodass der aktuelle Wert der Investmentgesellschaft recht einfach ermittelt werden kann. Es gibt aber auch viele Beteiligungsgesellschaften, die mehrheitlich oder komplett in nicht börsennotierte Unternehmen und Startups investieren.


Beteiligungen vs. Investmentfonds

Ein Vorteil der Investmentgesellschaft besteht darin, dass sie keine Mittelabflüsse seitens der Anleger kennt und dass das Management bei Marktkorrekturen keine Positionen verkaufen muss. Investmentgesellschaften können zudem etwas flexibler und unabhängiger von Benchmarks und Indizes agieren und investieren. Mittlerweile haben Anleger die Auswahl aus mehr als 50 Beteiligungsgesellschaften unterschiedlichster Art. Für den Vergleich von Performance und Volatilität mit der jeweiligen Peergroup haben wir fünf Gesellschaften ausgewählt, die börsennotiert sind und Anteile an anderen Unternehmen halten:

Berkshire Hathaway (Marktkapitalisierung: 563,37 Mrd. Euro)

Als „Mutter“ aller börsennotierten Beteiligungsgesellschaften gilt die Aktie von Berkshire Hathaway mit dem wohl berühmtesten Investor der Welt: Warren Buffett. Mehr als 80 Firmen gehören zu der legendären US-Holding – von der Energieversorgung und Finanzdienstleistungen bis hin zu Technologiekonzernen und Groß- und Einzelhandel.

BB Biotech (Marktkapitalisierung: 4,16 Mrd. Euro)
Das Schweizer Unternehmen BB Biotech investiert nahezu ausschließlich in ein Portfolio aufstrebender Biotechnologie-Unternehmen, die neue Medikamente entwickeln und vermarkten. Mindestens 90 Prozent des Beteiligungswerts stecken dabei in börsennotierten Gesellschaften.

Indus Holding (Marktkapitalisierung: 905 Mio. Euro)
Indus mit Sitz in Bergisch Gladbach ist im SDax gelistet und bietet seinen Aktionären ein Portfolio mittelständischer Unternehmen vor allem in den Segmenten Bau- und Infrastruktur, Fahrzeugtechnik, Maschinen- und Anlagenbau sowie Medizin- und Gesundheitstechnik.

Deutsche Beteiligungs AG (Marktkapitalisierung 718 Mio. Euro)
Die Deutsche Beteiligungs AG mit Sitz in Frankfurt am Main investiert vor allem in gut positionierte mittelständische Unternehmen und dem Schwerpunkt Industrie, Telekommunikation, IT-Services/Software und Healthcare.

Aurelius (Marktkapitalisierung 682 Mio. Euro)
Aurelius Equity Opportunities mit Sitz in Grünwald bei München legt den Schwerpunkt der Investitionen auf mittelständische Unternehmen und auf die Bereiche IT & Business Services, Industrieunternehmen & Chemie sowie Lifestyle & Konsumgüter.

Es gibt einige weitere Investmentgesellschaften, die börsennotiert sind. Diese reichen von der niederländischen Prosus N.V., die stolze 29 Prozent am chinesischen Tencent-Konzern und große Anteile an Internet- und Technologieunternehmen hält, bis hin zu deutschen Beteiligungsgesellschaften wie Gesco, Mutares und Blue Cap.


Wer hat das bessere Risikomanagement?

In puncto Risikominderung haben die Investmentfonds klare Vorteile. Fonds dürfen laut einer EU-Richtlinie maximal zehn Prozent des Fondsvermögens in Wertpapiere eines einzelnen Unternehmens anlegen und alle Investitionen über fünf Prozent dürfen sich insgesamt auf maximal 40 Prozent des Portfolios eines Fonds summieren. Wer das Investmentrisiko stärker streuen möchte, sollte daher eher zu Aktienfonds greifen. Bei Beteiligungsgesellschaften gibt es keine so starren Vorschriften, was zwar mehr Flexibilität bringt, aber auch zu höheren Risiken führen kann. Mehr als 40 Prozent des investierten Geldes stecken beispielsweise bei Berkshire Hathaway allein in Apple-Aktien. Bei BB Biotech macht die Top-Position Moderna derzeit einen Anteil von knapp 15 Prozent der eigenen Marktkapitalisierung aus.

Interessant erscheint ein Vergleich der ausgewählten börsennotierten Investmentgesellschaften mit Aktienfonds der Peergroup nach den Kriterien Volatilität und Performance.


Volatilität im Vergleich zur Peergroup

Betrachtet man die Volatilität, verzeichnen Aktienfonds etwas geringere Ausschläge und Schwankungen als die Investmentgesellschaften. Im Folgenden die Volatilität innerhalb eines Jahres im Vergleich zur Peergroup:

Berkshire Hathaway B: 18,6 % vs. Aktienfonds USA: ca. 14 %

BB Biotech: 24,7 % vs. Aktienfonds Biotechnologie: ca. 15 %

Indus Holding: 23,8 % vs. Aurelius: 44,1 % vs. Dt. Beteiligungs AG: 27,31 % vs. Aktienfonds Mid & Small Cap Deutschland: ca. 18 %


Performance im Vergleich zur Peergroup

Am wichtigsten für die meisten Anleger dürfte die Frage nach der Performance sein. Vergleicht man die  Auswahl an börsennotierten Beteiligungsgesellschaften mit der Peergroup, kommt es zu folgendem Ergebnis:


Bei der Performance im 1-, 3-, 5- und 10-Jahresvergleich verzeichnen die Beteiligungsgesellschaften somit recht unterschiedliche Ergebnisse, die vor allem auf den Erfolg und Misserfolg einzelner Unternehmen im eigenen Portfolio zurückzuführen sind. Berkshire Hathaway, BB Biotech und die Deutsche Beteiligungs AG hatten in den letzten Jahren eine recht gute Hand bei der Auswahl ihres Portfolios. Weniger erfolgreich waren Indus und Aurelius, zumindest bei der Betrachtung der letzten drei und fünf Jahre. Die entsprechende Peergroup bei den Aktienfonds kleiner und mittlerer deutscher Unternehmen schneidet hier in den gleichen Zeiträumen wesentlich besser ab.

In welchen Fonds sind die Beteiligungsgesellschaften vertreten?

Investiert der Anleger in einen Aktienfonds der Peergroup muss er nicht ganz auf die Beteiligungsgesellschaften verzichten. Berkshire Hathaway ist im Portfolio am höchsten derzeit im Davis Value Fund A mit 6,30 Prozent enthalten. Die Aktienfonds der Biotechnologie Peergroup hingegen verzichten weitgehend auf BB Biotech als Bestandteil ihres  Portfolios, da sie bevorzugt auf Einzelunternehmen setzen. Wer BB Biotech mit einem möglichst hohen Anteil in einem Investmentfonds erwerben möchte, greift zum Tinzenhorn Fonds T. Hier ist die Biotech-Investmentgesellschaft mit stolzen 9,22 Prozent vertreten. Und wer garantiert die Indus Holding in seinem Portfolio haben möchte, kann zu einem beliebigen SDax ETF greifen, beispielsweise zum Lyxor SDax ETF. Rund 0,6 Prozent des Fondskapitals werden dabei aktuell in die Indus Holding angelegt.

 

Unterschiedliche Rendite-Risiko-Profile

Fehlinvestitionen im Unternehmensportfolio fallen bei Investmentfonds – auch dank der Begrenzung der Einzeltitel auf einen Anteil von maximal zehn Prozent – weniger stark ins Gewicht als bei den Beteiligungsgesellschaften. Gerade im Hinblick auf Risiko und Volatilität sollten Anleger daher eher Aktienfonds gegenüber börsennotierten Beteiligungsgesellschaften bevorzugen, da hier die Schwankungsbreite deutlich geringer ausfällt. Auch hinsichtlich der Performance erscheinen Aktienfonds als die bessere Wahl, da hier die Wahrscheinlichkeit des Erzielens stabiler positiver Renditen doch etwas höher ist.


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