Social Impact Investing: Die Kultur- und Kreativwirtschaft im Fokus
3 Min.
18.08.2021

Social Impact Investing: Die Kultur- und Kreativwirtschaft im Fokus

Social Impact Investing zielt darauf ab, neben der finanziellen Rendite eine soziale Rendite zu erwirtschaften. Gerade im Kulturbereich finden Anleger viele Möglichkeiten, diesen doppelten Nutzen zu erreichen. CAPinside-Experte Prof. Patrick Peters erklärt, wie Investoren zu Mäzenen werden können.

Es mag auf den ersten Blick überraschen: In keinem der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDG) ist explizit von Kunst und Kultur die Rede. Sind Kunst und Kultur denn nicht als nachhaltige Werte schutz- und förderwürdig? Selbstverständlich sind sie das, wie die UN selbst ausführt: „Kulturelles Erbe – sowohl materiell als auch immateriell – und Kreativität sind Ressourcen, die geschützt und sorgfältig verwaltet werden müssen. Sie können sowohl als Treiber für die Erreichung der SDGs als auch als Wegbereiter dienen, wenn kulturorientierte Lösungen den Erfolg von Interventionen zur Erreichung der SDGs sicherstellen können.“

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist generell eine wesentliche globale Größe und trägt drei Prozent zum weltweiten Bruttosozialprodukt bei. Zugleich habe dieser Wirtschaftsbereich laut Creativity, Culture & Capital nur einen Anteil von 0,1 Prozent am Impact Investing-Volumen. Das ändere sich mehr und mehr: „Impact-Investoren werden durch ihre Größe von der Kreativwirtschaft angezogen: globale Probleme, große Marktchancen, große Verbrauchernachfrage“, so die Kultur-Plattform. Somit haben Kunst und Kultur auch im Investmentbereich eine absolute Daseinsberechtigung. Sie gelten als Teil des sogenannten Social Impact Investing. Damit ist wirkungsorientiertes Investieren mit Bezug zum sozial-gesellschaftlichen Bereich gemeint –Kunst und Kultur gehören ebenso dazu wie etwa Bildung.


Soziale Rendite durch Projekt- und Unternehmensbeteiligungen und Sachwerte

„Social Impact Investing zielt darauf ab, neben einer marktüblichen finanziellen Rendite auch eine soziale Rendite zu erreichen. Es zielt daher darauf ab, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und gleichzeitig soziale Ergebnisse zu erzielen. Die Bandbreite der Möglichkeiten für wirkungsorientierte Investoren ist sehr groß, und vor allem direkte Projekt- und Unternehmensbeteiligungen und Sachwerte stehen mit überdurchschnittlichen Renditemöglichkeiten und sozialem Zusatznutzen im Fokus“, sagt Dr. Johannes Knorz, Geschäftsführer des auf Impact Investing spezialisierten Family Office 4L Vision und Beirat der Impact-Vermögensverwaltung 4L Capital AG.

Ein Beispiel ist das Start-up Classplash aus Karlsruhe. Das Unternehmen bietet digitalen Musikunterricht über selbstentwickelte Apps auf Basis eines weltweit prämierten pädagogischen Konzepts und versorgt die Kinder direkt mit dem passenden Instrument. „Im Fokus unserer Apps steht der didaktische Inhalt und dessen spielerische Vermittlung über Storytelling, musikalische Untermalung und Animationen. Besonders ist vor allem die neu entwickelte Tonerkennung, die einen praktischen und fehlerfreien Lernprozess ermöglicht. Wir bieten die Kombination aus spielerischem Lernen, innovativer Technologie und nachhaltiger Bildung“, sagt Geschäftsführer Rui Duarte.



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Direktes Engagement für soziale Belange im kulturellen Bereich

Dabei gehe es unter anderem um die Förderung von Selbstbewusstsein, Sozialverhalten und Persönlichkeitsbildung, die Entwicklung des logisch-mathematischen Verständnisses, des Wortgedächtnisses und der Sprachentwicklung und die Anregung zu Bewegung, Rhythmus-Gefühl und Glücksempfinden durch das Musizieren. Das sei direktes Engagement für soziale Belange im kulturellen Bereich, und 4L und deren Investoren habe die Basis dafür durch die Venture-Beteiligung geschaffen. Rui Duarte weiter: „Darüber hinaus engagieren wir uns auch für soziale Projekte, da wir der Meinung sind das Bildung allen Kindern zugänglich sein muss. Beispielsweise planen wir gerade mit der Organisation ‚Wave of Hope for the Future‘ ein größeres Projekt, um deren Flüchtlingscamps mit Instrumenten und unseren Apps auszustatten.“

Apropos Musik und Instrumente: Auf diese Assetklasse innerhalb des Social Impact Investing ist Christian Reister spezialisiert. Mit seiner Gesellschaft Kulturinvestor GmbH vermittelt er neue und wertvolle Streichinstrumente an private und institutionelle Anleger. „Historische Streichinstrumente als Vermögensanlage wecken insbesondere das Interesse von Mäzenen und Stiftungen, die den Bereich der Kunst und Kultur fördern wollen. Das knappe Angebot bei gleichzeitiger konstanter Nachfrage durch Sammler, Musiker und Investoren sorgt per se für hochpreisige Exklusivität. Wir sprechen von einem durchschnittlichen Wertzuwachs zwischen fünf bis acht Prozent im Jahr.“


Kulturinvestments machen den Investor zum Mäzen

Dazu komme der Social Impact in der Art, dass Kulturinvestoren sich dezidiert in der Talentförderung engagieren könnten, betont Christian Reister. Professionelle Orchestermusiker, Solisten und Nachwuchstalente in akademischer Ausbildung könnten mit Leihgaben unterstützt werden. Damit werde ein wichtiger Beitrag zum Erhalt eines lebendigen Kulturlebens geleistet. Wirkung zu erzielen sei ein großes Bedürfnis, das gesellschaftlich immer bedeutender werde. „Bei Kulturinvestments ist der Schritt vom Anleger zum Mäzen kurz. Hochbegabte Nachwuchsmusikerinnen und -musiker oder bereits etablierte Virtuosen haben weltweit einen großen Bedarf an Spitzeninstrumenten, die sie für die Entfaltung ihrer künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten benötigen. Somit beteiligt sich der Social Impact-Investor direkt an der Kulturlandschaft und an der Förderung eines lebenswerten Gemeinwesens.“

Sachwerte-Berater Thomas Hack, der neben Violinen auch Kunst als Investment einsetzt, betont den allgemeinen Trend zur Verlagerung von Investitionen hin zu Anlageformen, die eben auf mehr als nur eine finanzielle Rendite abzielen. „Investoren wenden sich aus finanzieller und emotionaler Sicht der Kunst zu. Kunst gilt als ältester von Menschenhand geschaffener Sachwert und sichert kulturelle Werte, Ästhetik und Geschichte. Wer in Kunst investiert, unterstützt die Kultur- und Kreativwirtschaft und schafft einen Zusatznutzen für die Gesellschaft. Kunst wird erhalten, Künstler werden gefördert. Das ist auch Impact Investing.“ Projekte wie 4L Capital, Classplash oder Kulturinvestor geben die Möglichkeit zu bewahren und zu fördern und gleichzeitig eine finanzielle Rendite zu erzielen. Der Markt für Kulturinvestments ist jung und aufstrebend, wie die Künstler, die dahinter stehen!


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