Solarisbank - Mega-Funding für deutsches Fintech

Die 2016 gegründete Solarisbank mit Sitz in Berlin freut sich aktuell über ein 56 Millionen Euro schweres Mega-Funding. Das Geld kommt von mehreren europäischen Großbanken.

 

Diese Finanzierungsrunde wirft ein Schlaglicht auf den bislang nur Insidern bekannten Erfolg deutscher Fintech Unternehmen, zu denen Solaris mit ihren innovativen Geschäftsmodellen zu zählen ist. Diese gelten nämlich im internationalen Maßstab als höchst erfolgreich.

Wer sind die Fintech Investoren?

Unter anderem gehören die ABN Amro (Niederlande) und die spanische BBVA zu den Investoren, beides führende europäische Banken, was als besonders bemerkenswert gilt. In deutsche Start-ups der Finanzbranche hatten bislang Geldhäuser dieses Kalibers noch nicht investiert. Weitere Schwergewichte unter den Kapitalgebern sind der Kreditkartenkonzern Visa und der Venturecapital Fonds Lakestar. Der Aufsichtsratschef der Solarisbank Gerrit Seidel ist über die Auswahl erfreut: Man habe exakt die passenden Geldgeber gefunden, erklärte er im Interview.

Die Signalwirkung ist hoch, weil die Szene zuletzt daran gezweifelt hatte, ob sich solche Mega-Fundings mit Größenordnungen über 50 Millionen Euro überhaupt für Finanz-Start-ups lohnen - ob also die jungen Unternehmen das Geld sinnvoll verwenden können. Doch am Beispiel Solaris zeigt sich nun, dass global orientierte Investoren das Potenzial der innovativen deutschen Fintech-Landschaft erkannt haben. Natürlich sind auf der Kapitalgeberseite die Erwartungen hoch. Die finanzierten Unternehmen sollen international ausgerichtet und strikt auf Wachstumskurs sein. Diese Zielrichtung bestätigte ein Solaris-Sprecher prompt.

Das Solaris-Geschäftsmodell

Nach ihrer Gründung hatte die Solarisbank umgehend bei der BaFin eine Banklizenz beantragt und auch bekommen, womit sie ein Vorreiter unter den deutschen Fintech-Unternehmen war. So eine Lizenz berechtigt zu bestimmten Bankdienstleistungen, die nun andere Start-ups wie Hufsy, Kontist und Penta an Solaris auslagern, auch wenn sie sich um den Vertrieb und die Außendarstellung kümmern. Die technische Basis ihrer Geschäfte ist die Solaris-Plattform.

Auch Kredite, welche das Gebrauchtwagen-Portal Autoscout24 seinen Nutzern vermittelt, laufen über die Solarisbank, die in diesem Fall sogar die komplette Finanzierung übernimmt. Weitere Beispiele sind die Direktbank MoneyYou (ein Online-Ableger der ABN Amro) und das P2P-Portal Smava, das schon länger neben P2P-Finanzierungen (also der Kreditfinanzierung durch private Anleger) auch normale Bankkredite anbietet. Diese kommen wenigstens in Teilen von der Solarisbank.

Das Fintech Unternehmen Solaris ging aus dem Company Builder Finleap hervor, der nach wie vor 30 Prozent der Anteile hält und damit auch nach der letzten Finanzierungsrunde größter Aktionär bleibt. Der BBVA-Anteil ist allerdings so groß (Platz 2), dass die BaFin ein Inhaberkontrollverfahren durchführen wird. Die übrigen Aktionäre halten lediglich im einstelligen Prozentbereich Anteile. Auch Altaktionäre sind an der neuen Finanzierung beteiligt, darunter die japanische SBI Group, Arvato (eine Bertelsmann-Tochter) und der Münchner Venturecapital Investor Yabeo.

Solaris bleibt unabhängig

Der Solaris-Chef Seidel betont, dass die Unabhängigkeit des Finanzunternehmens durch eine breite Aktionärsaufstellung gewahrt bleibt. Es wird hinsichtlich seines Wertes aktuell (März 2018) auf rund 175 Millionen Euro geschätzt, nach der Finanzierungsrunde könnten es um die 230 Millionen Euro sein. Die Aktionärsstruktur hat sich verändert: Bis vor einiger Zeit war noch die deutsche HVB mit an Bord, die aber ihre Anteile an die BBVA verkauft hat. Damit ist an Solaris nun kein deutsches Geldinstitut mehr beteiligt, dafür zwei ausländische Banken. Das spräche nicht gegen den Standort Deutschland, so ein Solaris-Sprecher. Man habe jedoch in Europa nach technologisch sehr progressiven Investoren gesucht.

Ein Paradebeispiel hierfür ist die BBVA, die schon frühzeitig auf den Fintech-Kurs eingeschwenkt war und beispielsweise 2014 das US-amerikanische Start-up Simple, 2016 das finnische Fintech-Unternehmen Holvi übernommen hatte. Aktuell interessieren sich die Spanier für die britische Challenger-Bank Atom, bei der ebenfalls ein Mega-Funding ansteht. Aus einer Oliver-Wyman-Studie geht hervor, dass die BBVA die am meisten digitalisierte europäische Bank ist. Auch die ABN Amro rechnet man zu den Vorreitern bei der Digitalisierung der Bankenbranche. Das passt sehr gut zu Solaris und könnte überdies einen generellen Trend in der Finanzwirtschaft aufzeigen: Diese wird digitaler, innovativer und segmentierter.