Sollte N26 wirklich scheitern?

Die Volksbanken melden Betrugsfälle und stoppen Überweisungen an N26.

Vor zwei Wochen hatte ich einen Anruf meiner örtlichen Volksbank auf meiner Mailbox. Es ging um einen Betrugsverdacht, und der Berater bat mit sonorerer Stimme um meinen dringenden Rückruf. Schlagartig ging mein Puls nach oben, denn kurz vorher hatte ich eine größere Summe auf mein Konto bei der Volksbank überwiesen. Hatte es nun etwa mich erwischt?

Als ich meinem Berater schließlich am Telefon hatte, ging es tatsächlich um eine reguläre Überweisung zugunsten meines N26-Kontos. Die Volksbank hatte den Verdacht, dass es sich um einen Betrugsversuch handelte und hatte die Überweisung gestoppt. Ich war überrascht, denn der Betrag war gering, und die Überweisung im TAN-Verfahren von mir selbst durchgeführt. Die Volksbank gab schließlich meine Überweisung frei. Eine Folge ähnlicher Vorfälle durfte ich später in der Presse verfolgen. Die Finanzaufsicht Bafin prüft. Die Presse spekuliert. So schreibt Markus Frühauf von der FAZ über die Vorfälle und mahnt. Er vergleicht die Vorfälle mit Wirecard und schreibt von Geldwäsche-Vorwürfen. Fazit: „Der Welpenschutz endet, wo Betrüger angezogen werden“.

 

Technologisch ganz vorne

Mir platzt der Kragen. Ich bin N26-Kunde und habe mich aus beruflichen Gründen intensiv mit N26 beschäftigt. Tatsächlich setzt das Unternehmen einzigartige Maßstäbe in der Branche, übrigens genauso wie Wirecard (rein technologisch betrachtet), an denen sich keine andere deutsche Bank messen kann.

Mein N26-Konto war in 15 Minuten eröffnet. Und das vom Beifahrersitz aus, auf dem Weg an die Ostsee über eine 4G-Verbindung, inklusive Identifikationsverfahren. Dieses Verfahren ist digital durch biometrische Daten sowie die Ausleuchtung der Ausweise übrigens vielfach sicherer als jedes Post-Identverfahren.

 

Günstig und bequem

Als meine N26 Metal-Kreditkarte Verspätung hatte, die übrigens die coolste und innovativste Kreditkarte ist, die ich kenne, habe ich dies über meine App im Chat gemeldet, und der Service von N26 hat die Gebühr für die Karte innerhalb von Sekunden auf mein Konto zurückerstattet. Services, App, Kundenbetreuung und Kreditanfrage über den Chat Bot funktionieren und sind effektiv und gleichzeitig um ein Vielfaches günstiger und bequemer.

Und das, während die Hamburger Sparkasse, die größte Sparkasse Deutschlands, ihr Online Banking jüngst umstellte und einfach über Tage hinweg alle Geldautomaten und auch Online-Überweisungen sperrte und zu allem Überfluss noch Tage später so viele Probleme hatte, dass unsere Mitarbeiter in Hamburg im monatlichen Zahlungslauf der Löhne leer ausgehen. Und das, während die Deutsche Bank sich zum Gespött der Märkte macht und eine nicht endend wollende Serie an Rechtsverstößen, verlorenen Prozessen, Betrügereien und Skandalen anhäuft. Und das, während die Commerzbank in den MDax absteigt und nur durch Milliarden unserer Steuergelder überhaupt noch lebt.

 

Bankenbranche hinkt weit hinterher

Während die ganze deutsche Bankenbranche von B wie Berenberg bis W wie Warburg in Unschlüssigkeit gegenüber der Digitalisierung vor sich hin bröselt, hat nie eine Volksbank oder eine andere deutsche Bank es gewagt, massenhaft Überweisungen etwa  an die Deutsche Bank zu stoppen, obwohl diese Bank bzw. hochrangige Mitarbeiter - im Gegensatz zu N26 - rechtskräftig des Betruges überführt sind.

Eines muss allen im Finanzmarkt „kristallklar“ werden: Spieler wie N26 und Wirecard sind die technologische Zukunft des deutschen Finanzplatzes. Nicht die verstaubten Institute der Vergangenheit, die sich in den letzten 10 Jahren wahrlich nicht mit Ruhm, Ideen, Konzepten oder nachhaltiger Wertbildung bekleckert haben.

 

Hinweis: Ich halte weder direkt noch indirekt Anteile oder Optionen gleich welcher Art an den genannten Unternehmen und plane dies auch nicht innerhalb der nächsten Wochen zu tun.
 

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