Spannende Alternative: Die Familienstiftung als Family Office nutzen

Family Office und Familienstiftung stehen für den Wunsch nach einer langfristigen Asset Protection. Daher kann die Stiftung das System für das Family Office-Management bilden.

Bei Familien mit umfangreichen Vermögen, vor allem unternehmerischen Ursprungs, steht der Schutz dieser Vermögenswerte regelmäßig an erster Stelle. Sie wollen die Substanz erhalten und zugleich die Weiterentwicklung ermöglichen – liquide Mittel, Immobilien, Beteiligungen und Co. müssen arbeiten, um Renditen zu erwirtschaften. Diese Asset Protection sicherzustellen, ist bei gewachsenen Vermögen üblicherweise die Aufgabe eines Family Office. Es sorgt für die strategische Asset Allocation und die Einbindung der benötigten Experten, eröffnet Investmentmöglichkeiten und sichert den Erfolg im Wertpapier- und Beteiligungsmanagement durch umfangreiches Controlling und Reporting. Dabei stehen auch immer wieder Fragestellungen hinsichtlich der steuerlichen und rechtlichen Gestaltung sowie der Nachfolgeplanung im Fokus.


Familienstiftung ohne Eigentümer oder Anteilseigner

Die Strukturierung der Vermögens- und Unternehmensnachfolge unter strategischen, steuerlichen und rechtlichen Gesichtspunkten ist für eine wachsende Anzahl von Vermögenden und Unternehmern auch Anlass dazu, sich mit der Gründung einer Familienstiftung auseinanderzusetzen. Diese Form der Stiftung sorgt dafür, Familienvermögen zu erhalten und durch die besondere rechtliche Struktur der Familienstiftung vor Zersplitterung und Schädigung in Folge von Erbstreitigkeiten, ungeklärter Unternehmensnachfolge oder, oder, oder zu schützen. Die Familienstiftung wird durch Übertragung Eigentümerin eines Vermögens (Gesellschaftsanteile, Wertpapiere, Immobilien etc.), hat aber selbst keine Eigentümer oder Anteilseigner. Dadurch ist eingebrachtes Vermögen nicht aus der Stiftung zu lösen, außer es ist in der Satzung, die der Vermögensinhaber aufstellt, ausdrücklich vorgesehen. Dann können beispielsweise Unternehmensanteile verkauft, das Immobilienportfolio zwecks Liquiditätsbeschaffung bereinigt oder sonstige strategische Transaktionen mit dem Vermögen vorgenommen werden.


Aufgaben des Family Offices in Stiftungsstruktur abbilden

So weit, so gut – aber was hat das mit dem Family Office-Gedanken zu tun? Sehr viel, denn zum einen steht die Familienstiftung genauso wie das Family Office für einen langfristigen und umfassenden Ansatz im Vermögensschutz. Und zum anderen hat sich in der jüngeren Vergangenheit der Trend herausgebildet, die Familienstiftung als Family Office zu nutzen und die Experten der Stiftungsstruktur mit den Aufgaben des Family Offices zu betrauen beziehungsweise das Family Office innerhalb einer Familienstiftung aufzubauen und in die dortigen Abläufe zu integrieren.

Das „Warum“ lässt sich leicht erklären, wenn man sich nochmal die Aufgaben der beiden Organisationseinheiten vor Augen führt. Während das Family Office für alle operativen und strategischen Fragestellungen rund um das Vermögen und das Wohlbefinden der Familie verantwortlich ist, soll die Familienstiftung dafür Sorge tragen, dass ein generationenübergreifendes System dafür gefunden wird, Vermögen zu erhalten,  Traditionen zu wahren und die Familie zu versorgen, auch wenn diese keinen direkten Bezug (mehr) zur Bewirtschaftung zum Vermögen hat. Diese Bewirtschaftung wiederum liegt dann in der Hand eines angestellten Managements – beispielsweise eben dem Family Office, das im rechtlich abgesicherten Raum der Familienstiftung operiert und in dem Rahmen, den der Stifter gesetzt hat, alle Schritte unternimmt, die für Vermögensschutz und Vermögensentwicklung notwendig sind.


Organisationseinheit für den gesamten Vermögensschutz

Rechtsanwalt und Steuerberater Thorsten Klinkner, Berater für Stiftungsstrategien mit Fokus auf die Familienstiftung, kennt diese Konstellation aus der Praxis: „In dieser Aufstellung kann die Familienstiftung die Rolle des Family Offices als Organisationseinheit für den gesamten Vermögensschutz übernehmen und die Struktur für alle Fragen rund um die Weiterentwicklung bieten, sei es das Wertpapier- oder Beteiligungs-Controlling, seien es Immobilien- und Unternehmenstransaktionen oder unternehmerische Wachstumsprozesse. Alle diese Bereiche können darüber abgebildet werden. Zudem ist das Management liquider Mittel über die Familienstiftung möglich, da die Ausschüttung der Erträge über die Stiftung ganz anders gestaltet werden kann als in allen anderen üblichen Konstellationen.“

Die Funktion des Family Officers könne in diesem System der Stiftungsvorstand, ein Mitglied des Vorstandes oder auch des Stiftungsbeirats übernehmen, natürlich auch als von außen kommender Manager. Er ist zentraler Koordinator für alle Vermögensfragen und strukturiert das Netzwerk der für die Vermögensfragen notwendigen Experten wie Asset Manager, M&A-Berater, Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.