Sprudelnde Rendite mit Wasser-Investments

Wasserknappheit wird zu einer der wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte für die Menschheit. Mit Investments in diesen Bereich können Investoren nicht nur einen Beitrag zur Lösung des Problems leisten, sondern auch attraktive Renditen erzielen.

Es gibt derzeit kaum einen Tag, der nicht unter einem Motto steht. Es gibt den Tag der Spaghetti, des Marzipans oder auch des Schweins. Während Sie die meisten dieser Tage getrost vergessen können, ist das 22. März etwas anderes. Denn das ist der von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Weltwassertag. In diesem Jahr wird er unter dem Motto stehen, „Niemanden zurücklassen – Wasser und Sanitärversorgung für alle“.

Tatsächlich macht es Sinn, sich über das kühle Nass Gedanken zu machen. 2,5 Milliarden Menschen haben laut RobecoSAM nämlich keine ausreichenden Sanitäranlagen. Und aktuell, so der World Water Development Bericht der Vereinten Nationen, leben 3,6 Milliarden Menschen auf der Erde in Regionen, in denen es zumindest einen Monat im Jahr zu Wasserknappheit kommt. Bis 2050 soll diese Zahl sogar auf sechs Milliarden anwachsen. Kein Wunder, dass die Experten des World Economic Forum eine globale Wasserkrise in den kommenden Jahren für eines der fünf größten globalen Risiken halten.

Der Grund liegt einerseits in der steigenden Nachfrage nach Trinkwasser. Zwar liegt der tägliche Verbrauch pro Kopf in Deutschland nur bei rund 121 Liter. Dabei unberücksichtigt ist aber das virtuelle Wasser. Das ist der Wasseranteil, der in den Produkten und Dienstleistungen enthalten ist, die wir jeden Tag nutzen oder verzehren. Nach Angaben von RobecoSAM stecken zum Beispiel in einem Kilo Rindfleisch 15.400 Liter Wasser, in einem Kilo Reis etwa 2.500 Liter und in einem Kilo Brot rund 1.600 Liter. Dadurch summiert sich der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch laut dem Umweltbundesamt weltweit auf rund 3.800 Liter pro Tag.

Verbrauch steigt und steigt und steigt

Und der Verbrauch nimmt zu. Insgesamt, so die Bundeszentrale für politische Bildung, hat sich der Wasserbedarf zwischen 1930 und dem Jahr 2000 etwa versechsfacht. Und angesichts der weiter wachsenden Weltbevölkerung und des anhaltenden Wirtschaftswachstums wird die Nachfrage weiter zunehmen. Zwischen dem Jahr 2000 und 2050, so Schätzungen von Pictet Asset Management, wird der Verbrauch in der Landwirtschaft und den Kommunen um das Dreifache klettern, in der Industrie um das Doppelte.

Andererseits steht dem aber ein knappes und immer knapper werdendes Angebot gegenüber. So ist die Erde zwar zu zwei Drittel mit dem kühlen Nass bedeckt, aber lediglich drei Prozent davon sind Süßwasser und davon wiederum ist nur ein Bruchteil Trinkwasser. Jahr für Jahr erneuern sich die Trinkwasservorräte durch die Niederschläge zwar. In den vergangenen 22 Jahren aber ist diese Menge laut RobecoSAM um 30 Prozent gesunken. Dazu kommt, dass die Frischwasserentnahme in manchen Ländern höher ist, als die Menge der sich erneuernden Wasserressourcen, und dass aufgrund des Klimawandels es in ohnehin trockenen Gebieten noch weniger Niederschläge gibt.

Es braucht also dringend Lösungsansätze. „Allein in der Landwirtschaft werden heute 70 Prozent des Wassers weltweit verbraucht“, erläutert Walter Liebe, Senior Investment Advisor bei Pictet Asset Management. „Aber mit intelligenten Bewässerungssystemen lässt sich dort der Verbrauch um 30 bis 80 Prozent reduzieren.“ Andere Beispiele sind Themen wie die Wasseraufbereitung, Hersteller von Sensoren, mit denen sich der Schadstoffgehalt im Wasser messen lässt, oder der Bereich Transport. Schließlich geht durch undichte Rohre viel Trinkwasser auf dem Weg zum Verbraucher verloren. Rund 41 Billionen US-Dollar, so eine Schätzung der OECD, müssten zwischen 2005 und 2030 weltweit in Infrastrukturprojekte insgesamt investiert werden, die Hälfte davon in die Wasserversorgung.

Such nach innovativen Lösungen

Mit anderen Worten: Die Nachfrage nach Wasserinfrastruktur sowie nach Technologien und Dienstleistungen, die dabei helfen, das Problem der Wasserknappheit zu bekämpfen, wird zunehmen. Unternehmen, die entsprechende Lösungen anbieten, dürften davon über steigende Umsätze und Erträge profitieren. Ein klassisches Beispiel ist die Firma Geberit, dessen Produkte im Sanitärbereich helfen, Wasser einzusparen und die damit in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich war.

Nach solchen Unternehmen zu suchen, das ist Idee, die den diversen Wasser-Fonds und -ETFs, die am Markt verfügbar sind, zugrunde liegt. Der älteste Fonds ist der Pictet Water, dessen US-Dollar Tranche auf Sicht von fünf Jahren fast 64 Prozent zugelegt hat. Den Ansatz des Fonds erklärt Walter Liebe so: „Wir wollen uns mit dem Fonds nicht die Knappheit der Ressource Wasser zunutze machen, sondern in Lösungen investieren und eine attraktive Rendite erwirtschaften.“

Mögliche Zielfirmen können Wasserversorger sein, die in die Infrastruktur investieren und stabile Cashflows und Dividenden bieten, aber auch Technologiefirmen. Ein Beispiel für Letztere ist Xylem. „Dessen Tochter Pure Technologies hat einen akustischen Sensorball entwickelt, mit dem undichte Stellen in Wasserleitung aufgezeigt werden. Um ein Leck zu reparieren, muss man damit nicht mehr die ganze Leitung freilegen, sondern nur noch ein kleines Stück von vielleicht fünf Metern“, so der Investmentexperte. Das spart Kosten.

Nicht im Portfolio enthalten sind dagegen umstrittene Wasserabfüller wie Danone oder Nestlé. „Zum einen ist der Anteil des Wassergeschäfts zu klein, zum anderen ist für uns das Abfüllen von Wasser in Flaschen keine Lösung des Knappheitsproblems“, erklärt Liebe. Dagegen zählen neben Xylem derzeit der amerikanische Wasserversorger American Water Works und die Danaher Corporation, ein Mischkonzern, der auch im Bereich Wasserreinigung tätig ist, zu den größten Positionen.

Auch ESG-Faktoren finden Berücksichtigung

Sogar knapp 76 Prozent legte der RobecoSam Sustainable Water Fund auf Fünf-Jahressicht zu. Das Fondsmanagement investiert ebenfalls entlang der Wasserwertschöpfungskette. Als die spannendsten und wachstumsstärksten Bereiche hat es die Abwasseraufbereitung, die Wasseranalytik und das Infrastrukturthema identifiziert. Dazu kommt bei dem Fonds die Berücksichtigung von ESG-Faktoren, das heißt, die Portfolio-Unternehmen müssen hinsichtlich ihres ökologischen und sozialen Verhaltens sowie in ihrer Governance den Nachhaltigkeitskriterien von RobecoSAM entsprechen.  Zu den größten Positionen zählen aktuell der französische Wasserversorger Suez, der Hersteller analytischer Messgeräte Agilent Technologies und Ecolab, unter anderem Anbieter von Technologien und Dienstleistungen im Wasserbereich.

Eine Alternative zu aktiv gemanagten Fonds sind Exchange Traded Funds (ETFs), die Indizes auf Wasseraktien abbilden. Ein Beispiel dafür ist der iShares Global Water ETF,  der auf Sicht von fünf Jahren ein Plus von etwa 64 Prozent aufweist und Zugang zu den 50 größten und liquidesten börsennotierten Firmen weltweit bietet, die in den Bereichen Wasserversorgung und -aufbereitung tätig sind. Nachteil ist bei Indexprodukten aber, dass es für den Anleger meist nur schwer einzuschätzen ist, ob tatsächlich alle dort enthaltenen Unternehmen einen nachhaltigen Umgang mit Wasser pflegen. Wer hier auf Nummer sich gehen will, sollte sich an aktiv gemanagte Fonds halten.

 

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