Steht Tesla vor dem Niedergang?

Wenn der nicht ganz unbekannte Investor David Einhorn das Unternehmen Tesla mit dem Bankhaus Lehman Brothers vergleicht, dürfte Elon Musk so gar nicht amüsiert sein. Dennoch unterstreicht Einhorn, dass es zwischen jener Bank und dem Hersteller von Elektrofahrzeugen viele Parallelen gäbe. So jedenfalls steht es in einem frei zugänglichen Rundbrief des Hedgefonds „Greenlight Capital“ an die Anleger. Darin wird weiter ausgeführt, dass sich Musk ganz ähnlich wie das Management von Lehman im Jahr 2008 verhalte, als das Geldhaus schließlich kollabierte und im Schlepptau eine globale Finanzkrise auslöste. Mehrere Banken gingen pleite, auch die meisten Aktienkurse anderer Sparten stürzten ins Bodenlose, Milliardensummen lösten sich im Nichts auf.

 

Einhorn, der Prophet?

Die Vorwarnung durch den New Yorker Hedgefonds-Manager David Einhorn kann man ernst nehmen: Einhorn analysiert alle ihm vorliegenden Daten akribisch und versteht sich darauf, genaue Vorhersagen zu treffen. Er war es, der als Erster die sich aufblähende Kreditblase im Immobiliensektor erkannte. Er war es auch, der bemerkte, dass die Geschäfte der Lehman-Bank im Zusammenhang mit den sogenannten Subprime-Krediten extrem gefährlich waren. Da er von seiner Sicht der Dinge absolut überzeugt war, investierte er damals in einer Weise, dass er von dem Börsencrash sogar profitierte. 

 

Warum so harte Worte?

Musks Unternehmen ist auf dem Weg in den Abgrund, konstatiert Einhorn. Er hält Musk für einen Blender, der zwar viel verspricht, aber kaum etwas zu liefern vermag. In dem oben erwähnten Brief von Greenlight an seine Anleger heißt es, dass Musks Täuschungen das Unternehmen Tesla bald einholen werden. Sein „erratisches Verhalten“ sei eigentlich ein klarer Hinweis darauf, dass er dies auch wisse. Seit einiger Zeit schon setzt Einhorn konsequent auf fallende Kurse bei Tesla und seine erheblichen Gewinne, die er damit gemacht hat, geben ihm recht. 

Bevor die Lehman-Bank kollabierte, haben deren Manager ebenfalls den Vorschlag gemacht, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Darüber hinaus haben sie entsprechende Leerverkäufe angeprangert. Auch Elon Musk dachte vor Kurzem auf Twitter „laut“ darüber nach, ob er den Börsenhandel der Tesla-Aktie einstellen sollte, wobei er kein gutes Haar an den sogenannten Shortsellers ließ, die mit Leerverkäufen auf fallende Aktienkurse spekulieren. Dies funktioniert im Prinzip so, dass „geliehene“ Aktien verkauft werden, die der Investor noch gar nicht besitzt in der Hoffnung, dass der Aktienkurs dann, wenn er die verkauften Aktien tatsächlich bezahlen muss, deutlich niedriger liegt. 

 

Es ist eine bittere Niederlage für Musk

Für seinen unbedachten Tweet wurde Musk durch die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC mit einer Strafe von 20 Millionen US-Dollar belegt. Zugleich musste er seinen Vorstandsvorsitz bei Tesla für mindestens drei Jahre abgeben. Eigentlich wollte die SEC Musk ganz aus der Tesla-Chefetage streichen. Die Behörde vertritt die Auffassung, dass Musk die Anleger mit seinem Tweet über den Börsenrückzug absichtlich in die Irre geführt habe, und verklagte daher den Unternehmer. Der Vergleich, der dabei herauskam, umfasste noch eine zusätzliche Geldstrafe in Höhe von 20 Millionen US-Dollar für das Tesla-Unternehmen. 

Als ob dies noch nicht genug wäre. Auf der Suche nach einem profitablen Hersteller von Elektrofahrzeugen hat sich der saudische Staatsfonds nun doch gegen Tesla entschieden. Stattdessen fließen die grandiosen saudischen Investitionen an den Autobauer Lucid Motors, der ebenfalls in Kalifornien ansässig ist. Tesla ging aus der Tweet-Affäre also leer aus, bekam eine dicke Strafe aufgebrummt und das saudische Geld, das Musk einst in seinem Unternehmen wähnte, geht jetzt direkt an das Konkurrenzunternehmen Lucid Motors, das übrigens von Peter Rawlinson, dem ehemaligen Chefingenieur von Tesla, gegründet worden ist. 

 

Model 3 war und ist ein Problem

Beim Model 3 hoffte Musk, durch Automatisierung das Tempo der Produktion zu steigern und gleichzeitig die Produktionskosten drosseln zu können. Die meisten Mitarbeiter sollten durch Roboter ersetzt werden. Bislang ist diese Rechnung aber nicht aufgegangen. Einhorns Börsenbrief schreibt dazu, dass Musk beim Bau dieses Autos zu viel Geld verlieren würde. 

Der Tesla-Chef Elon Musk verfügt zwar über einen geradezu genialen Pioniergeist, aber heute wirkt der große Stratege eher ausgebrannt. Investoren stoßen seine Aktien scharenweise ab. Die grausame Börse kennt keine Freunde und Verbindlichkeiten. Erfahrene Wall-Street-Haie wie David Einhorn haben längst Blut geleckt.