Steigender CO2-Preis – so verdienen Investoren mit
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2021-12-22

Steigender CO2-Preis – so verdienen Investoren mit

Um die Erderwärmung zu begrenzen, muss der Ausstoß an Kohlendioxid reduziert werden. Eine Lösung ist die Bepreisung des Kohlendioxidausstoßes. Weil CO2-Emissionen immer teurer werden, kann es für Anleger interessant sein, auf die Kursentwicklung von Emissionszertifikaten zu setzen.

Die Zeit drängt. Laut des jüngsten Berichts des Weltklimarates IPCC dürfte die globale Temperatur bis zur Mitte dieses Jahrhunderts um etwa zwei Grad steigen, bis zum Jahr 2100 gar auf 2,7 Grad, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Da es in der Wissenschaft so gut wie keine Zweifel daran gibt, dass der Mensch dafür zumindest mitverantwortlich ist, wird es immer wichtiger, zu reagieren. Das zeigen auch Berechnungen des Mercator Research Institut. Um nicht über die 1,5 Grad zu kommen, dürfen wir von heute an, Mitte Dezember 2021, noch rund 320 Gigatonnen CO2 ausstoßen. Dieses Budget hätten wir, wenn wir den aktuellen Ausstoß beibehalten, nach weniger als acht Jahren aufgebraucht. Für das Zwei-Grad-Ziel hätten wir noch etwas mehr als 25 Jahre.




„Um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, gilt es als effektiver Weg, der Emission von Kohlendioxid einen Preis zu geben“, erklärt Dyrk Vieten von der Ficon Vermögensmanagement GmbH. Laut der Weltbank setzen 64 Länder weltweit auf eine CO2-Bepreisung, darunter das seit 2005 bestehende EU-Emissionshandelssystem ETS. Die dort angeschlossenen Unternehmen, dazu gehören Betreiber von Industrieanlagen und Anlagen zur Strom- oder Wärmeerzeugung, müssen für jede ausgestoßene Tonne CO2 eine Berechtigung in Form einer am ETS gehandelten European Union Allowance (EUA) vorweisen. „Grundsätzlich verfolgen alle Handelssystem das gleiche Ziel“, erklärt Samuel Kärcher, Analyst bei der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung, „das heißt, es sollen finanzielle Anreize geschaffen werden, weniger Treibhausgase auszustoßen und stattdessen auf umweltfreundlichere Prozesse und Lösungen zu setzen.“


Emissionen in diesem Jahr deutlich verteuert

Doch vor allem der Blick auf das europäische ETS ist für Anleger interessant. Dort ist der Preis für ein Zertifikat, das zum Ausstoß einer Tonne CO2 berechtigt, seit Jahresbeginn von rund 34 auf zuletzt knapp 80 Euro gestiegen. „Ein Grund dafür ist der Wille der Politik, klimaneutral zu werden, was durch Gesetzesinitiativen untermauert wird“, erklärt Daniel Oyen, Mitglied des Vorstandes beim Family Office von Plettenberg, Conradt & Cie. Ein Beispiel dafür ist die sukzessive Reduzierung der Obergrenze für ausgegebene Zertifikate. „Wurde die Menge bislang jedes Jahr um 1,7 Prozent reduziert, so sind es nun 2,2 Prozent. Das bedeutet, das Angebot an Zertifikaten wird verknappt, indem die Politik die erlaubte Obergrenze für Treibhausgasemissionen Jahr für Jahr herabsetzt“, so Oyen.

Einen weiteren Grund für den CO2-Preisanstieg sieht er in dem stark gestiegenen Gaspreis. Dadurch wurde der Betrieb von Kohlekraftwerken in der EU wieder rentabler. „Da diese aber mehr CO2 ausstoßen, ist die Nachfrage nach Emissionszertifikaten zur Kompensation gestiegen.“ Dazu kommt nach Ansicht von Mobeen Tahir von dem ETF-Anbieter WisdomTree noch eine Ursache. „Die regulierten Unternehmen in der EU sind gesetzlich verpflichtet, EUA entsprechend der Menge an Treibhausgasen abzugeben, die sie im Laufe des Jahres produziert haben.“ Liefern sie nicht die entsprechende Anzahl, wird für jede überschüssige Tonne Kohlenstoff ein Bußgeld von 100 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent fällig. „Und das Unternehmen muss am Markt EUAs kaufen, um das Defizit auszugleichen“, so Tahir weiter. Auch das dürfte zuletzt den Preis nach oben getrieben haben.


Bestehende Unsicherheiten

Doch wie geht es weiter? „Tatsächlich sind weitere Steigerungen ausgemachte Sache“, sagt Vieten. Lawson Steele, Analyst bei der Berenberg Bank, rechnet mit 110 Euro pro Emissionszertifikat in den kommenden Quartalen. Andere Schätzungen gehen von noch höheren Notierungen aus, zum Teil werden 180 Euro je Tonne als fairer Preis genannt. Dennoch bedeutet dies nicht, dass sich der Preis von hier ab nur noch in eine Richtung bewegen wird. „Wir haben vor allem ein regulatorisches Risiko“, erklärt Oyen. „Ist der Preis zu hoch und werden zum Beispiel negative Auswirkungen auf die Wirtschaft befürchtet, dann kann es passieren, dass die Politik eingreift.“

„Auch die Erteilung von Sondergenehmigungen oder ein massiver Ausbau von erneuerbarer Energie kann dazu führen, dass Unternehmen weniger CO2-Zertifikate brauchen als erwartet und es zu einem Überangebot kommt“, sagt Kärcher. Dazu kommt das Risiko eines erneuten starken wirtschaftlichen Einbruchs wie zu Beginn der Corona-Pandemie. Allerdings kann sich die Beimischung solcher Zertifikate auch aus einem anderen Grund lohnen: „Auch wenn eine gewisse Korrelation mit der Konjunktur gegeben ist, so gibt es keine Eins-zu-eins-Korrelation zu den Zins- und Kapitalmärkten“, macht Oyen klar. „Aus Diversifikationsgründen kann eine Beimischung deshalb interessant sein.“


Produktvielfalt nimmt zu

Inzwischen gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, dort zu investieren. Zum Beispiel Future-basierte Zertifikate, die die Wertentwicklung des CO2-Preises genau abbilden. „Viele dieser Produkte haben zwar keine befristete Laufzeit, der hinterlegte Terminkontrakt aber schon“, sagt Kärcher. „Und dieser muss deshalb regelmäßig erneuert werden, wodurch Kosten entstehen.“ Dazu kommt, wie stets am Future-Markt, das Risiko von Rollverlusten. Auch sind die Gebühren mit teilweise 3,75 Prozent nicht niedrig. Alternativen sind der WisdomTree Carbon ETC, der den von Solactive berechneten Carbon Emission Allowances Rolling Futures Total Return Index abbildet, oder der Krane Shares Global Carbon ETC, der neben dem ETS die am stärksten gehandelten CO2-Futurekontrakte miteinbezieht, unter anderem die Regional Greenhouse Gas Initiative, das erste US-Emissionshandelssystem.

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