Steuer 2019: Das neue Jahr kommt – und kann für Unternehmen teuer werden

Der Gesetzgeber hat sich für 2019 ein paar neue Dinge ausgedacht, die teuer werden können. Unternehmen sollten sich daher mit diesen Neuerungen beschäftigen.

Für Unternehmen wird das Wirtschaften in Deutschland niemals langweilig – und sei es auch nur aufgrund der sich ständig wandelnden Steuergesetze. Die trifft auch im neuen Jahr zu. Die meisten davon sind tendenziell nachteilig für Unternehmen und müssen daher zwingend Beachtung finden, um nicht in eine problematische Situation zu geraten.

Der Gesetzgeber fördert zwar die Angebote von Unternehmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Steuerfreie Arbeitgeberleistungen in Höhe von maximal bis zu 500 Euro werden aber nur noch anerkannt, wenn diese Gesundheitsleistungen zertifiziert sind. Sie müssen den vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen festgelegten Kriterien entsprechen. Die Zertifizierung von bisher nicht-zertifizierten Maßnahmen wird ab dem Veranlagungszeitraum 2020 gefordert. So sind beispielsweise Kurse zur Stressbewältigung oder Übergewichtsreduktion begünstigt, nicht begünstigt ist aber die Übernahme von Mitgliedsbeiträgen an Sportvereine oder Fitnessstudios durch den Arbeitgeber.

Der Gesetzgeber geht ab sofort auch gegen den Steuerbetrug in Online-Handel vor. Betreiber von Online-Marktplätzen haften nun für die Umsatzsteuer der Händler, die ihre Plattform nutzen. Das Gesetz verpflichtet Plattformbetreiber in Deutschland zur Erfassung der Daten ihrer Händler, um diese bei Bedarf an das Finanzamt zu übermitteln. „Wir beenden die illegale Praxis mancher Händler auf elektronischen Marktplätzen, die Umsatzsteuer hinterziehen und sich dadurch unlautere Wettbewerbsvorteile verschaffen“, sagte Finanzminister Olaf Scholz nach dem Beschluss des Gesetzesentwurfs durch das Kabinett. Dem Fiskus entgeht durch Umsatzsteuerbetrug auf Online-Marktplätzen jährlich viel Geld, von mehreren hundert Millionen Euro ist die Rede.

Durch das neue Kontrollinstrument der Kassen-Nachschau kann ein Prüfer des Finanzamtes ohne vorherige Ankündigung und außerhalb einer Außenprüfung während der üblichen Geschäftszeiten Geschäftsräume zum Zwecke der Prüfung betreten. Fallen dem Prüfer bei der Nachschau Unregelmäßigkeiten auf, kann er sofort, also ohne gesonderte Prüfungsanordnung und ohne Fristsetzung, zu einer regulären Betriebsprüfung übergehen. Da der Prüfer der Finanzverwaltung sich vor Beginn der Sonderprüfung ausweisen muss, ist während der Dauer der Kassenprüfung eine strafbefreiende Selbstanzeige ausgeschlossen. Nach Abschluss der Kassen-Nachschau kann eine Selbstanzeige hinsichtlich von Sachverhalten vorgenommen werden, die während der Kassen-Nachschau nicht entdeckt wurden. Dies gilt jedoch nicht, wenn auf die Kassen-Nachschau direkt die Außenprüfung folgt.

Apropos Bargeschäft: Der Gesetzgeber hat eine Einzelfallaufzeichnungspflicht für Unternehmen mit Bargeschäften eingeführt. Dadurch muss jeder Geschäftsvorfall einzeln aufgezeichnet werden. Dazu gehören nicht nur die Aufzeichnung der in Geld bestehenden Gegenleistung, sondern auch des Inhalts des Geschäfts und des Namens des Vertragspartners. Es besteht aber keine Pflicht zur Einzelaufzeichnung bei Verkauf von Waren an eine Vielzahl von nicht bekannten Personen gegen Barzahlung, sofern diese nicht zur Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit des Geschäftsvorfalls benötigt werden.

Zum Jahresende wird die sogenannte „Gutschein-Richtlinie“ in deutsches Recht umgesetzt. Die Umsatzbesteuerung hängt von der Art des Gutscheins ab. Danach wird zwischen „Einzweck-Gutscheinen“ und „Mehrzweck-Gutscheinen“ unterschieden. Als Einzweck-Gutscheine werden Gutscheine über bestimmte, konkret ausgewiesene Waren bezeichnet, die nur einem bestimmten Anbieter eingelöst werden können. Bei diesen Gutscheinen entsteht die Umsatzsteuer bereits zum Zeitpunkt der Ausgabe. Ein Wertgutschein, also ein sogenannter Mehrzweck-Gutschein, kann zum Einkauf von Waren in einem oder mehreren Geschäften wie Bargeld verwendet werden. Bei dieser Art des Gutscheins erfolgt die Umsatzbesteuerung erst bei der Einlösung.

Die wichtigste Regelung wird für viele Unternehmen besonders teuer. Ab 2019 steigt der Mindestlohn auf 9,19 Euro, ein Jahr später auf 9,35 Euro. Zu den 9,19 Euro als neuem flächendeckenden Mindestlohn kommen die Lohnnebenkosten hinzu, die rund 21 Prozent des Gehalts betragen. Damit kostet eine Stunde nach dem Mindestlohngesetz ab dem neuen Jahr voraussichtlich 11,11 Euro. Zum Vergleich: Bei Einführung lag der Brutto-Stundensatz bei 10,29 Euro, aktuell beträgt er 10,70 Euro. Ab 2020 wird die Stunde pro Mitarbeiter dann mindestens 11,31 Euro kosten. Bei einem Mehraufwand pro Stunde von 41 Cent ab Januar 2019 steigen die Jahreskosten für einen Vollzeitmitarbeiter, der zum Mindestlohn arbeitet, um knapp 800 Euro. 2020 werden es dann im Vergleich zum heutigen Stand rund 1170 Euro.