Steuerfrei schenken? Gar nicht so einfach..

Schenken wird immer beliebter, wenn man einer Studie der Quirin-Privatbank Glauben schenkt. Interessant ist vor allem der steuerliche Aspekt: knapp jeder vierte Deutsche möchte Steuern vermeiden, indem er verschenkt. In der Praxis gelingt das jedoch nur bei kleinen Beträgen. Alles, was über überschaubare Werte hinausgeht, lässt den Staat mitverdienen. Denn dann wird die Schenkungssteuer fällig.

 

Schenkungssteuer – warum eigentlich?

Die Schenkungssteuer wird oft als Ärgernis gesehen. Sie ist allerdings notwendig, um die Erbschaftssteuer abzusichern. Ohne Schenkungssteuer würden viele ihr Vermögen einfach verschenken, um die Steuer aufs Erbe zu vermeiden. Genau genommen handelt es sich also um eine Erbschafts- und Schenkungssteuer.

Wer auf Geschenke keine Steuern zahlen möchte, muss sich an die Freibeträge halten. Die Höhe der Beträge hängt vom Verwandtschaftsgrad ab und wird in drei Steuerklassen eingeteilt. Vereinfacht gesagt, gehören Ehegatten und Kinder zur Steuerklasse I, Geschwister, Eltern, Großeltern und Schwiegereltern zur Steuerklasse II und Freunde und Bekannte ohne Verwandschaftsverhältnis zur Steuerklasse III.
Für Ehepartner liegt der Freibetrag bei 500.000 Euro. Kinder, Stiefkinder und Kinder verstorbener Kinder und Stiefkinder schenken bis 400.000 Euro kostenlos. Enkelkinder sind bis 200.000 Euro frei.

 

Schenkung: Sonder- und Ausnahmeregeln

Bei der Schenkung gibt es eine ganze Reihe von Ausnahmeregeln. Der Paragraph 13, Absatz 1 des Erbschaftssteuergesetzes umfasst insgesamt 18 Ziffern und diverse Unterziffern. Darin ist genau festgelegt, wer zu welchen Beträgen versteuert wird. Auch Schenkungen an Religionsgemeinschaften oder an Pflegepersonal fallen darunter.
Eine Ausnahme gibt es auch für Pflegepersonal: Pflegebedürftige können ihren Betreuern bis zu 20.000 Euro schenken, ohne dass Steuern fällig werden. Voraussetzung ist, dass die Pflege geringfügig oder nicht vergütet wird. Die Sonderregelungen bieten Raum für höhere Freibeträge.
Zwischen den Schenkungen muss immer ein angemessener Zeitraum liegen. Eine gesetzliche Frist gibt es allerdings nicht. Als Orientierung gelten sechs Monate bis zwei Jahre. Dann kann einfach nachgeprüft werden, zu welchem Zweck die Schenkung erfolgt ist.
Zu oft sollte allerdings nicht an dieselbe Person geschenkt werden. Dann droht eine „Kettenschenkung“ und dahinter kann das Finanzamt schnell den Versuch sehen, steuerliche Pflichten zu umgehen.


Freibeträge für Schenkungen in Steuerklasse I

Beim Abführen von Steuern gilt ein progressiver Steuertarif. Das bedeutet, dass die steuerlichen Pflichten mit der Höhe des Geldwerts zunehmen. Für verschiedene Personengruppen gelten verschiedene Steuerklassen. Ehepartner etwa dürfen mit 500.000 Euro beschenkt werden. Sie zählen zur Schenkungssteuerklasse I und erhalten dadurch die höchsten Freibeträge. Dasselbe gilt für Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Auch ihnen kann eine halbe Million Euro geschenkt werden. Etwas weniger erhalten Kinder sowie Stief- und Adoptivkinder. Ebenso Enkel von Eltern, die schon verstorben sind. Bis zu 400.000 Euro können ihnen in der Steuerklasse I geschenkt werden.

 

Schenkungen in Steuerklasse II und III

Enkel mit lebenden Eltern und Urenkel erhalten immerhin noch 200.000 Euro steuerfrei – ebenfalls in der günstigsten Steuerklasse. Die Steuerklasse II ist für Eltern, Großeltern, Geschwister und weitere Verwandte reserviert. Hier dürfen bis zu 20.000 Euro kostenlos verschenkt werden. Auch für geschiedene Ehegatten sowie Neffen und Nichten gilt diese Regelung.
Ein Freund oder Bekannter soll beschenkt werden? Hier muss rasch mit Abgaben gerechnet werden. Der Fiskus hat einen Freibetrag von 20.000 Euro festgelegt. Eine Ausnahme gibt es, wenn Immobilien an Ehegatten verschenkt werden. Häuser und Wohnungen sind immer steuerfrei - unabhängig von ihrem Wert.

 

Die feinen Unterschiede zur Erbschaftssteuer

Schenkungssteuer und Erbschaftssteuer sind scheinbar identisch. Erst auf den zweiten Blick werden einige Unterschiede zwischen den beiden Steuern deutlich. So rutschen Eltern und Groß- oder Urgroßeltern bei der Schenkung in eine schlechtere Steuerklasse. Außerdem gibt es keine Versorgungsfreibeträge und kein kostenloses Wohneigentum für Kinder. Letzteres gilt bei der Schenkung nur für Ehe- und Lebenspartner.
Die Schenkungssteuer muss von dem Beschenkten entrichtet werden. Er ist dafür verantwortlich, die Zahlung zu melden und in seiner Schenkungssteuererklärung aufzuführen. Wird die Steuer nicht beglichen, haften sowohl Beschenkter als auch Schenker.

 

Schenkungssteuer selbst berechnen – so geht’s

Der abzuführende Schenkungsbetrag lässt sich einfach selbst berechnen. Dazu wird lediglich der persönliche Freibetrag vom Wert der Schenkung abgezogen. Das Ergebnis ist der steuerpflichtige Zugewinn, welcher mit dem Steuersatz multipliziert wird und die Schenkungssteuer ergibt. Zuletzt muss nur noch der Wert der Schenkung von der Schenkungssteuer abgezogen werden, um das geschenkte Vermögen zu erhalten. Der Freibetrag wird stets in netto berechnet.

 

Welche Geschenke nicht versteuert werden müssen.

Auch wenn der Fiskus die Freibeträge teilweise niedrig ansetzt: Großzügigkeiten müssen nicht immer versteuert werden. Bei Gelegenheitsgeschenken gilt ein relativ weiter Handlungsspielraum, in welchem Geschenke gemacht werden dürfen. So dürfen zu Geburtstagen, Hochzeiten, Examen und Jubiläen Beträge in grenzenloser Höhe verschenkt werden. Solange das Geschenk in Relation zum Gesamtvermögen steht, ist das Finanzamt einverstanden.