Stiftungen: Mit Private Equity Überrenditen erzielen

Immer mehr Stiftungen nutzen die Opportunitäten von Private Equity-Investments. Das muss laut Satzung beziehungsweise Anlagerichtlinien aber zulässig sein.

Die Yale University in New Haven (Connecticut) ist eine der renommiertesten Universitäten der Welt, die drittälteste Hochschule der Vereinigten Staaten und wurde nach einem ihrer ersten Förderer, dem Kaufmann Elihu Yale, benannt. Die Universität verfügte 2018 mit rund 29,4 Milliarden US-Dollar über das zweitgrößte Stiftungskapital einer Bildungseinrichtung weltweit; die Harvard University verfügt über mehr als 38 Milliarden US-Dollar.

Jetzt muss eine solche Summe natürlich professionell verwaltet werden, damit daraus wiederum regelmäßige Erträge entstehen, die den Zwecken der Universität zugutekommen. in Yale ist dafür David F. Swensen verantwortlich, seit über 30 Jahren Chef des Investments Office von Yale. Mit Erfolg, wie die Zahlen belegen: David F. Swensen wird als einer der erfolgreichsten Vermögensverwalter der Welt bezeichnet und erreichte mit dem Yale-Fonds eine durchschnittliche Rendite von acht Prozent im gesamten letzten Jahrzehnt sowie allen Krisen zum Trotz. Seit Beginn im Jahr 1985 kommt der Stiftungsfonds sogar auf eine durchschnittliche Rendite von 13,9 Prozent.

 

Private Equity-Beteiligungen als fester Bestandteil des Portfolios

Ein wichtiger Teil des von Absolute-Return-Fonds und Aktien dominierten Portfolios sind alternative Investments, vor allem Private Equity-Beteiligungen. Bekannt ist, dass die langfristigen historischen Überrenditen von Private Equity im Vergleich zum Aktienmarkt bei drei bis fünf Prozent lagen. Diesen Renditevorteil macht sich Yale-Investmentchef Swensen seit Jahren erfolgreich zunutze – genauso wie viele andere Vermögensverwalter renommierter US-Stiftungen und -Institutionen. Andrew K. Golden von der Princeton University, Seth Alexander vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), Paula Volent vom Bowdoin College oder Ellen Shuman von der Brandywine Trust Group, sie alle setzen auf Private Equity in der professionellen Geldanlage (und haben ihr Handwerk übrigens von David F. Swensen gelernt).

Auch die Berenberg Bank sieht Private Equity als relevanten Renditefaktor für Stiftungen an. „Die Bedeutung von alternativen Anlagen wie Private Equity neben traditionellen Anlagen hat in den vergangenen Jahren und insbesondere seit Beginn des Niedrigzinsumfelds zugenommen. Ihre Beimischung kann Risiken alternativer Anlagen im eigenen Portfolio breiter streuen und Wertschwankungen reduzieren. Als Anlagelösung für den Zugang dienen üblicherweise geschlossene Fonds, die diverse Unternehmensbeteiligungen enthalten. Charakteristisch hierfür ist die lange Laufzeit, über die Anleger an ihre Beteiligung häufig mehr als zehn Jahre gebunden sind.“

 

Veräußerung am Zweitmarkt

Das bedeutet: Private Equity ist als Anlageinstrument für Stiftungen hochinteressant. Sie stellen schon seit Jahren die drittgrößte Investorengruppe auf dem Private Equity-Markt und suchen Wege, von den überdurchschnittlichen Renditen der Anlageklasse zu profitieren. Dass Private Equity ein illiquides Instrument ist und nicht, wie zum Beispiel Aktien, jederzeit wieder veräußert werden können, ist für Stiftungs-Vermögensverwalter ein notwendiges Übel, und immerhin besteht ja immer auch die Möglichkeit, ihre Beteiligungen vorzeitig auf dem Sekundärmarkt zu verkaufen.

Wichtig laut der Privatbank sei aber, vor der Aufnahme von Private Equity in das eigene Portfolio zu überprüfen, ob das gemäß Satzung beziehungsweise Anlagerichtlinien überhaupt zulässig ist. Ist das nicht der Fall, muss das Anlageregime natürlich zunächst – unter Besinnung auf die Ziele und Strukturen der Stiftung – angepasst werden. Und um Anlagerisiken im Kontext von Private Equity-Investments zu umgehen, bieten sich Berenberg zufolge eben auch Investitionen im Beteiligungs-Zweitmarkt an (sogenannte Secondaries), wo Beteiligungen während der Laufzeit an neue Investoren „weitergereicht“ werden.

 

Gewinne vor Laufzeitende realisieren

Der Hintergrund: „Der Zweitmarkt wird von institutionellen Private-Equity-Investoren häufiger für effizientes Portfoliomanagement genutzt. Ein klassisches Beispiel: Nach einer ausgedehnten Marktkorrektur hat der liquide Bestandteil des Gesamtportfolios eine Wertminderung erfahren. Aufgrund von Allokationsquoten muss dann die illiquide Seite ebenfalls angepasst werden. Der Zweitmarkt bietet hier Zugang zu Liquidität. Außerdem besteht auf dem Zweitmarkt für Investoren die Möglichkeit, einmal erzielte Gewinne noch vor Laufzeitende zu realisieren, also aus Buchgewinnen reale Renditen zu fixieren – und das noch vor Laufzeitende. In diesen Fällen erfolgt der Verkauf auf dem Zweitmarkt meist nach drei Jahren bis maximal fünf Jahren.“ Das bringe Vorteile wie einen Preisabschlag, die Reduzierung des Blind-Pool-Risikos und die verkürzte Dauer bis zur Kapitalrückzahlung, führe aber auch dazu, dass vor dem Kauf einer Beteiligung auf dem Zweitmarkt zu prüfen sei, wie viel Wertsteigerungspotenzial noch in einer Fondsbeteiligung enthalten sei. „Ein guter Dachfondsmanager vermag dies im Detail zu analysieren und seinen Wettbewerbern verborgene Potenziale freizulegen“, heißt es.