Strategische Partnerschaft: H&M kauft sich bei Klarna ein

Zunächst hatte die Financial Times berichtet, nun wurden die Berichte bestätigt: Der schwedische Textilhändler H&M erwirbt Anteile am Online-Zahlungsdienstleister Klarna.

Für 20 Millionen US-Dollar kauft der weltweit zweitgrößte Textilhändler einen Prozent der Anteile an dem ebenfalls aus Schweden stammenden Start-up. Im Gegenzug geht Klarna eine Partnerschaft mit H&M ein, die seinen Kunden zunächst in 14 europäischen Ländern neue Zahlungsoptionen im Online und Filialgeschäft eröffnen soll.
Weltweite Partnerschaft geplant

Nach dem Start in Europa soll die Partnerschaft künftig auch auf die Märkte in Asien und den USA ausgeweitet werden. Für Kunden des Bekleidungshändlers soll die Partnerschaft vor allem den Zahlungsprozess vereinfachen. Für H&M eröffnet sich die Chance, Filialgeschäft und Onlinehandel stärker zu verknüpfen. Laut Financial Times erhofft sich das Unternehmen zudem effizientere Strukturen für Lieferungen und Retouren. Man sei von den bisherigen Erfolgen des Zahlungsdienstleisters Klarna beeindruckt und wolle gemeinsam das moderne Shoppingerlebnis verbessern, teilte H&M Vorstand Karl-Johan Persson mit. Klarna wurde im Jahr 2005 und hat mittlerweile 2.000 Beschäftigte und wird von Investoren mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet.
Handel unter Druck

In den vergangenen Jahren hatte H&M stark unter dem Wandel im Textilhandel zu leiden. Zu lange konzentrierte sich der schwedische Konzern auf sein Filialgeschäft und vernachlässigte den Trend zum Onlinehandel. Konkurrenten wie der US-Onlineriese Amazon stießen in das Geschäft und nahm den etablierten Konkurrenten große Marktanteile. Mit der nun eingegangenen Partnerschaft mit Klarna will sich H&M in einem neuen Zukunftstrend der Zukunft positionieren: der Kombination aus Online- und stationärem Handel. Sogenannte Multichannel Angebote werden nach Ansicht von Experten in Zukunft das Bild des Einzelhandels bestimmen. Nachdem sich der Aktienkurs von H&M in den vergangenen drei Jahren mehr als halbiert hatte, erhofft sich der Händler nun einen Trendwechsel. Insbesondere die für Kunden wichtige Abwicklung von Retouren, die schnelle und zuverlässige Lieferung von Bestellungen und vor allem die Integration von Online- und Offline Geschäft sollen jetzt den Wandel schaffen. Der Zahlungsdienstleister Klarna ist auf diesem Weg ein entscheidender Partner.
Einstieg mit Kapitalerhöhung

Welche Bedeutung der Deal für beide Unternehmen hat, unterstreicht die Tatsache, dass die Beteiligung durch eine Kapitalerhöhung finanziert wird. Beim Einstieg von VISA in einer ähnlichen Größenordnung wurde die Beteiligung noch über bestehende Aktien abgewickelt. H&M ist nach Angaben von Klarna nun der größte Partner gefolgt von dem Modehändler ASOS aus dem Vereinigten Königreich und dem schwedischen Möbelriesen IKEA.