Strukturierte Produkte Teil 2: Was sind Zertifikate?
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01.04.2020

Strukturierte Produkte Teil 2: Was sind Zertifikate?

Anlagezertifikate bieten Investoren eine gute Möglichkeit, Chancen und Risiken ihres Portfolios gezielt zu steuern. Dazu sollten sie jedoch Aufbau und Funktionsweise der strukturierten Produkte verstehen. Diese Serie hat zum Ziel Anlegern die Grundlagen näherzubringen. Erfahren Sie alles Wichtige über Optionen, Zertifikate, Terminmärkte & Co.

Neben den im ersten Teil der Serie vorgestellten Produkten, wie Forwards, Futures und Optionen, finden Anleger mittlerweile eine große Auswahl sogenannter strukturierter Produkte vor. Auch wenn die Vielfalt – zum Beispiel in der Namensgebung – Anleger zunächst verwirren kann oder skeptisch werden lässt, so lohnt sich dennoch eine nähere Beschäftigung mit den angebotenen Produkten. Vielfach bieten sie den Investoren die Möglichkeit, durch den Kauf nur einer geringen Anzahl von Wertpapieren, Strategien zu verfolgen, die ihnen ansonsten gar nicht oder nur mit hohem Aufwand möglich wären. Dazu kommt, dass es abseits von Optionsscheinen und Knock-out-Produkten, die überwiegend zur kurzfristigen Spekulation genutzt werden, inzwischen zahlreiche strukturierte Produkte gibt, die sich, je nach Ausstattung des betreffenden Anlagezertifikats, für nahezu alle Risikoneigungen, Anlagehorizonte und Markterwartungen eignen können. 

 

Warum strukturierte Produkte?

Grundsätzlich können Anlagezertifikate insofern als „strukturiert“ bezeichnet werden, als sie von den Emittenten aus verschiedenen Instrumenten zusammengesetzt werden und neue, gezielt erzeugte Eigenschaften aufweisen. Vor dem Hintergrund der an den Wertpapierbörsen zahlreich verfügbaren derivativen und nicht-derivativen Instrumente ergibt sich so eine Vielzahl denkbarer Auszahlungs- und Chance-/Risiko-Strukturen. 

Ziel des Einsatzes strukturierter Produkte ist häufig die Risikoreduktion etwa gegenüber einer Direktanlage in den entsprechenden Basiswert, zum Beispiel in Aktien. Allein hierfür sind verschiedene Strategien und Konstruktionen verfügbar. Ein anderes Motiv kann die Gewinnoptimierung sein. Hier haben Anleger möglicherweise eine sehr konkrete Einschätzung zur Kursentwicklung einer bestimmten Aktie oder eines Index, von der sie profitieren möchten, allerdings unter Vermeidung der hohen Verlustrisiken von Optionsscheinen und Knock-out-Produkten. 

Strukturierte Produkte können Anlegern auch die Möglichkeit bieten, eine Outperformance gegenüber einer Direktanlage, zum Beispiel in eine bestimmte Aktie zu erzielen. So lassen sich je nach Ausstattung eines Anlagezertifikats häufig Risiken reduzieren oder Renditechancen gegenüber einer alternativen Anlage erhöhen. In jedem Fall sollten sich Anleger – wie bei jedem anderen Investment auch – beim Kauf strukturierter Produkte zuvor eine fundierte Meinung zum Markt und zur Entwicklung des in Erwägung gezogenen Basiswerts bilden. Mit Blick auf das konkrete Produkt sollten Anleger darauf achten, dass dieses Wertpapier ein den individuellen Erwartungen entsprechend akzeptables Verhältnis zwischen Chancen und Risiken bietet. 

 

Was macht ein Zertifikat aus?

Strukturierte Produkte werden in der Mehrzahl unter der Bezeichnung „Zertifikate“ emittiert. Anders als Aktien, die rechtlich als verbriefter Kapitalanteil an einer Aktiengesellschaft zu werten sind, bzw. Investmentfonds, die meistens ein rechtlich eigenständiges Sondervermögen darstellen, handelt es sich bei Zertifikaten um Inhaberschuldverschreibungen, die von Emittenten begeben werden. 

Anders als beispielsweise Investmentfonds sind Zertifikate nicht durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken, die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH oder vergleichbare Einrichtungen, die Einlagen bei Banken bis zu einer gewissen Höhe gegen Insolvenz schützen, gedeckt. Im Insolvenzfall des Emittenten stehen sie somit grundsätzlich mit allen anderen Verbindlichkeiten des Emittenten auf einer Stufe. 

Wirtschaftlich betrachtet bestehen Zertifikate aus einer Kombination von mindestens zwei Finanzanlagen, einer Kassamarktkomponente und einem oder mehreren Terminmarktinstrument(en), die zu einer festen rechtlichen und wirtschaftlichen Einheit verbunden werden. Im Gegensatz zu traditionellen Inhaberschuldverschreibungen, die mit einer Rückzahlung zum Nennwert und einem festen Zinskupon ausgestattet sind, werden Zertifikate von den Emittenten mit sehr speziellen Regeln für deren Rückzahlung ausgestattet. 

Darüber hinaus sollten Anleger auf das sogenannte „Emittentenausfallrisiko“ – eine Insolvenz und Zahlungsunfähigkeit eines Emittenten – achten, welches Zertifikaten einen Anleihecharakter verleiht. Besonders vor dem Hintergrund der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers hat das Emittentenausfallrisiko eine bedeutende Rolle eingenommen. Anleger sollten sich daher unbedingt über das Kreditrating (Bonität) des Emittenten informieren. Gerade für langfristige Engagements in Zertifikate sollten Anleger auf eine gute Bonität des Emittenten achten. Diese Information stellen die Emittenten üblicherweise selbst zur Verfügung. Die aktuelle Einstufung von HSBC Trinkaus & Burkhardt AG finden Sie bspw. hier.

Verschiedene Zertifikate-Typen

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Zertifkate-Typen. In den nächsten Teilen der Serie werden wir auf einige dieser Produkte eingehen: 

  • Partizipationszertifikate
  • Discount-Zertifikate
  • Kapitalschutz-Zertifikate
  • Bonus-Zertifikate
  • Outperformance-Zertifikate
  • Aktien- und Indexanleihen
  • Express-Zertifikate

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