Strukturierte Produkte Teil 3: Welche Zertifikate gibt es?
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11.05.2020

Strukturierte Produkte Teil 3: Welche Zertifikate gibt es?

Anlagezertifikate bieten Investoren eine gute Möglichkeit, Chancen und Risiken ihres Portfolios gezielt zu steuern. Dazu sollten sie jedoch Aufbau und Funktionsweise der strukturierten Produkte verstehen. Diesmal: Eine erste Einführung in Aufbau und Funktionsweise verschiedener Zertifikatsgattungen.

Partizipationszertifikate

Partizipationszertifikate ermöglichen es Anlegern, an der Kursentwicklung eines bestimmten Basiswerts, beispielsweise einer Aktie, eines Index oder eines Korbs teilzuhaben, in diesem Sinne also zu „partizipieren“. Als Basiswerte eignen sich nahezu alle denkbaren Finanzinstrumente zum Beispiel auch Devisen oder Rohstoffe. Ein häufiges Motiv für den Kauf von Partizipationszertifikaten, vor allem auf Indizes und Körbe, ist die damit zu erreichende Risikoreduzierung. Da Anleger so auf eine Reihe von Wertpapieren oder Korbkomponenten setzen, kann auf einfache Weise eine Diversifizierung und damit Risikostreuung gegenüber dem Kauf einer einzelnen oder weniger Aktien erreicht werden.

 

Die wesentlichen Ausstattungsmerkmale eines Partizipationszertifikats sind:

  • der Basiswert
  • das Bezugsverhältnis sowie
  • die Laufzeit – das heißt der Fälligkeitstag bei Zertifikaten mit fester Laufzeitbegrenzung beziehungsweise der/die Ausübungstag(e) bei Zertifikaten ohne Laufzeitbegrenzung (Open End).

 

Discount-Zertifikate

Im Vergleich zu einem Direktinvestment in eine Aktie oder einen Index bezahlen Anleger beim Discount-Zertifikat durch den Preisabschlag (Discount) einen günstigeren Preis, um an der Kursbewegung des zugrunde liegenden Basiswerts zu partizipieren. Während Anleger somit weniger Kapital als beim unmittelbaren Erwerb des Basiswerts aufwenden müssen, um an dessen Kursbewegung teilzuhaben, verzichten sie allerdings auf die Partizipation an Kursanstiegen oberhalb des sogenannten Cap. Der Cap bezeichnet folglich einen festgelegten Wert, bis zu dem Anleger an den Kursentwicklungen des Basiswerts partizipieren. Die Gewinnchancen sind somit begrenzt.

Tritt die von Anlegern erwartete Kursbewegung ein und der Kurs des Basiswerts befindet sich am Bewertungstag oberhalb des Cap des Discount-Zertifikats, wird die maximal mögliche Rendite des Zertifikats erzielt und der sogenannte Höchstbetrag wird ausgezahlt. Steigt der Kurs des Basiswerts über den Cap hinaus, so nehmen Anleger an dieser Kursentwicklung nicht teil. Die Rückzahlung ist auf den Höchstbetrag begrenzt. Das Sicherheitspolster (oder auch Risikopuffer genannt) in Form des Discounts kommt insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder leicht fallenden Kursen des Basiswerts zum Tragen. Kursrückgänge des Basiswerts in Höhe des Discounts führen nicht zu Verlusten für den Zertifikatsinhaber. Erst wenn der Kurs des Basiswerts unter den persönlichen Einstiegspreis des Discount-Zertifikats fällt, das heißt unter den Preis, den ein Anleger für den Erwerb des Discount-Zertifikats bezahlt hat (ohne Berücksichtigung von etwaigen Erwerbsnebenkosten), tritt ein Kapitalverlust für Anleger ein. Umgekehrt bringt dieses Sicherheitspolster jedoch auch eine Begrenzung der Gewinnchance mit sich. Aktien-Discount-Zertifikate zeichnen sich im Gegensatz zu Index-Discount-Zertifi katen dadurch aus, dass bei Fälligkeit eine durch das Bezugsverhältnis ausgedrückte festgelegte Anzahl an Aktien geliefert wird, wenn der Kurs der Aktie, der sogenannte Referenzpreis, der für die Kalkulation des Auszahlungsbetrags herangezogen wird, am Bewertungstag unterhalb des Cap notiert. (Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Ein Blick in die Endgültigen Bedingungen schafft Gewissheit.) Index-Discount-Zertifikate werden dagegen mit einer Zahlung bzw. durch Lieferung von Open End-Partizipationszertifikaten getilgt (unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses), wenn der Kurs des Basiswerts am Bewertungstag unter dem Cap notiert.

Discount-Zertifikate wurden erstmals im Jahr 1995 emittiert. Zu dieser Zeit steckte der gesamte Zertifikatemarkt noch in den Kinderschuhen. In den letzten Jahren haben sich Discount-Zertifikate geradezu zu einem Standard im Bereich der strukturierten Produkte entwickelt.
Gekennzeichnet sind sie durch die folgenden wesentlichen Ausstattungsmerkmale:

  • den Basiswert
  • das Bezugsverhältnis
  • den Bewertungstag
  • den Höchstbetrag
  • den Cap. A

 

Kapitalschutz-Zertifikate (Garantie-Zertifikate)

Kapitalschutz-Zertifikate greifen den Wunsch vieler Anleger auf, unerwünschte Kursentwicklungen außer Acht zu lassen, wenn es am Markt nicht so läuft, wie erwartet. Das heißt, der Emittent sichert die Zahlung eines Kapitalschutzbetrags zur Fälligkeit (Einlösungstermin) zu, dessen Höhe bei Emission von dem Emittenten festgelegt wird. Selbstverständlich darf hierbei das Emittentenausfallrisiko nicht vergessen werden. Somit schützen Kapitalschutz-Zertifikate Anleger – gegebenenfalls aber auch nur teilweise – vor Verlusten, wenn der Basiswert am Bewertungstag gegenüber seinem Startniveau gefallen ist. Konkret bedeutet dies: Die Wertpapiere sind mit einem Kapitalschutz durch den Emittenten ausgestattet, der sich auf den Nennbetrag oder einen prozentualen Anteil des Nennbetrags erstreckt. An dieser Stelle soll betont werden, dass nur zur Fälligkeit der Einlösungsbetrag mindestens dem Kapitalschutzbetrag entspricht. Darüber hinaus bieten Kapitalschutz-Zertifikate die Möglichkeit, von einer positiven Kursentwicklung des zugrunde liegenden Basiswerts oberhalb seines Startniveaus zu profitieren.

Mit Kapitalschutz-Zertifikaten haben Emittenten eine Möglichkeit gefunden, neben einer Mindesteinlösung in Höhe des Kapitalschutzbetrags auch eine Partizipation (Teilhabe) an der positiven Preisentwicklung des Basiswerts in einem Produkt zu vereinen. Dabei ist die Partizipation u.a. vom Partizipationsfaktor abhängig. Oft beträgt dieser Eins. Das heißt, die Kursveränderung des Basiswerts oberhalb des Startniveaus wird 1 zu 1 nachvollzogen. Allerdings kann auch eine überproportionale (Partizipationsfaktor größer Eins) oder auch eine unterproportionale Partizipation (Partizipationsfaktor kleiner Eins) vorgesehen werden. Somit können Kapitalschutz-Zertifikate je nach Emittent sehr unterschiedlich ausgestattet sein. So ist es zum Beispiel auch denkbar, dass für die Berechnung der Partizipation am Bewertungstag nicht der Kurs des Basiswerts am Bewertungstag herangezogen wird, sondern bereits während der Laufzeit an vorab definierten Bewertungstagen der Stand des Basiswerts festgehalten und bis zur Bewertung vor Fälligkeit ein Durchschnitt gebildet wird, nach dem sich die Höhe der Einlösung richtet. Daher ist der Blick in die jeweiligen Endgültigen Bedingungen eines KapitalschutzZertifikats unerlässlich.

Die Grundkonstruktion eines Kapitalschutz-Zertifikats weist die folgenden wesentlichen Ausstattungsmerkmale auf:

  • den Basiswert
  • den Partizipationsfaktor
  • den Nennbetrag
  • das Startniveau
  • den Kapitalschutzbetrag
  • den Bewertungstag.

 

Bonus-Zertifikate

Bonus-Zertifikate richten sich an Anleger, die Kursgewinne bzw. nur begrenzte Kursverluste eines Basiswerts erwarten und an den erwarteten Kursgewinnen möglichst vollständig partizipieren wollen. Damit verbinden Bonus-Zertifikate verschiedene vorteilhafte Eigenschaften in einem Produkt: Der Bonusmechanismus bietet angemessene Renditechancen in stagnierenden Märkten. Des Weiteren erlauben Bonus-Zertifikate unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten bei steigenden Kursen des Basiswerts. Der Bonusmechanismus ist intakt, sofern die festgelegte Kursschwelle des Basiswerts (die Barriere) nicht verletzt wird. Solange der Bonusmechanismus aktiviert ist, führt dieser zur Mindestzahlung eines Bonusbetrags. Wird die festgelegte Barriere durch starke Kursrückgänge des Basiswerts berührt oder unterschritten, wird der Bonusmechanismus deaktiviert und die Mindestzahlung des Bonusbetrags entfällt. Die Einlösung orientiert sich dann am Referenzpreis, dem maßgeblichen Kurs des Basiswerts am Bewertungstag. Auch bei Bonus-Zertifikaten auf Aktien werden während der Laufzeit anfallende Dividendenzahlungen nicht an den Zertifikatsinhaber weitergereicht. Dafür gilt aber: Je höher die erwartete Dividende eines Basiswerts während der Laufzeit eines Zertifikats ist, desto attraktiver können zum Beispiel der Abstand des Basiswertkurses zur Barriere oder der Bonusbetrag gestaltet werden.

Standard-Bonus-Zertifikate besitzen die folgenden wesentlichen Ausstattungsmerkmale:

  • den Basiswert
  • das Bezugsverhältnis
  • die Barriere
  • den Bonuslevel
  • den Bonusbetrag
  • den Bewertungstag

 

Für den kompletten Überblick, lesen Sie noch einmal alle Teile der Serie "Strukturierte Produkte":
 

Strukturierte Produkte Teil 1: Grundlagen derivater Finanzinstrumente

Strukturierte Produkte Teil 2: Was sind Zertifikate?

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