Stuttgarter Börse plant App für den Kryptohandel

Die zweitgrößte Wertpapierbörse Deutschlands will in den Kryptomarkt einsteigen: Die Börse Stuttgart plant, im September eine Smartphone-App zu lancieren, die Anlegern den Handel mit Kryptowährungen ermöglicht.

Das Fintech-Unternehmen Sowa Labs hat auf der Stuttgarter Finanzmesse "Invest" den Prototyp von Bison, einer App für den Handel mit Kryptowährungen, präsentiert. Angesichts des aktuellen Hypes um Bitcoin und Konsorten ist dies nichts Außergewöhnliches. Doch Sowa Labs ist eine Tochtergesellschaft der Stuttgarter Börse. Damit ist Bison die weltweit erste Krypto-App, hinter der eine klassische Effektenbörse steht, wie Ulli Spankowski, der CEO von Sowa Labs, erklärte.

Keine Transaktionsgebühren

Die Stuttgarter haben den Anspruch, mit ihrer App den Handel mit Kryptowährungen massentauglich zu machen. Sie legen deshalb besonderen Wert auf Benutzerfreundlichkeit. So soll die Eröffnung eines neuen Benutzerkontos nur wenige Minuten in Anspruch nehmen. Andere Plattformen brauchen dafür in der Regel mehrere Tage. Der Besitz einer Krypto-Wallet ist nach Angabe von Spankowski nicht erforderlich. Das bedeutet entweder, dass die Bison-App selbst eine Wallet-Funktion mit sich bringt oder dass Sowa Labs eine Online-Wallet anbietet.

Der Handel mit Kryptowährungen erfolgt automatisiert nach dem Market-Maker-Prinzip. Sowa Labs wirbt damit, dass den Kunden abgesehen vom Spread zwischen Geld- und Briefkurs keine Transaktionskosten entstehen. "User können", so Geschäftsführer Spankowski, "Kryptowährungen kostenlos in der App handeln." Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im September werden vier Kryptowährungen verfügbar sein: Bitcoin, Ether, Litecoin und Ripple. Weitere sollen folgen.

Eingebautes Stimmungsbarometer

Ein interessantes Detail ist der Cryptoradar: Bison wertet mittels künstlicher Intelligenz rund 250.000 Tweets der letzten 24 Stunden aus. Im Fünfsekundentakt zeigt die App in einer Grafik, welche Kryptowährungen am heißesten diskutiert werden und wie die aktuelle Stimmungslage ist.

Zusammen mit der Präsentation von Bison veröffentlichte Sowa Labs eine Umfrage zum Thema Kryptohandel. Von den 1.018 Teilnehmern handeln 35 Prozent mit Kryptowährungen. 18 Prozent haben bei mehreren Handelsplattformen ein Konto. Wenig überraschend sind Männer und unter 35-Jährige gegenüber dem Kryptohandel aufgeschlossener als Frauen und Ältere. Rund die Hälfte derer, die ein Benutzerkonto bei einer Handelsplattform besitzen, eröffneten diese letztes Jahr, als der Bitcoin-Kurs sein Allzeithoch erreichte. Die Kontoinhaber erwarten von einer Handelsplattform vor allem Geschwindigkeit, Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit, eine Vielzahl handelbarer Kryptowährungen und niedrige Gebühren.

Gute Chancen am Markt

Angesichts dieser Umfrageergebnisse rechnen sich die Macher von Bison gute Marktchancen aus. Dass hinter der App die zweitgrößte Börse Deutschlands steht, dürfte vor allem bei institutionellen Anlegern die Hemmschwelle zum Eintritt in den Kryptohandel senken. Einen niedrigen Spread vorausgesetzt, könnte zudem der Verzicht auf Transaktionsgebühren zu einem entscheidenden Konkurrenzvorteil für Bison werden.

Gleichzeitig verdeutlicht das Projekt der Stuttgarter Börse eines der größten Probleme digitaler Währungen: Sie werden primär als Spekulationsobjekt wahrgenommen. Praktische Anwendungen im Zahlungsbereich existieren kaum. Ändert sich dies nicht in absehbarer Zeit, wird allerdings auch das Spekulationsinteresse wieder abnehmen. Denn der innere Wert der des virtuellen Geldes, das durch keine materiellen Güter gedeckt ist, bestimmt sich durch seinen Gebrauchsnutzen.