Supermärkte im Preiskampf

Durch eine Allianz erhoffen die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich zu verbessern. Der Markt der Discounter wird international immer härter umkämpft.

Das britische Unternehmen Tesco und das französische Unternehmen Carrefour haben mitgeteilt, eine dreijährige Kooperation eingehen zu wollen, um mit ihren Lieferanten gemeinsam über Einkaufspreise zu verhandeln. Damit schließen sich zwei weitere große europäische Supermarktketten in einer Allianz zusammen, um ihre Verhandlungsposition gegenüber den zuliefernden Konsumgüterherstellern zu stärken.


Carrefour und Tesco bilden Einkaufsallianz

Carrefour ist der größte Einzelhandelskonzern Europas. Das französische Unternehmen ist in 33 Ländern mit insgesamt 12.300 Niederlassungen vertreten und hat 379.000 Mitarbeiter. Tesco ist der marktführende Discounter in Großbritannien, beschäftigt weltweit in zehn Ländern 440.000 Mitarbeiter und unterhält 6.800 Filialen.

Zusammen setzen die Unternehmen jährlich etwa 190 Milliarden Euro um und geben für Einkäufe der von ihnen gehandelten Waren etwa 122 Milliarden Euro aus.

Britische Analysten gehen davon aus, dass die beiden Unternehmensgruppen gemeinsam durch diese Allianz 466 Millionen Euro beim Einkauf einsparen könnten.
Für die Verbraucher werde die Allianz für eine breitere Auswahl an Produkten und niedrigeren Preisen sorgen, erklärten die Unternehmen. Insbesondere mit den Lieferanten für die Hausmarken soll gemeinsam verhandelt werden.

 

Konkurrenz von Sainsbury, Asda und Amazon

Vor wenigen Wochen hatten die britischen Discounter Sainsbury und Asda ihre Fusion bekannt gegeben. Das erhöht den Druck auf Großbritanniens Marktführer Tesco. Seit den Filialeröffnungen von Lidl und Aldi in den 1990er Jahren werden die Marktanteile von den Discounterketten in Großbritannien immer härter umkämpft. Sainsbury's hatte im Rahmen der Fusion angekündigt, nun jährlich beim Einkauf 582 Millionen Euro an Kosten einsparen zu wollen. Die Preise vieler Produkte könnten damit um bis zu 10 Prozent gesenkt werden.

Tesco kann viele seiner extrem geringen Margen nur dadurch erzielen, dass derzeit verlässliche Lieferketten für verderbliche Lebensmittel mit Kontinentaleuropa bestehen. Der anstehende Brexit könnte den problemlosen Produktnachschub und das Preisgefüge aber dauerhaft gefährden. Die Gewinne von Carrefour sind bereits das zweite Jahr in Folge gesunken. Das Unternehmen musste zuletzt Tausende von Arbeitsplätzen einsparen.

Mit ihrer Allianz werden die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessern. Der Markt der Discounter wird international immer härter umkämpft. Auch geringe Margen müssen gehalten werden, um mit Niedrigpreisen konkurrenzfähig zu bleiben. Tesco ist der erste britische Einzelhändler, der an einem derartigen Einkaufsbündnis beteiligt sein wird.

Ein weiterer mächtiger Konkurrent hat seinen Feldzug im Bereich der Lebensmittel gerade erst angetreten. Dem Onlinehandel von Amazon trauen Analysten im Lebensmittelsektor noch enormes Wachstum zu. Seitdem Amazon 2017 die amerikanische Bio-Supermarktkette Whole Foods Market für 13,7 Milliarden Dollar gekauft hatte, sind die Gewinnerwartungen der Filialhandelsketten für Konsumgüter und Lebensmittel stark gesunken.

 

Einkaufsallianzen Horizon und ALIDIS

Die Handelsgruppen Metro, Auchan, Casino und Schiever hatten sich jüngst für den französischen Markt als auch international zu Kooperationen in Form einer Einkaufsallianz zusammengetan. Das Bündnis "Horizon – Nationale Marken" wurde auf nationaler Ebene für die Verhandlung mit Lieferanten, Landwirten und Erzeugern in Frankreich geschlossen. Unter dem Namen "Horizon – Internationale Services" ist die Einkaufsallianz rund um die deutsche Metro AG - zu der unter anderem Real, Mediamarkt und Saturn gehören - von Genf aus international tätig.

Auch die europäische Einkäuferallianz ALIDIS /AgeCore hat ihren Sitz in Genf. Das Bündnis besteht bereits seit 2002. Mittlerweile zählen Edeka, die spanische Eroski-Gruppe, das belgische Unternehmen Colruyt, die italienische Supermarktkette Conad und Coop Schweiz zu den Mitgliederunternehmen.

Zuletzt hatten Edeka und die schweizerische Coop gemeinsam erfolgreich die Einkaufspreise von Nestlé-Produkten mit dem Lebensmittelkonzern verhandelt. Vorübergehend wurden sogar Produkte des Schweizer Nahrungsmittelherstellers aus dem Sortiment genommen, um mehr Verhandlungsdruck zu erzeugen. Nach monatelangen Verhandlungen hatte die Einkäuferallianz Nestlé tatsächlich zu Konzessionen zwingen können.