Takeaway-Börsengang war ein Riesenerfolg

Die finanzielle Unabhängigkeit ist das Lebensziel vieler Jugendlicher und Berufseinsteiger. Wird dieser Traum wahr, so vergehen in der Regel mehrere Jahrzehnte. Etwas anders lief es bei den Takeaway-Gründern, denn diese waren bereits nach dem Börsengang Multimillionäre.

Der Börsengang des niederländischen Startups war für die drei Gründer ein wahrer Erfolg. Mit der Eröffnung der niederländischen Börse am 30. September 2016 um 8:00 Uhr begann das Initial Public Offering. Am Ende des Tages nahm das Startup durch die Erstplatzierung am Markt rund 328 Millionen Euro ein. Mehr als die Hälfte der Einnahmen flossen an die Wagniskapitalgeber und die Anteileigner.

Beim platzierten Unternehmen handelt es sich um Takeaway. Das Unternehmen vermittelt Essensbestellungen in zehn Ländern. Auch Deutschland gehört zu den bearbeiteten Märkten. Hier agiert das Unternehmen durch die Marke Lieferando und gilt als Marktführer. Zeitgleich ist Lieferando der größte Konkurrent von Delivery Hero. Das deutsche Unternehmen arbeitet über die Marken Foodora, Pizza.de und Lieferheld.


Surreales Bild für die Firmengründer

Für Christoph Gerber, einem der Firmengründer ergab sich am Tag der Erstnotierung ein etwas surreales Bild. Grundsätzlich habe er oftmals von der Börsenplatzierung geträumt, doch das reale Geschehen wirkte eher surreal.

Die eigentliche Firmengründung unternahmen Christoph Gerber, Kai Hansen und Jörg Gerbig in 2009. Zu einem späteren Zeitpunkt verschmolz Lieferando mit Takeaway. Im Gegenzug für die Verschmelzung erhielten die Lieferando-Gründer Unternehmensanteile. Diese wurde nach dem Initial Public Offering wieder an der Börse verkauft. Insbesondere die Gründungsphase war eine aufreibende Zeit für die Gründer. Zu Beginn tippten die drei Gründer Speisekarten ab, verhandelten mit Restaurants und stellten Mitarbeiter ein. Einige Zeit später folgte ein juristischer Streit mit Delivery Hero. In dieser Zeit stand das Unternehmen mehrmals vor dem Aus, doch die Börsennotierung sollte die langersehnte Belohnung für die Bemühungen sein.

In der Nacht vor dem Börsengang befanden sich die drei Lieferando-Gründer in Amsterdam und verhandelten mit den Takeaway-Anwälten. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete keiner der ehemaligen Gründer mehr für das Unternehmen. Insbesondere Christoph Gerber kommt mit dem Firmenchef Groen nicht zurecht. Nach dem erfolgreichen Börsengang verweilten die Gründer samt Freundinnen in Amsterdam. Rund sechs Tage später erhielten Sie ihre Anteile von Banken wie Morgan Stanley ausgezahlt. Für Gerber bedeutete dies, dass er seitdem ein Multimillionär mit einer eigenen Eigentumswohnung und einem Porsche ist.
 

Der langerhoffte Exit

Insbesondere in Deutschland ist eine solche Geschichte etwas verwunderlich, denn nur wenige Unternehmen schaffen einen millionenschweren Exit. Vor allem BWL-Studenten der WHU oder der HHL träumen von einem solchen Exit. Um neue Studenten zu gewinnen, setzen die Hochschulen auf eine Werbung mit erfolgreichen Gründern. Insbesondere der Traum des schnellen Geldes wird durch dieses Vorgehen bei den jungen Entrepreneuren geschürt.

Für Gerber war der Exit immer eine Ungewissheit, denn das Geld könne auch einen negativen Einfluss auf die Persönlichkeit ausüben. Aus diesem Grund hat Gerber seinen Lebensstil kaum geändert. Lediglich die neue Wohnung und der Porsche seien neu hinzugekommen. Der Freundeskreis wurde gepflegt, die Familie nimmt weiterhin eine wichtige Rolle ein. Dennoch ist die Wahrnehmung eine andere und die Ansprüche des Umfeldes steigen. Sein Studium absolvierte Gerber an der Universität der Künste. Dort studierte er Wirtschaftskommunikation. Eine elitäre Bildung an der WHU genoss Gerber nicht und seine raue Art hätte ihn wohl zum Sonderling gemacht.

Die Startup-Szene war nie das primäre Ziel Gerbers. Im Rahmen seines Studiums lernte Gerber Jörg Gerbig kennen. Dieser hielt sich zuvor in New York auf und analysierte dort die Gewohnheiten der Kollegen. Diese gaben einen Großteil der Spesen für Essenslieferungen über das Netz aus. Aus diesem Grund orientierte sicher Gerbig an der Idee der Amerikaner. Diese Idee kam auch bei den Wagniskapitalgebern gut an und die Plattform Lieferando entwickelte sich zu einem Erfolg.

 

Gerber setzt auf neue Geschäftsidee

Für die Wagniskapitalgeber spielt die schnelle Expansion eine besonders wichtige Rolle, denn sobald eine Plattform einen Markt beherrscht, gilt sie dort als Gelddruckmaschine. Margen von rund 50 Prozent sind dann keine Seltenheit mehr. Und der nahende Börsengang von Delivery Hero sorgte für zunehmende Spannung bei den Marktteilnehmern.

Kurz nach dem Zusammenschluss mit Takeaway zog Gerber für rund ein Jahr nach Australien und entwickelte dort die Geschäftsidee für ein neues Startup. Das neue Startup heißt „Talon One“. Das Unternehmen verkauft eine Software, die zur Steuerung von Rabatt- und Werbeaktionen genutzt werden kann. Bereits Ende 2015 startete das Unternehmen mit dem Geschäft und zu Beginn 2016 wurde das fertige Produkt veröffentlicht. Der Unternehmenssitz befindet sich in einer Dachgeschosswohnung in Kreuzberg. Das neue Startup soll laut Gerber auch kaum Geld verbrennen, denn vor allem Bekannte ermöglichten die Finanzierung des Unternehmens. Dies ist auch ein Unterschied zu Lieferando, denn vor allem zu Beginn arbeitete das Unternehmen sehr ineffizient.

Das Startup Talon One verfügt bereits über mehrere Kunden, die monatlich vier- bis fünfstellige Zahlungen leisten. Doch diese sollen in Zukunft weiter ausgebaut werden. Zudem glaubt Gerber, dass die Zeit aus dem Lieferbusiness zu seiner Entwicklung beigetragen habe. Dennoch vermisst er Lieferando nicht.