Technologie-Aktien: Suche nach Disruptoren

Das Spektrum der Technologieunternehmen ist in den letzten Jahren vielfältiger geworden. Gewinner von morgen sind manchmal nicht leicht zu identifizieren. Auf jeden Fall dürfte es nicht ausreichen, nur die klassischen Technologieindizes zu beobachten. Amazon etwa, ein wirklicher Big Player unter den Tech-Giganten, ist eigentlich als Einzelhandelsunternehmen zu klassifizieren. Das merkt Mark Hawtin in einem aktuell viel beachteten Marktkommentar an. Hawtin verlässt damit teilweise die vorherrschende Definition dieses Sektors. Er ist der Auffassung, dass wichtige disruptive Themen des Sektors künftig die Diskussion bestimmen werden. Diese disruptiven Trends solle man aus Unternehmens- und Konsumentensicht im Auge behalten, so Hawtin. Als Beispiele nennt er den Trend zu Cloud-Speicherungen entgegen althergebrachten physischen Speicherungen auf lokalen Datenträgern und die Möglichkeiten digitaler Werbung, die sich gegenüber der herkömmlichen TV- und Printwerbung durchzusetzen beginnt. Wenn man solche Trends aufgespürt habe, solle man als Investor diejenigen Unternehmen finden, die am meisten davon profitieren könnten. Den Netzwerkeffekt hält Hawtin für maßgebend. Wer Netzwerke beherrsche, streiche die weitaus größten Gewinne ein. Als Beispiel nennt er Facebook bei seiner Aufstellung im Mobile Advertising: Das Social Network beherrscht dieses Segment fast total. Neue Marktteilnehmer haben es dadurch unglaublich schwer. Fast 100 Prozent der Gewinne gehen an Facebook. Das besiegelt nachhaltig die Wachstumsposition dieses Unternehmens.


Technologiewandel durch Vernetzung

Den technologischen Wandel durch Vernetzung hält Hawtin für sehr bedeutsam. Da das Internet grenzenlose Möglichkeiten der Vernetzung bietet, kann jeder Anbieter von Dienstleistungen ein weltweites digitales Ökosystem aufbauen. Als Beispiele nennt der Experte Airbnb, Uber, Alibaba und Facebook. Auch Konsumenten seien dergestalt vernetzt, was ihre Konsumgewohnheiten verändert habe: Musik hören sie mit Spotify, Daten speichern sie mit der Dropbox, Filme sehen sie mit Netflix. Das sei inzwischen absolut alltäglich geworden.


Chancen bei Speicherlösungen

Interessante Chancen ergeben sich nach Meinung des Fondsmanagers im Bereich der Speicherlösungen. Der Bedarf daran nehme rasant zu - um rund 35 Prozent pro Jahr. Hier macht Hawtin einen sehr nachhaltigen Trend aus, denn die Speicheranforderungen würden aktuell durch KI, Big Data und Netzwerke noch steigen. Drei Technologien beherrschen derzeit diesen Markt:

 

  • Dynamic Random-Access Memory (DRAM)
  • NAND Flash (nichtflüchtige Speicher für die Datenaufbewahrung ohne Strom)
  • konventionelle Festplatten

 

Hawtin erwartet, dass es alsbald nur noch wenige Akteure in den jeweiligen Märkten geben wird. Diese gälte es jetzt schon aufzuspüren, weil sie zu absoluten Giganten wie Google, Amazon, Apple oder Facebook heranwachsen könnten. Allerdings müssen man beobachten, inwieweit Hardware und Halbleiter zur Massenware würden und inwieweit sie als zyklisches Wachstumsgeschäft einzustufen seien.


Disruptoren bei den Big Data Unternehmen

Disruptive Technologien gibt es zweifellos im Bereich Big Data. Sie bergen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken, wie der Datenskandal um Facebook und seinen Partner Cambridge Analytica gezeigt hat. Doch diese Risiken beeinträchtigen praktisch nicht das Geschäft, wie sich an Facebook gezeigt hat. Das beweise die Stabilität dieses Marktes, so Hawtin.