Tesla: Bleibt alles anders

Für viele schlug sie ein wie eine Bombe, jene Willenserklärung von Elon Musk, sein Tesla-Unternehmen von der Börse zu nehmen. Irgendetwas oder irgendwer hat ihn dann dazu bewegt, oder vielleicht auch gezwungen, zu widerrufen. Die Meinungsänderung dauerte immerhin ungefähr 18 Tage. Auf der Internetseite von Tesla wird die Kehrtwende unverfänglich so ausgedrückt, dass es für den Konzern wohl doch die bessere Entscheidung sei, an der Börse zu bleiben. Er nennt es „Gespräche mit Investoren“, die ihn überzeugt hätten. 

Beim Kursstand von 420 Dollar wollte Musk „privatisieren“, also Tesla von der Börse nehmen, dies verkündete er am 7. August 2018 per Tweet. Die Finanzierung sei gesichert. Prompt schoss der Kurs der Tesla-Aktie auf knapp 380 Dollar nach oben. Die Technologie-Börse Nasdaq reagierte so, wie es bei starken Kursschwankungen durchaus üblich ist: Sie setzte den Handel mit der Tesla-Aktie vorübergehend aus, bis sich die Gemüter beruhigt haben. Musk erläuterte wenig später, dass die Finanzierungszusage durch Investoren aus Saudi-Arabien noch nicht so ganz perfekt sei, wie er zunächst glaubte. Seine letzte Aussage geht nun in die Richtung, dass er davon überzeugt sei, dass genug Geld vorhanden ist, Tesla tatsächlich von der Börse nehmen zu können. 

 

Genug ist genug - die Investoren stellen sich quer

Einige wesentliche Investoren waren nicht amüsiert und reagierten „negativ“ auf Musks Anwandlungen, was ihn schließlich zum Zurückrudern bewegte. Die „Gespräche“, die da geführt wurden, schließen immerhin diese Schwergewichte an Investment-Unternehmen mit ein: Goldman Sachs, Morgan Stanley und Silver Lake.

Ihr „Feedback“ tendierte unisono in die Richtung, dass ein börsennotierter Tesla schneller fährt, gab Musk kleinlaut zu. Zwar kannte er die Tücken, die mit einem Rückzug von der Börse verbunden sind, aber nun sei ihm klar geworden, dass dieser Schritt eine deutlich größere Herausforderung bedeuten würde, als er ursprünglich abgeschätzt hat. Zunächst einmal soll das günstigere Model 3 dem Unternehmen breitere Käuferschichten erschließen. 

Doch der Anlauf der Produktion gestaltete sich schwieriger als gedacht. Die Zielmarke 5.000 Autos pro Woche konnte erst mit sechsmonatiger Verspätung im Sommer erreicht werden. Daraus ergaben sich für Tesla sehr hohe Verluste. Die Zweifel einiger Analysten fegte er sogleich beiseite und versicherte schwarze Zahlen für das zweite Halbjahr 2018. Auf jeden Fall wurde jener Vorstandsausschuss, der die Privatisierung zu prüfen hatte, inzwischen aufgelöst. 

 

Lag hier eine Manipulation des Aktienkurses vor?

Die Art und Weise, wie Musk seine Pläne öffentlich gemacht hat, aktivierte sofort die Börsenaufsicht SEC. Sie prüft nun, ob Musks Angaben über seine Pläne und über den Stand der Finanzierungsgespräche der Wahrheit entsprachen. Dazu werden die Verwaltungsräte verpflichtet, alle Informationen offen auf den Tisch zu legen. 

Der Sender „Fox Business News“ berichtete darüber, dass bereits alle neun Vorstandsmitglieder gerichtlich vorgeladen worden sind. Anleger, die auf Kursrückgänge der Aktie gesetzt haben, verbuchten durch den Kurssprung nach oben immense Verluste. Nun muss man fairerweise aber auch sagen, dass Spekulanten erwachsene Menschen sind und schon immer zwischen Gewinn und Verlust hin und her geworfen wurden, das ist das Wesen der Börse. Sich über Spekulationsverluste gerade bei Hebelprodukten beim Richter zu beschweren, ist schon eine neue Dimension. 

Elon Musk ist bekannt dafür, dass er Börsenanalysten nicht besonders mag. Spekulanten, die gegen Tesla wetten, sind nicht seine Freunde. Als börsennotiertes Unternehmen muss Tesla stets die Interessen der Anleger im Blick haben, einen hohen bürokratischen Aufwand betreiben und kurzfristige Erfolge mediengerecht in Szene setzen. Dies alles wirkt wie ein Klotz am Bein für jemanden, der das große Ganze im Blick hat. Daher ist sein Plan zu privatisieren umso verständlicher und sehr wahrscheinlich ehrlich gemeint. Seien wir also gespannt auf das, was die SEC in der Sache noch zutage fördert.