Tesla entlässt 3.000 Mitarbeiter

Tesla plant, neun Prozent seiner Stellen abzubauen. Damit reagiert der Elektroautohersteller, der in seiner 15-jährigen Geschichte noch nie Gewinn erwirtschaftet hat, auf die zunehmende Kritik.

Es war ein Aprilscherz, der bei den Investoren schlecht ankam: Tesla sei pleite, twitterte Elon Musk am ersten April. Die Nerven der Anleger strapazierte der kommunikationsfreudige Tesla-CEO auch, indem er auf Kritik durch Medien und Analysten wiederholt mit ausfälligen Kommentaren reagierte. Doch nun scheint Musk die Zeichen der Zeit verstanden zu haben: Am Dienstag gab er in einem internen Memo eine Reorganisation bekannt. Hauptbestandteil der Reorganisation ist der Abbau von neun Prozent der Stellen. Bei einer 37.500 Mann starken Belegschaft bedeutet dies die Entlassung von mehr als 3.000 Angestellten. Der Stellenabbau betrifft vor allem die Mitarbeiter des Hauptquartiers. Die Produktionsmitarbeiter bleiben weitgehend verschont. Den Entlassenen offeriert Tesla großzügige Abfindungen.

 

"Es ist nicht der Profit, der uns motiviert"

In seinem Memo gibt Musk seinen Kritikern zum ersten Mal ein Stück weit recht. Er schreibt zwar, es sei nicht der Profit, der Tesla motiviere. Was das Unternehmen antreibe, sei die Mission, den weltweiten Wechsel zu nachhaltiger und sauberer Energie zu beschleunigen. Musk räumt jedoch ein, dass sich dieses Ziel nur erreichen lasse, wenn es Tesla gelinge, einen nachhaltigen Profit zu erwirtschaften.

Tatsächlich war Tesla seit seiner Gründung im Jahr 2003 nie profitabel. Bis heute hat der Elektroautohersteller einen kumulierten Verlust von 5,4 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Analysten rechnen gemäß Bloomberg in den nächsten vier Quartalen mit weiteren Verlusten von 1,3 Milliarden Dollar. Moody's stufte das Rating von Tesla im März von B2 auf B3 herunter. Nach Berechnungen der Ratingagentur braucht das Unternehmen wahrscheinlich noch dieses Jahr eine Kapitalspritze von mehr als 2 Milliarden Dollar. Goldman Sachs erwartet, dass Tesla bis 2020 über 10 Milliarden Dollar an frischem Kapital benötigt.

 

Einsparungen von 320 Millionen Dollar

Angesichts des hohen Kapitalbedarfs macht es Sinn, dass Elon Musk seinen Kritikern nun einen Schritt entgegenkommt. Tesla hat in den letzten Jahren seinen Mitarbeiterbestand massiv ausgebaut: Seit 2015 hat der Autobauer die Zahl seiner Mitarbeiter verdreifacht, seit 2012 gar verzwölffacht. Musk gibt denn auch zu, dass sich in der Personalstruktur seines Unternehmens Doppelspurigkeiten eingeschlichen hätten. Er verspricht, die Hierarchie zu verflachen und so die unternehmensinterne Kommunikation zu verbessern und Bürokratie abzubauen. Gene Munster, Gründer des Wagnisfinanzierers Loup Ventures, schätzt, dass die Entlassungen bei einmaligen Kosten von maximal 150 Millionen Dollar jährliche Einsparungen von 320 Millionen Dollar generieren.

 

Kein Gewinn ohne Steigerung der Produktionszahlen

In Anbetracht der hohen Cash-Burn-Rate von Tesla ist die Restrukturierung ein Schritt in die richtige Richtung. Er genügt allerdings bei weitem nicht, um den Autobauer profitabel zu machen. Ob das Unternehmen die Gewinnschwelle erreicht, hängt vor allem davon ab, ob es ihm gelingt, die Fertigungsprobleme seines Volumenmodells zu beheben. Aktuell schätzt Bloomberg die wöchentliche Produktion des Model 3 auf 2612 Einheiten. Damit liegt der Ausstoß deutlich unter dem Produktionsziel von 5.000 Fahrzeugen pro Woche, das sich Tesla für die Jahresmitte gesetzt hat. Ursprünglich war geplant, dass bis zu 10.000 Fahrzeuge pro Woche die Werkshallen verlassen.