Tesla: Model 3 auf Kurs?

"Ich denke, wir sind soeben ein richtiger Autohersteller geworden." Mit diesen Worten wandte sich Elon Musk am Sonntag an seine Mitarbeiter, um ihnen mitzuteilen, dass Tesla sein Produktionsziel erreicht hat. In der letzten Woche des zweiten Quartals verließen erstmals mehr als 5000 Exemplare der Mittelklasselimousine Model 3 die Produktionsstätten. Eigentlich wollte Tesla dieses Ziel bereits im vergangenen Dezember erreichen. Tatsächlich liefen Ende 2017 jedoch bloß etwas mehr als 300 Fahrzeuge vom Band. Dem Elektroautohersteller machten Engpässe bei der Batterieproduktion zu schaffen. Zudem gab es Probleme, weil es Tesla – wie Musk in einem Fernsehinterview mit dem amerikanischen Sender CBS eingestand – mit der Fabrikautomatisierung übertrieben hatte.

 

Neue Montagelinie im Zelt

Unter dem Eindruck dieser Schwierigkeiten verschob der Autobauer im Januar das Produktionsziel von 5000 Einheiten pro Woche auf Ende des zweiten Quartals. Als das Quartalsende nahte und die Produktionszahlen sich dem Zielwert weiterhin nicht näherten, verlegte Elon Musk sein Büro in die Werkshallen. Bisweilen übernachtete er dort sogar. Vor dem Werk in Fremont ließ er innerhalb von zwei Wochen ein riesiges Zelt mit einer zusätzlichen Montagelinie errichten. Fertigungsmitarbeiter wurden von anderen Abteilungen für die Produktion des Model 3 abgezogen. Damit das Band nie stillstand, mussten die Arbeiter gestaffelt in die Pause gehen. Ein betroffener Mitarbeiter beschrieb die Atmosphäre der letzten Wochen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters als "ziemlich hektisch".

Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Wie Tesla am Montag bekanntgab, verließen in der letzten Quartalswoche 5031 Einheiten des Model 3 die Werkshallen. Das fünftausendste Fahrzeug lief am frühen Sonntagmorgen vom Band. Beachtlich ist, dass letzte Woche trotz der Sonderanstrengungen beim Model 3 insgesamt 1913 Exemplare der Oberklasselimousine Model S und des SUV Model X hergestellt wurden. Das entspricht dem Quartalsdurchschnitt von 1905 Fahrzeugen pro Woche.

 

Wöchentlich 6000 Model 3 im Juli?

Allerdings hat Tesla schon in der Vergangenheit immer wieder auf temporäre Produktionsspitzen gesetzt, um die Grenzen seiner Fertigungskapazität zu testen. Entscheidend für die Zukunft des Unternehmens, das in seiner 15-jährigen Geschichte noch nie Gewinn geschrieben hat, wird sein, ob die Produktionszahlen der letzten Woche nachhaltig sind.

Experten sind skeptisch. Sie glauben nicht, dass sich die Leistung der Belegschaft – Mitarbeiter wurden zu Wochenendschichten und Überstunden verpflichtet – langfristig aufrechterhalten lässt. Darüber hinaus sehen sie die Gefahr, dass die Abberufung von Personal aus anderen Abteilungen einen Produktionseinbruch bei den Modellen S und X bewirkt. Und nicht zuletzt besteht die Befürchtung, die kurzfristigen Anpassungen des Fertigungsprozesses könnten zu Qualitätsproblemen führen. Tesla hingegen ist optimistisch. Der Autohersteller rechnet damit, ab Ende Juli wöchentlich 6000 Stück des Model 3 bauen zu können. Doch selbst wenn dies zutrifft, wird es viel Zeit benötigen, bis die rund 420.000 Vorbestellungen abgearbeitet sind.