Themenfonds: Speziell – oder zu speziell?

Ob Haustiere oder Hanf – viele neue Fonds setzen auf spitze Themen. Warum eigentlich? Langfristig profitieren davon nicht einmal die Anbieter selbst.

Irgendwas mit Tieren? Klingt nach den Berufswünschen von Grundschülern. Ist mit dem Haustierfonds aber auch ein neuer Fonds von Allianz Global Investors. Oder Hanf. Die gesamte Wertschöpfungskette herauf und herunter.  Was nach nur einer Handvoll thematisch zugespitzter Fonds riecht, ist beileibe kein Einzelfall. Im Gegenteil: Eine ganze Reihe neuer Fonds stürzen sich auf pointierte Anlagethemen. Keine beruhigende Entwicklung.

Doch von Anfang an. Und am Anfang stehen die Zahlen. 2017 wurden laut Branchenverband BVI hierzulande 548 neue Fonds aufgelegt, 374 Fonds geschlossen und 103 miteinander verschmolzen. Insgesamt sind es über 10.000 Fonds. Der Trend ist klar – hin zu immer mehr neuen Fonds.

Die Anbieter stellt das vor eine echte Herausforderung: Wie gelingt es ihnen angesichts dieser Zahlen, den x-ten Multi-Asset- oder globalen Rentenfonds an den Mann respektive Frau zu bringen? Abseits von Waffengewalt vermutlich keine einfache Aufgabe. Immerhin müsste dazu die ewig gleiche Geschichte erzählt werden, von der immensen Bedeutung der Streuung. Die Geschichte ist und bleibt zwar wahr, aber eben bereits vielfach erzählt. Staunen, Interesse, Haben-Will-Effekt? Pustekuchen. 

Die Macht der Geschichten

Was liegt also näher, als die Anleger mit neuen, noch nicht gehörten Geschichten zu locken. Geschichten, werden Vertriebsveteranen bestätigen, gehen immer. Von Autos mit adaptivem Fahrwerk hin zu Küchengeräten, die Rezeptvorschläge liefern. Und natürlich Fonds, etwa mit dem Schwerpunkt Tieren, Robotik oder Hanf. Nebenbei wird damit noch das eigene Profil als Anbieter mit der Hand am Puls der Zeit geschärft. Außerdem unterstreichen die Fondsgesellschaften damit die Bedeutung aktiven Managements – was angesichts der stetig wachsenden Verbreitung von ETF immer wichtiger wird. Doch die bunten Geschichten verfangen oft nicht nachhaltig. Und das liegt einmal mehr an den schnöden Zahlen.

Vor allem eben an der schieren Zahl der Fonds. In Europa gibt es bekanntlich mehr Fonds als in Amerika, doch im Schnitt sind sie kleiner. Das bedeutet aber auch, dass die Fonds den Sparern teurer kommen. Einfach, weil manche Kosten nichts mit dem Volumen des Fonds zu tun haben und entsprechend schwerer auf kleinen Fonds als auf großen lasten. Kleine Fonds sind damit auch eher gefährdet, geschlossen zu werden.  Für den Kunden ist das jedes Mal ärgerlich, aber auch für den Anbieter. Denn eine gute Geschichte schwindet dann wie Frühnebel im Wind der Realität.

Gefahr des Klumpenrisikos

Dazu kommt: Themenfonds bergen oft ein hohes Klumpenrisiko. Das zeigt das Beispiel von Logistik-Fonds, die um die Jahrtausendwende herum mit großem Marketingaufwand unters Volk gebracht wurden. Die bündelten Aktien von Logistikunternehmen. Und die, so die Idee der Fondsanbieter, würden vom aufkommenden Online-Handel profitieren. Weil aber eben dieser Wettbewerb die Margen der Logistiker schmelzen ließ, konnten auch die Fonds nicht punkten. Gute Idee, gute Geschichte – aber kein gutes Ende.

Die Grenzen zwischen Nische und Nutzwert sind also fließend. Anleger können mit solchen Themenfonds Trends im eigenen Portfolio spielen. Aber nur, wenn der Trend auch gerade „trended“. Beispiel Internet – anfangs eine Nische, inzwischen ein Megatrend in Gestalt von Digitalisierung & Co. Gut, wer früh darauf setzte. Und das Timing hinbekam. Heute ein Selbstgänger.

Doch um die Jahrtausendwende? So mancher erinnert sich: Die Fonds wurden populär, als der Hype bereits endete. Verloren Geld, schrumpften und wurden geschlossen. Zurück blieben lange Gesichter bei Anlegern und Anbietern. Das wirkt nach - so wie so mancher Anbieter von offenen Immobilienfonds noch immer unter Schließung und Abwicklung der damaligen Investorenlieblinge leiden.

Neue Fonds braucht das Land. Wirklich?

Die Gretchenfrage lautet also: Braucht es spezielle Fonds, die spezielle Themen spielen? Nicht zwingend. Auch Großfonds mit breiter Streuung, Multi-Asset-Fonds etwa, können solche Themen umsetzen. Und das sogar unter den Augen eines Fondsmanagements, das auch andere Trends im Auge behält und gegebenenfalls reagiert. Nur: Damit wären Hunde und Haschisch nur ein Teilaspekt des Anlagespektrums.