Themenfondsboom: Warum Profianleger thematische Investments entdecken
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2021-09-17

Themenfondsboom: Warum Profianleger thematische Investments entdecken

Der Siegeszug ist ungebrochen: Themenfonds erobern die Retail-Märkte. Nachvollziehbare Ansätze und spannende Geschichten scheinen bei den Privatanlegern gut zu funktionieren. Tatsächlich freunden sich aber auch immer mehr Profis mit Themeninvestments an, wie eine Umfrage unter Fondsselektoren zeigt.

Ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 37 Prozent spricht eine deutliche Sprache – gemeinhin geht das wahrscheinlich auch schon als Boom durch. In dem Falle ist dieser Boom Teil der Fondsbranche und schon seit Jahren zu beobachten: Angefangen bei Wasser, künstlicher Intelligenz, Robotik und Bildung, über Luxusgüter und Energie, bis hin zu Blockchain oder Lebensmitteln sind laut des Finanzdienstleisters Broadridge global mittlerweile fast 600 Milliarden Euro in die rund 1.500 verschiedenen Themenfonds investiert. Spezifische Themen scheinen bei privaten Anlegern einfacher zu greifen als Smart-Beta- oder Low-Vola-Strategien.


Boomthema in der Fondsbranche

Allein im Coronajahr 2020 lag das Wachstum bei den thematischen Fonds bei fast unglaublichen 77 Prozent, seit 2017 machen die Themenfonds damit 40 Prozent aller Aktienfondsumsätze aus. „Asset-Manager haben schon immer versucht, Trends zu erkennen. Doch thematisches Investieren – der Aufbau eines Portfolios um Unternehmen, die von langfristigen wirtschaftlichen, politischen oder gesellschaftlichen Strukturveränderungen profitieren, und nicht von einem Sektor oder einer geografischen Region – nimmt rasch zu“, erklärt Mark Hargraves, Global Head of Framlington Equities von AXA Investment Managers, im Rahmen der Umfrage von AXA und Broadridge, die sich mit dem Boom rund um das thematische Investieren auseinandersetzt.

Das Thema ist nicht ganz neu. Schon Matthias Born, Head of Investments im Wealth and Asset Management bei Berenberg, sprach im CAPinside-Interview im Sommer über den enormen Erfolg thematischer ETFs. In den Vorjahren schossen die Ansätze überall aus dem Boden – auch wenn der Anteil aktiver Strategien mit 73 Prozent noch einen Großteil der Themeninvestments bildet. Experte Born sah im Interview vor allem auf der Vertriebsseite einen gewichtigen Grund für das gesamte Wachstum: „Solche Themen lassen sich eben einfach und erfolgreich vermarkten. Besonders gut funktioniert das im Retailbereich, aber auch institutionelle Anleger sind in den vergangenen Jahren auf die Produkte angesprungen.“


Auch Instis denken thematisch

„Das Wachstum themenbasierter Geldanlagen ist bemerkenswert und hat sich zwischen 2017 und 2020 verdreifacht, mit bemerkenswerter Hilfe von Seiten der Anbieter und Kleinanleger“, kommentiert auch Hagen Schremmer, Head of BNP Paribas Asset Management Germany. Eine Umfrage von der französischen Großbank BNP Paribas erweitert diese These um eine neue Dimension. Denn in der Tat nutzen derzeit zwar rund 88 Prozent aller Wholesale-Kunden und damit vor allem private Investoren thematische Investments – der Anteil bei institutionellen Investoren liegt demnach aber eben auch schon bei gut 36 Prozent.

Und letztere investieren nicht nur wegen eines guten Marketings in die Strategien. Die AXA- und Broadridge-Befragung von 90 Fondsselektoren zeigt nämlich, dass das thematische Investieren für die institutionellen Investoren inzwischen von großer Bedeutung ist. Auch wenn nicht alle der Investoren letztendlich auf thematische Fonds setzen, nutzten rund zwei Drittel von ihnen thematische Denkweisen für die Allokation. Thematische Fonds machten dort dann mindestens zehn, in manchen Fällen sogar 15 bis 18 Prozent des Portfolios aus – und dürften laut der Umfrage meist eine bestimmte Funktion für die befragten Selektoren haben. „Thematische Strategien könnten als Kernstück einer Aktienallokation verwendet oder sogar neben aktiven, regionalen oder sektoralen Fonds als zusätzliche Schicht für Diversifizierung und Wachstum eingesetzt werden“, fasst Tom Riley, Head of Global Thematic Strategies von AXA IM, zusammen.


Nachhaltigkeit und Tech für die Zukunft

Das Bild der Themeninvestments hat sich für institutionelle Investoren in den vergangenen Jahren zudem  verändert. Zwar wurden laut Experte Riley in der Vergangenheit Themenfonds oft als Spezial- oder Sonderanlagen betrachtet, inzwischen werden sie jedoch zunehmend und insbesondere in Europa zur Diversifizierung globaler Aktienportfolios eingesetzt. „Die meisten Anleger sehen themenbezogene Anlagen als langfristige oder strategische Investments, und nur ein Viertel der Befragten gab an, solche Anlagen zu taktischen Zwecken zu verwenden“, ergänzt Riley. Die Hoffnung der Profianleger: ein lohnenswertes Exposure in Unternehmen, die von klaren langfristigen strukturellen Veränderungen infolge von politischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen profitieren können. Übersetzt in Themen bedeutet das, dass zwischen 2017 und 2020 fast 80 Prozent der entsprechenden Inflows in die beiden Komplexe Nachhaltigkeit und Tech-Trends flossen, die die Fondsselektoren deshalb auch als wichtigste Themen identifiziert haben.

Allein die einfache Vermarktbarkeit spricht für weiteres Wachstum bei den Themenfonds. „Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend beschleunigen wird, angetrieben durch die bevorstehenden regulatorischen Änderungen – unter anderem der Integration von ESG-Präferenzen in die Anlegerentscheidungen im Rahmen von MiFID II sowie durch die wachsende Nachfrage von institutionellen Anlegern nach thematischen Strategien“, meint Schremmer von der BNP.


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