"Too big to fail" - Topökonom warnt vor nächster Finanzkrise

Der frühere Chefvolkswirt der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), William White, warnt in einem Spiegel-Beitrag vor der nächsten Finanzkrise. Nicht nur wurden die Krisenauslöser von zehn Jahren nicht beseitigt, es könnte sogar noch schlimmer kommen.

Der ehemalige Chefvolkswirt der Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich genießt noch heute einen exzellenten Ruf als Wirtschaftswissenschaftler. 2008 gehörte der Ökonom zu den wenigen, welche die Wirtschaftskrise voraussagten. Damals implodierte der durch Spekulationen und Krediten aufgeblasene amerikanische Immobilienmarkt. Als die amerikanische Großbank Lehman Brothers am 15. September Konkurs anmeldete, hatte das schlimme Folgen für die Weltwirtschaft.

In den Vereinigten Staaten führte der Bankrott von Lehman Brothers zu einer Serie von Verstaatlichungen und Teilverstaatlichungen. Unternehmen und Arbeitsplätze litten unter der einbrechenden Konjunktur, auch hier in Europa. Die Eurokrise war teilweise ein Resultat aus der Immobilienblase in den USA. Die Staatsverschuldung mehrerer Eurostaaten stieg in den nachfolgenden Jahren massiv an.
 

Probleme nicht gelöst

Im Spiegel erklärt William White, dass die Probleme, welche damals zur globalen Finanzkrise führten, nie gelöst wurden. Das Gegenteil ist der Fall: Die nächste Finanzkrise könnte sogar noch schlimmer werden. Unter anderem sind die Banken heute noch systemrelevanter, weswegen ein Handeln der Staaten wie damals 2008 vorprogrammiert ist. „Too big to fail“ ist das Stichwort. Gleichzeitig haben die Staaten heute weit weniger Möglichkeiten, einen regulierenden Einfluss auf die Finanzmärkte geltend zu machen. Bereits jetzt schon versuchen die Zentralbanken mit niedrigen Zinsen und den Ankäufen regulierend zu wirken. Sollte auch das scheitern, bleibt ihnen nicht mehr viel übrig.
 

Unzulässige Gegenmaßnahmen

Dazu kommt noch, dass die Staaten einer Marktbereinigung damals 2008 im Wege standen. Zwar konnten Konjunkturprogramme die Finanzkrise nach einer Weile überwinden. Jedoch war die Folge des Eingreifens, dass viele Unternehmen, die an der Krise von 2008 beteiligt waren, nichts aus ihren Fehlern lernten oder einfach aus dem Markt verschwanden. Wenigstens an anderen Stellen hatte man dazugelernt. So müssen Banken heute mehr Eigenkapital bereithalten als früher und die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene hat sich verbessert. Krisenpläne wurden entwickelt, täuschen dennoch nicht darüber hinweg, dass noch einiges im Argen liegt.
 

Staatsschulden so hoch wie noch nie

Ein weiteres gravierendes Problem sind die Schulden der Volkswirtschaften, denn die sind höher als je zuvor. Geld ist dank ständiger Inflationen billig, was wiederum einen Anreiz für Unternehmen und Haushalte setzt, sich zu verschulden. Zwar liefert William White keine Zahlen, jedoch belegt eine Studie des Institutes of International Finance, dass Staaten, Unternehmen und Privathaushalte aktuell mit über 200 Billionen Euro verschuldet sind. Was 325 Prozent der jährlichen Weltwirtschaftsleistung entspricht.