Tradition, Transformation und Tonnen - die Marke Traton

Am Donnerstag öffnet die Nutzfahrzeugmesse IAA wieder in Hannover. Pünktlich zum neuen Messejahr wird man sich bei VW wohl angriffslustig geben: Mit der Marke Traton will man bei VW endlich die Konkurrenz auf den internationalen Märkten angreifen. Nach einigen Jahren der Arbeit und einiger Umstrukturierung in den internen Vorgängen der Nutzfahrzeug-Sparte von VW ist davon auszugehen, dass der Chef der Sparte, Andreas Renschler, seine Ziele für VW weiterhin offensiv formuliert. Und da peilt man mit Traton nicht nur den baldigen Börsengang, sondern den direkten Weg an die Weltspitze an.

Traton ist die neue Einheit in der Nutzfahrzeug-Sparte von VW und soll die verschiedensten Zwecke und Bedürfnisse auf den nationalen wie auch den internationalen Märkten erfüllen. 2019 will man dafür erst einmal einen Börsengang erreichen und die IAA soll dabei natürlich auch als Plattform der Werbung für mögliche Investoren fungieren. "Traton ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zum Global Champion der Transportbranche", sagt Renschler und formuliert die Ziele damit nicht gerade bescheiden. In Hinblick auf die reale Situation auf dem Markt für Nutz- und Transportfahrzeuge hat Traton dann allerdings noch einiges an Weg vor sich.

Bisher sind vor allem die Marken Scania und MAN aus der Sparte von Traton bekannt. Gemeinsam mit ihren etwa 134.000 verkauften Trucks liegt der VW-Konzern damit weltweit gerade einmal auf Platz 9 der größten Hersteller entsprechender Fahrzeuge. Volvo liegt mit leichtem Abstand und 160.000 Einheiten auf Platz 6. Branchenprimus Daimler hat über 300.000 Einheiten verkauft und ist damit derzeit vollkommen unerreichbar für die deutsche Konkurrenz. Genau von dort kommt Renschler auch, der vor drei Jahren von Daimler nach Wolfsburg wechselte und dafür sorgen möchte, dass die Bereiche Truck & Bus zur Premium-Sparte des VW-Konzerns werden.


Erste Erfolge bei der internen Zusammenarbeit

VW hatte eine ganze Weile die Situation, dass man mit Scania und MAN gleich zwei Marken unter der eigenen Haube hatte, die bissig miteinander konkurrierten. Das ging soweit, dass man bei Scania MAN sogar als seinen schärfsten Konkurrenten gesehen hat - obwohl man eigentlich zum gleichen Konzern gehört. Renschler soll nach eigenen Berichten diesen Konflikt entschärft haben. Künftig soll statt gegenseitiger Bekämpfung die Suche nach Synergien und Verbesserungen, die beiden Marken nutzen, auf dem Programm stehen. Für Traton sollen die beiden Marken zusammenarbeiten: Scania liefert die Getriebe und MAN wird generell für die Motorenleistung in der Sparte zuständig sein. Gleichzeitig werden auch hier Zugeständnisse gemacht. Bedenkt man, dass Scania sogar profitabler ist, als die Konkurrenz Volvo, gibt es zumindest ein großes Potential für die Zukunft.

Dabei ist das Prinzip nicht neu: Schon eine Weile bedient man sich bei VW im Privatfahrzeug-Bereich dem Prinzip, dass die unterschiedlichen Marken im eigenen Haus auch unterschiedliche Teile für die Modelle liefern können. Auf diese Weise spart man sich Entwicklungskosten und kann gleichzeitig die internen Netzwerke im Unternehmen nutzen, anstatt sich auf Zulieferer und externe Dienstleister verlassen zu müssen.


Geplanter Börsengang soll das dringend benötigte Kapital verschaffen

Der Börsengang von Traton ist für 2019 fest geplant und soll für ein Fünftel der Anteile immerhin die stolze Summe von sechs Milliarden Euro einsparen. Sicher ist hierbei vor allem, dass Volkswagen langfristig in dem Projekt bleiben möchte. Immerhin sieht der Konzern sich in den nächsten Jahren mit einigen Problemen auf kreativer als auch finanzieller Basis konfrontiert und könnte von einem aufstrebenden Geschäft in der ebenso wachsenden Transport- und Nutzfahrzeugsbranche profitieren. Schließlich gilt das Privatkundengeschäft inzwischen als recht unsicher. Dafür muss man in der Branche für gewerbliche Fahrzeuge mit starken saisonalen Schwankungen rechnen, weswegen die genaue Kapitalisierung noch nicht wirklich sicher ist.

Zudem passt der Plan auch zum Wettbewerbsgeschehen: Daimler arbeitet derzeit daran, die Struktur im eigenen Konzern zu verbessern und neu zu strukturieren. Das wird, nach der Ansicht von Experten, auch dazu führen, dass die Transport- und Nutzfahrzeugssparte in den nächsten Jahren an die Börse gehen wird. Da man bei Daimler allerdings noch ein wenig Planung und Organisation braucht, ist frühestens 2020 mit einem Start der Marke an der Börse zu rechnen.


Der internationale Markt im Visier

Dass beide Marken vor allem den internationalen Markt anstreben ist kein Geheimnis. Die Wachstumsmärkte USA und China sind die besten und wichtigsten Absatzmärkte für Fahrzeuge dieser Art. Das liegt auch daran, dass weder MAN noch Scania auf diesen Märkten wirklich aktiv waren. Erst mit der Investition in Navistar konnte man sich einen Anteil am Kuchen der wachsenden Märkte in den Vereinigten Staaten sichern. Gleichzeitig ist man auch in China mit Sinotruck vertreten. Man darf sich also sicher sein, dass das Kapital aus einem Börsengang auch dafür genutzt werden würde, die eigenen Marktanteile in diesen wachsenden Märkten zu erhöhen und die eigenen Marken besser zu präsentieren. So oder so darf man gespannt sein, welche Neuigkeiten der Auftritt der deutschen Marken für Transportfahrzeuge und Nutzfahrzeuge auf der IAA bringen wird.