„Trockenes Pulver“ für Beteiligungen – wohin mit all‘ dem Geld?

Überschüssige Liquidität wird im Beteiligungsmarkt als „Dry Powder“ bezeichnet – Private Equity-Gesellschaften sitzen auf fast zwei Billionen US-Dollar.

Es ist eine Binsenweisheit. In der Geldanlage wird nur dann Geld verdient, wenn das Vermögen auch wirklich produktiv und rentierlich angelegt wird. Wird (zu) viel Geld als Liquiditätsreserve gebunkert, reduziert das natürlich die Rendite. Zu beobachten ist dies beispielsweise vermehrt bei offenen Immobilienfonds, denen die Objekte für ihre Investments ausgehen – aber auch im Private Equity-Bereich. Überschüssige Liquidität wird im Beteiligungsmarkt als „Dry Powder“ bezeichnet, als „trockenes Pulver“ also.

Dabei kommen mittlerweile horrende Summen zusammen. Während – zum Vergleich – 18 von Scope untersuchte offene Immobilienfonds zuletzt eine Liquidität in Höhe von insgesamt 17,5 Milliarden Euro gehalten haben, kommt die Private Equity-Welt auf rund zwei Billionen US-Dollar, wie dem „Global Private Equity Report“ von Bain & Company zu entnehmen ist. Das ist eine Zahl mit 13 Stellen. Nicht ganz so hoch, aber immer noch hoch ist auch die Summe des frischen Geldes: 2018 warb die Branche Neuvermögen in Höhe von 714 Milliarden US-Dollar ein. Seit 2014 summieren sich die Kapitalzuflüsse auf 3,7 Billionen US-Dollar.


Investoren wollen ihre Mittel aufstocken

Dieses Vermögen muss entsprechend angelegt werden. Und genau da liege das Problem, heißt es im „Global Private Equity Report“: Die Bewertungen seien generell hoch, die Preise für Beteiligungen stiegen an, der Weltkonjunktur drohe eine Abkühlung und der Wettbewerb um verfügbare Anlagen sei enorm. Diese Faktoren seien dafür verantwortlich, dass die Private Equity-Fonds weniger Käufe stemmen als noch in der Vergangenheit. 2018 zählte die Unternehmensberatung dementsprechend 13 Prozent weniger Buy-outs als im Vorjahr. Ihr Gesamtwert dagegen erhöhte sich um zehn Prozent auf 582 Milliarden US-Dollar. Dazu kommt: Und 90 Prozent der Investoren wollen sich auf diesem Niveau weiter engagieren, wenn nicht gar ihre Mittel aufstocken. Die Konsequenz: Weniger Transaktionen kosten mehr Geld, was zu einem Anlagenotstand bei nicht wenigen Gesellschaften führt.

Apropos Anlagenotstand: Dieser ist der Auslöser der neuen Begeisterung für Private Equity-Investments. Gerade (semi-)institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versorgungswerke und Stiftungen müssen wegen der anhaltenden Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank und der nur wenig höheren Zinsen der Notenbanken in Übersee Alternativen zu ihren typischen Engagements in Staatsanleihen schaffen, wollen sie Gewinne zur Ausschüttung für ihre Zwecke generieren.


Mehr interessante Transaktionen stemmen

Nichtsdestotrotz scheint das Dry Powder nicht dazu zu führen, dass Investoren das Interesse an Private Equity verlieren. Aly Jeddy, Private Equity-Experte bei der Unternehmensberatung McKinsey, stellt heraus, dass Rückfrage wie „Was passiert eigentlich mit meinem Geld?“ selten seien. Er sieht ein enormes Potenzial an Dry Powder sogar als Vorteil an. Schließlich sei es möglich, dadurch eine sehr interessante Transaktion zu stemmen, auch wenn diese die freie Liquidität übersteige. Denn: Professionelle Gesellschaften sollten keine Schwierigkeiten, für solche Vorhaben dann weitere Investoren zu finden, die das Gap zwischen Dry Powder und benötigter Investitionssumme schließen.

Diesen Optimismus trotz fehlender Targets teilt auch Steve Roberts, Private Equity Leader bei der Beratungsgesellschaft PwC. Die Gesellschaften seien bestens dafür aufgestellt, Transaktionen zu tätigen, und führende Häuser wie Cinven, CVC und Permira sammeln zog Milliarden Euro für neue Flaggschiff-Fonds ein. Der Experte glaubt aber zugleich an eine Strategieanpassung bei den Private Equity-Gesellschaften, um dem Investitionsdruck standzuhalten – schließlich würden Stiftungen, Pensionskassen, Family Offices und Co. weiterhin stark in den Markt drängen, um Renditen zu erwirtschaften. Insofern geht Steve Roberts von einer wachsenden Anzahl von Transaktionen aus, bei denen börsennotierte Unternehmen von Private Equity-Gesellschaften übernommen werden (sogenannte public-to-private transactions). Dabei würden vor allem unterbewertete Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen im Fokus stehen.


Dry Powder verschießen?

Laut der PwC-Studie „Private Equity Trend Report 2019“ seien allen voran deutsche Private Equity-Gesellschaften positiv für 2019 gestimmt. Rund 60 Prozent der Befragten gehen von besseren Geschäften aus. Dabei wollen sie vor allem mehr Geld investieren, um mehr Investmentziele zu realisieren. Fast 80 Prozent der Häuser sehen 2019 eine Steigerung bei den Investitionen im Vergleich zu 2018. Das Dry Powder könnte also nach und nach verschossen werden.