Trotz Sanktionen: China kann nicht gestoppt werden

Im aktuellen Jahr befindet sich Chinas Wirtschaftsleistung bei mehr als 14.000 Milliarden US-Dollar. Blickt man auf die Nettoexporte, die von China in die USA gehen, so liegt man bei rund 320 Milliarden US-Dollar. Derartige Zahlen zeigen, dass die Strafzölle, die von Seiten der USA verhängt wurden, mit Sicherheit keinen nachhaltigen Einfluss auf Chinas Wirtschaftsentwicklung haben werden.

Seit Anfang Juni ist der MSCI China, der chinesische Aktienmarkt, um 20 Prozent gefallen. Der Grund für den Absturz? Der Handelskonflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten von Amerika. Betrachtet man den Absturz aus fundamentaler Sicht, so kann jedoch keinesfalls von einer gerechtfertigten Reaktion des Markts gesprochen werden - die negativen Folgen wurden nämlich extrem überschätzt. Das beweist wieder einmal, dass Investoren vorwiegend an das „Worst Case“-Szenario denken. Aufgrund der Tatsache, dass immer mit den schlimmsten Ereignissen gerechnet wird, haben sie jedoch in diesem Fall übersehen, dass die Nettoexperte Chinas gerade einmal 3 Prozent des Bruttosozialprodukts betragen. Zudem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass das Exportvolumen doppelt so groß ist, wenn es um Lieferungen in den asiatischen Raum geht. Des Weiteren hat Chinas Regierung schon im April mit der nachhaltigen Unterstützung der Wirtschaft begonnen. So wurde beispielsweise von Seiten der Zentralbank eine absichtliche Abwertung der Landeswährung gegenüber der US-Währung vorgenommen, sodass die Zölle, die von den USA verhängt wurden, kompensiert werden konnten.

 

Regierung hat rechtzeitig eingegriffen und die Schwachstellen beseitigt

So wurde von Chinas Regierung beschlossen, dass eine Steuersenkung - um die Investitionskraft der mittleren wie kleineren Unternehmen zu stärken - genauso zum Erfolg führe wie etwa eine Senkung der Mindestreservesätze. Auch wurden die Anforderungen für Infrastrukturinvestitionen gesenkt; des Weiteren gibt es auch mehr Anreize für Banken, damit diese mittlere wie kleinere Unternehmen mit Krediten versorgen. Während bei den vor Jahren erfolgten Stützungsmaßnahmen vorwiegend das Geld in das System geflossen ist, fließt das Geld heutzutage ausschließlich in die strukturelle Verbesserung. So gibt es keine Kapazitätserweiterungen der Unternehmen, sondern Anreize, damit die Betriebe in automatisierte Anlagen investieren. Der Umstand, dass sich der Markt von einem fundamental gerechtfertigten Niveau verabschiedet hat, wird dann klar sichtlich, wenn man sich mit den Gewinnen aus dem ersten Halbjahr befasst: Vergleicht man das erste Halbjahr 2018 nämlich mit dem vergangenen Jahr, so wird man hier ein Plus von 23 Prozent verbuchen. Das Investitionsverhalten der Betriebe einerseits und die Strukturbereinigungen auf Angebotsseite andererseits: Gründe, warum es zu einer schrittweisen Verbesserung der Kapazitätsauslastungen gekommen ist. Zudem bauen immer mehr Unternehmen die Schulden ab und stärken somit auch die Bilanzen.

 

Aktuell ist der Markt zu tief bewertet

Die Wachstumsabschwächung, die in den letzten Quartalen beobachtet werde konnte, ist durch den Rückgang der Investitionen von Seiten des Staats zurückzuführen: Positiv, da so ein Spielraum zur Gegensteuerung vorhanden ist, jedoch muss die Regierung vorsichtig sein, nicht wieder dieselben Fehler zu machen, die schon in der Vergangenheit gemacht wurden. Denn derzeit befindet sich China - verglichen zu anderen Märkten und auch verglichen mit dem historischen Vergleich - eindeutig zu tief bewertet. Somit muss man davon ausgehen, dass sich Risikoprämien normalisieren werden, sodass der Markt wieder an ein fundamental gerechtfertigtes Niveau herankommt.