Trotz WM-Aus: so setzen Unternehmer die WM-Partys steuerlich ab

Deutschland fährt nach Hause – doch die WM-Party geht weiter

Für weltweit alle Fußballfans geschah am Mittwochnachmittag die große Überraschung: Deutschland ist bei der 2018er Fußball-WM in der Vorrunde ausgeschieden, und das als Gruppenletzter. Das DFB-Team kommt einen Tag später zurück nach Deutschland, und für die Nationalspieler verlängert sich dadurch der verdiente – oder besser gesagt nichtverdiente – Urlaub um gut zwei Wochen.

Doch davon sollte sich der eingefleischte Fußballfan nicht beeindrucken lassen, denn die Weltmeisterschaft endet nach wie vor erst am Sonntag, dem 15. Juli mit dem Endspiel in Moskau – allerdings ohne Titelverteidiger Deutschland. Und so besteht noch zwei Wochen lang inklusive drei Wochenenden die Chance, im beruflichen Kollegenkreis die KO-Spiele zu schauen und vom Chef zu der einen oder anderen WM-Party eingeladen zu werden. Der lässt sich, wie man sagt nicht lumpen. Oder anders gesagt, er ist auch deswegen ein spendabler Gastgeber, weil er die WM-Partykosten als betriebsbedingte Ausgaben steuerlich geltend machen kann.


Doch aufgepasst: sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer gibt es steuerliche Grenzen, wie die folgenden Beispiele zeigen.

• Ganz allgemein ist der betriebsinterne Fußballevent inklusive Bewirtung mit Speisen und Getränken eine steuerlich abzugsfähige Betriebsveranstaltung. Für den Arbeitnehmer ist die Beköstigung deswegen lohnsteuerfrei, weil ein „eigenbetriebliches Interesse des Unternehmens“ an dem Event besteht. Die Lohnsteuerfreiheit gilt bis zu einem Höchstbetrag von 110 Euro je Person. Die Ausgaben errechnen sich in der Weise, dass die Gesamtkosten zusammengestellt und durch die Mitarbeiterzahl dividiert werden. Erfasst werden sämtliche Kostenarten im direkten sowie mittelbaren Zusammenhang mit dem WM-Event; beispielsweise Raum- und Energiekosten, Essen und Trinken, Gebühren und Behördenkosten bis hin zu Stornokosten oder zu Aufwendungen für das Eventmanagement.
Für die Versteuerung des diesen Freibetrags von 110 Euro übersteigenden Teilbetrages pro Person gibt es die folgenden beiden Möglichkeiten:
- der Arbeitgeber versteuert den Anteilsbetrag pauschal mit 25 Prozent
- der Arbeitnehmer versteuert ihn als geldwerten Vorteil

• Dieser „Eventfreibetrag“ wird für maximal zwei derartige Betriebsfeiern je Kalenderjahr gewährt. Sollte die Zahl solcher Betriebsevents höher sein, kann der Arbeitgeber entscheiden, welche zwei davon steuerlich begünstigt werden sollen. Diese Entscheidung gilt unabhängig von der zeitlichen Reihenfolge der drei oder mehr Betriebsfeiern.

• Ein Event wie die Fußball-WM ist der Anlass für den Unternehmer, seine Beschäftigten mit Geschenken und Aufmerksamkeiten zu beglücken. Beispiele dafür sind das WM-Trikot oder das Ticket zu einer kostenpflichtigen Public-Viewing-Veranstaltung. Der Betrag für ein oder mehrere solcher Geschenke ist pro Person auf 60 Euro brutto, also inklusive der jeweils gültigen gesetzlichen Mehrwertsteuer begrenzt. Dabei handelt es sich um eine steuerliche Freigrenze, im Gegensatz zu einem Freibetrag. Die beiden Begriffe Steuerfreibetrag und Steuerfreigrenze werden häufig synonym verwendet, weil im Endeffekt beide Beträge das zu versteuernde Einkommen vermindern. Bei einem Freibetrag unterliegt nur der diesen Betrag jeweils übersteigende Teil der Steuerpflicht. Wird jedoch eine Freigrenze überschritten, entfällt der Steuervorteil vollständig. Dann muss die gesamte Summe versteuert werden.

Ein weiteres Kriterium für eine Steuerbegünstigung ist die Überreichung, wie es definiert wird, „anlässlich“ des Events. Es muss ein kausaler Zusammenhang zwischen Event und Präsent bestehen, also Fußball-WM und Fußball-, aber kein Handballtrikot. Dieses Junktim wird in der Regel erst dann näher geprüft, wenn der Präsentwert den Betrag von 60 Euro sichtbar übersteigt.

• Ticket, Trikot, Geschenk und Präsent können auch ohne WM-Party des Arbeitgebers überreicht werden, dann allerdings bis zur Höhe der monatlichen Sachbezugsgrenze von 44 Euro brutto. Bis dahin braucht sich der Arbeitnehmer keine Gedanken um eine mögliche Versteuerung als geldwerten Vorteil zu machen.

Die Fußball-WM findet in den beiden Sommermonaten Juni und Juli statt. Das ist für den wohlwollenden Arbeitgeber eine gute Gelegenheit, seiner Belegschaft WM-Goodies im Wert von bis zu 88 Euro brutto zukommen zu lassen.



Die ganz einfache Variante – Fernsehen + Fernsehnahrung = Annehmlichkeit

Ein alternativer, neuerer Begriff im steuerrechtlichen Sinne für Annehmlichkeit ist Aufmerksamkeit. Darunter werden Zuwendungen des Arbeitgebers an seine Arbeitnehmer subsummiert, die ihrer Geringfügigkeit wegen keine steuerliche Relevanz haben. In den verbleiben Tagen und Wochen der 2018er Fußball-WM geht das ganz einfach:

• Chef und Belegschaft treffen sich in einer lockeren Runde vor dem Fernsehgerät, um die WM-Spiele zu verfolgen. Bereitgestellt werden kalte Getränke sowie Flips & Chips. Entscheidend ist, dass diese „TV-Nahrung“ von Art und Umfang her keinen Mahlzeitersatz darstellt. Alles bleibt steuerfrei, alle haben ihren Spaß an und mit der Fußball-WM – ab jetzt auch ohne Deutschland.