Trump teilt gegen Amazon aus

Präsident Donald Trump ist erklärtermaßen kein Freund von Amazon. Im März twitterte er, das Unternehmen missbrauche die Post als Lieferjungen und verursache dem Steuerzahler dadurch erhebliche Verluste – angeblich 1,50 Dollar pro Paket. Gemäß einem Bericht der Washington Post forderte er die Post-Chefin Megan Brennan sogar auf, die Pakettarife für Amazon und andere Unternehmen zu verdoppeln. Als Brennan mit Verweis auf laufende Verträge ablehnte, ordnete er eine Untersuchung der Postfinanzen an. Zu welchen Ergebnissen, die Untersuchungskommission kam, ist bislang nicht bekannt. Doch Amazon muss sich darauf einstellen, dass die Leistungen von U.S. Postal Service (USPS) bald teurer werden.
  

Paketpreise bis zu 12 Prozent höher

Der Staatsbetrieb plant nämlich, die Preise des Dienstes "Parcel Select" zu erhöhen. Das Porto für Pakete, die mehr als ein Pfund wiegen, soll um 9 Prozent steigen, der Preis für leichtere Päckchen um 12 Prozent. Mit "Parcel Select" übernimmt die US-Post für Unternehmenskunden die Paketauslieferung auf der letzten Meile. Neben Amazon nutzen insbesondere FedEx, UPS und DHL die Dienstleistung der Post – vor allem im ländlichen Raum, wo sie keine eigenen Auslieferer haben. Sie werden daher die Preisaufschläge ebenfalls zu spüren bekommen. Mit höheren Preisen müssen aber auch die amerikanischen Haushalte rechnen: So soll das Porto für Standardbriefe künftig 55 statt 50 Cents betragen. Die neuen Tarife gelten, sofern die Regulierungsbehörde zustimmt, ab 27. Januar des nächsten Jahres.

Ein Sprecher der US-Post betonte gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender CNBC, die Preisanpassungen hätten nichts mit der von Trump eingesetzten Untersuchungskommission zu tun. Die Geschäftsleitung der Post bemühe sich einfach, die nötigen Erträge zu generieren. Tatsächlich fehlt es dem Staatskonzern seit Jahren an Ertragskraft. Letztes Jahr verbuchte das als unabhängige Regierungsbehörde organisierte Unternehmen 2,7 Milliarden Dollar Verlust.

 

Defizitäre US-Post

Der Grund für die roten Zahlen ist jedoch nicht, dass die Post für Amazon den Lieferjungen spielt. Vielmehr konnte USPS letztes Jahr im Paketbereich den Ertrag gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent steigern, während die Einnahmen aus dem Briefgeschäft um 7 Prozent zurückgingen. Ein wesentlicher Teil der Verluste geht auf ein Gesetz aus dem Jahr 2006 zurück. Dieses verpflichtet den Staatskonzern, die Krankenversicherungsbeiträge für seine Rentner für einen Zeitraum von 75 Jahren vorzufinanzieren. Falsch ist zudem die Behauptung Trumps, der amerikanische Steuerzahler subventioniere das angeblich durch Amazon verursachte Defizit. In Wahrheit erhält die US-Post – vom Postmonopol abgesehen – keine staatliche Unterstützung.

Solche Fakten dürften Donald Trump allerdings nicht von weiteren Spitzen gegen Amazon abhalten. Das hängt primär damit zusammen, dass Jeff Bezos, Gründer und CEO des Online-Giganten, gleichzeitig Besitzer der Washington Post ist. Die Zeitung hat sich durch eine Trump-kritische Berichterstattung hervorgetan.