Türkei bekräftigt Verdacht - Saudi-Arabien dementiert

Die Lage ist noch immer wenig überschaubar: Jamal Khashoggi soll das saudi-arabische Konsulat am 02. Oktober betreten und nicht mehr verlassen haben. Nach den Angaben türkischer Sicherheitsbehörden gibt es Tonbandaufnahmen, die klar darauf verweisen, dass der Journalist innerhalb der Räumlichkeiten des Konsulats erst gefoltert und im Anschluss umgebracht wurde. Unklar ist dabei der genaue Ablauf und die konkrete Beteiligung einiger Personen. Zum jetzigen Zeitpunkt hat die Türkei etwa fünfzehn Personen identifiziert, die mit der unklaren Lage in Verbindung stehen. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um ein Einsatzkommando der saudischen Führung handelt, das extra für diesen Zweck aus Riad angereist ist.

Wie die Türkei in verschiedenen Medienberichten bekannt gegeben hat, soll es sich bei den meisten der Personen um Männer handeln, die aus dem direkten Dunstkreis des saudischen Kronprinzen bin Salman stammen. Darunter finden sich zum Beispiel Experten für seine Sicherheit, Mitglieder eines Kommandos, das allein ihm unterstellt ist, und ein Gerichtsmediziner, der am Hof von Saudi-Arabien eine wichtige Stellung einnimmt. Auf Ausschnitten einer veröffentlichen Tonbandaufnahme ist auch zu hören, dass anscheinend der Konsul über die Vorgänge in seinem eigenen Haus informiert war.

Saudi-Arabien widerspricht bisher den Verdächtigungen und den Darstellungen aus der Türkei. Nach Angaben der Staatsmedien soll es es sich um eine "Schurken-Gruppe" gehandelt haben, die an dem noch immer nicht sicheren aber sehr wahrscheinlichen Tod des Journalisten beteiligt war. Dieser hat in den letzten Jahren als Kolumnist der Washington Post gearbeitet und sich einige Feinde innerhalb des arabischen Könighauses gemacht.


Westliche Welt reagiert zurückhaltend - Trump verteidigt Saudi-Arabien

Nachdem US-Präsident Donald Trump als erste Reaktion deutliche Konsequenzen für den Fall angedroht hat, falls sich der Verdacht bestätigen sollte, rudert er in seinen Aussagen inzwischen zurück. Nach einem Telefonat mit der saudischen Führung verkündete auch er, dass er sich sicher ist, dass die Regierung nicht an diesen Taten beteiligt war. Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Wirtschaftspartner der USA. Sowohl in militärischer als auch strategischer Hinsicht ist man seit vielen Jahren um ein gutes Verhältnis bemüht, was bereits nach den Anschlägen des 11. September zu Verwirrungen auf der diplomatischen Ebene geführt hat.

Während der Präsident also mit möglichen Konsequenzen zurückhaltend ist, spürt Saudi-Arabien die Skepsis der westlichen Welt an anderer Stelle. Viele Unternehmen haben ihre Teilnahme und Unterstützung für ein bedeutendes Wirtschaftsforum in Saudi-Arabien, das bald stattfindet, zurückgezogen. Auch verschiedene Regierungen aus anderen Ländern folgen der Entwicklung deutlich. Die Türkei führt die Ermittlungen fort, hat bisher aber noch keine eindeutigen Beweise veröffentlicht.