Türkei: Inflation steigt auf 24,5 Prozent

Die Krise in der Türkei ist nicht neu. Seit Beginn des Jahres hat die türkische Währung im Vergleich zum US-Dollar um 40 Prozent an Wert verloren. Die Verbraucherpreise sind um 24,5 Prozent höher als im Vorjahr. Die Steigerung beträgt alleine seit dem August über 6,5 Prozent - eine Steigerung, die selbst die Experten mit einem kritischen Blick in dieser Form nicht erwartet haben. Nicht zuletzt wird dies auch durch die stetig steigende Krise mit den USA ausgelöst. Aufgrund politischer Differenzen haben die beiden Länder Sanktionen gegeneinander verhängt - ein Szenario, das natürlich vor allem der viel kleineren und verletzlicheren Türkei schadet.

Nun will man politisch entgegen steuern. Durchhalteparolen, wonach die Türkei ihre schlimmste Phase bereits überstanden hat, sind bereits seit Monaten aus Ankara zu hören. Zudem haben ausländische Investoren in den vergangenen Monaten mit immer deutlicheren Statements die Haltung von Präsident Erdogan kritisiert, der die Krise nicht richtig zu steuern weiß und sich in Populismus zu verlieren scheint, anstatt die wichtigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen.


Langfristige wirtschaftliche Planung der Türkei wird angezweifelt

Überraschend war schon der Schritt der türkischen Notenbank, die Zinsen auf 24 Prozent anzuheben. Nachdem es zwischen der Notenbank und Erdogan in den letzten Monaten immer wieder zu Unstimmigkeiten gekommen war, fürchtete man im Ausland bereits, dass es keine Unabhängigkeit des so wichtigen Instituts mehr gibt. Mit dem Schritt der deutlichen Steigerung der Zinsen haben sie nicht nur ein deutliches Zeichen in die Richtung des erklärten "Zinsfeindes" Erdogan gesetzt, sondern auch eine wichtige Maßnahme umgesetzt, die von Experten, Ökonomen und schließlich auch von den Investoren gefordert wurde. Allerdings ist fraglich, ob mittelfristig alleine diese Maßnahme ausreicht, um die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.

Das größte Problem war, dass Erdogan mit der Hilfe seines günstigen Zinskurses überall im Land neue Bauwerke errichtet hat. Dabei wurde allerdings weniger auf langfristige Maßnahmen für die Infrastruktur oder Produktion gesetzt, sondern eher auf den Konsum in den ländlicheren Gegenden der Türkei - die Regionen, in denen Erdogans AKP traditionell die besten Wahlergebnisse verzeichnen kann und die ihn seit Jahren in seinem Amt halten können. Es bleibt abzuwarten, ob der neue Wirtschaftsminister dafür sorgen kann, dass die Investoren mehr Geduld mit der Türkei haben werden.