Türkei überholt China

Das türkische Statistikamt hat die Zahlen für die Wirtschaftsentwicklung des Landes bekannt gegeben. Das Wachstum im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr wurde mit 7,4 Prozent beziffert und übertraf damit sogar noch die Erwartungen der Experten. Im Vorjahr lag das nachträglich angepasste Wirtschaftswachstum bei 3,2 Prozent.

Das türkische Statistikamt hat die Zahlen für die Wirtschaftsentwicklung des Landes bekannt gegeben. Das Wachstum im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr wurde mit 7,4 Prozent beziffert und übertraf damit sogar noch die Erwartungen der Experten. Im Vorjahr lag das nachträglich angepasste Wirtschaftswachstum bei 3,2 Prozent. Die türkische Wirtschaft wächst also trotz der politischen Spannungen zu wichtigen Handelspartnern wie Deutschland stärker als die Wirtschaft Chinas, der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft. In China legte die Wirtschaft nach offiziellen Angaben im vergangenen Jahr um 6,9 Prozent zu, in Deutschland waren es 2,2 Prozent. Beide Länder sind zugleich die stärksten Handelspartner der Türkei.

Wurden die Wachstumszahlen politisch beeinflusst?

Ministerpräsident Yildirim hatte die nun gemeldeten Zahlen mit einem "Wachstum am Jahresende bei sieben Prozent" bereits angekündigt. Bis 2023 und dem 100-jährigen Jubiläum der Republik soll die Türkei zu den Top 10 der größten Wirtschaftsnationen der Welt gehören. Die vom türkischen Statistikamt in Ankara vorgelegten Zahlen werden von Analysten zwar kritisch hinterfragt, aber als durchaus plausibel eingestuft. Denn in der Tat gibt es einen vom Staat befeuerten Bauboom und zahlreiche Konjunkturprogramme. Sieben der weltweit größten Bauunternehmen sind derzeit in türkischer Hand. Sie bauen unter anderem an großen Projekten in Georgien und dem russischen Nordkaukasus. Gleichzeitig gehen die Experten davon aus, dass der Crash noch folgen könne.

Zentralbank am längeren Hebel

Ein staatlicher Kreditgarantiefonds hatte umgerechnet 50 Milliarden Euro an kleine und mittlere Unternehmen vergeben und Anfang 2017 den Mehrwertsteuersatz beim Kauf von Möbeln und Wohnungen mit mehr als 150 Quadratmetern von 18 auf 8 Prozent gesenkt, um den Konsum anzukurbeln. Das zeigte kurzfristig Wirkung. Es handelt sich aber um Ausgaben, die die Konsumenten in den nächsten zehn Jahren nicht erneut tätigen müssen. Während die Bauinvestitionen stark anstiegen, gingen die Investitionen in Maschinen und Anlagen zeitgleich zurück. Experten sehen hier Zeichen dafür, dass das Wachstum zwar real, aber wenig stabil und langfristig ist und nur über die enormen Kredite der Regierung zu erreichen war. Die Geldpolitik der Zentralbank reagiert nicht auf die hohe Inflation. Obwohl die Teuerungsrate nach eigenen Vorgaben nicht mehr als 5 Prozent betragen sollte und die Inflation schon lange darüber liegt, blieb die Zinsrate gleich und wurde nicht wie erwartet erhöht, um gegenzusteuern.
Man geht davon daher aus, dass die Zentralbank sich in politischer Abhängigkeit zu Präsident Erdogan befindet, der bis zur nächsten Präsidentschaftswahl weiter gute Wachstumsraten präsentieren möchte. Die türkischen Konsumenten sind von steigenden Preisen betroffen, aber die türkischen Exporteure profitieren von der schwachen heimischen Währung, denn trotz günstigerer Produktionskosten bleiben ihre Erträge gleich. Die Arbeitslosenquote ist mit zehn Prozent weiter hoch, im vergangenen Jahr wurden aber 1,5 Millionen neue Jobs geschaffen, sodass die Zahlen trotz der wachsenden türkischen Bevölkerungszahlen konstant blieben.

Deutsche Gelder fließen weiter

Die Besucherzahlen, die die Tourismusbranche meldet, sind trotz des Putschs 2016 und der Inhaftierungen von Deutschen in der Türkei gestiegen. Die Zahlen des türkischen Statistikamts decken sich mit den Informationen des Deutschen Reiseverbands (DRV): Seit Juli 2017 seien verstärkt Last-minute-Angebote zu Reisen in die Türkei gebucht worden. Dabei ist der Tourismus für die Türkei nur eine der wichtigen Einnahmequellen. Die türkische Wirtschaft hat sich modernisiert und ist breiter aufgestellt, wie aus dem Economic Complexity Index (ECI), der jährlich von Analysten der Universität Harvard berechnet wird, hervorgeht. Auf den vorderen Plätzen liegt, wer zahlreiche und komplexe Produkte herstellt. Die Türkei konnte sich von Rang 58 auf den 40. Platz verbessern. Siemens hat jüngst gegen einen chinesischen Konkurrenten den Zuschlag für ein milliardenschweres Windkraftprojekt erhalten. Bosch beschäftigt in der Türkei 17.000 Mitarbeiter und investiert 650 Millionen Lira in den Ausbau seiner Geschäftstätigkeiten, Daimler will die Produktionskapazitäten im Lastwagenwerk Aksaray bis zum Jahresende verdoppeln.