Twilio mit Milliarden-Übernahme: Übermut oder strategische Meisterleistung?

Durch eine Unternehmens-Fusion von Twilio und SendGrid wollen beide Unternehmen die Weltmarktführerschaft im Bereich der cloud-basierten Kommunikationsplattformen für sich beanspruchen. Kann das funktionieren?

Eines der erfolgreichsten Investments im Portfolio des DLF ist die Kommunikationsplattform Twilio. Über die Twilio Investment Story und die Twilio Aktie haben wir auf dem DLF Blog bereits berichtet.

Nun hat Twilio bekanntgegeben, dass man für $2 Milliarden SendGrid übernehmen will.

Beide Unternehmen arbeiten bereits partnerschaftlich zusammen bei zahlreichen Kunden.

SendGrid ist ein weltweit führender Cloud-Service für die Einbettung von E-Mail-Funktionalität in beliebige Applikationen. Mit diesem Angebot werden pro Monat etwa 50 Milliarden E-Mails über die SendGrid-Plattform versendet.

 

Twilio und SendGrid - Die Geschäftsmodelle

Die Geschäftsmodelle von SendGrid und Twilio sind fast identisch.

Einziger Unterschied ist, dass SendGrid mit seinen Services nicht die Kommunikation via Voice, SMS und Co. wie Twilio im Blick hat, sondern sich auf die E-Mail-Funktionalität fokussiert.

Beide Unternehmen verbindet viel:

  • Die Go-To-Market-Strategie ist ganz auf die Zielgruppe der Softwareentwickler ausgelegt. Das heißt man verkauft seine Cloud-Services an die IT-Abteilungen.
  • Die Cloud-Services werden nutzungsabhängig bepreist und gehören zu den eher teuren Premium-Produkten.
  • Der Technologie-Stack auf dem die Produkte aufbauen ist sehr ähnlich.
  • Die Firmenkulturen sind vergleichbar, es handelt sich um von Entwicklern dominierte Organisationen.

Angesichts dieser Gemeinsamkeiten sollte die Integration beider Unternehmen wesentlich weniger Probleme bereiten als üblich bei Fusionen.

Da wächst wirklich zusammen was zusammen gehört.

 

Twilio und SendGrid sind sich sehr ähnlich. (Bild: Twilio)

 

Übernahme als reiner Aktientausch

Eine Übernahme zum Wert von $2 Milliarden hört sich zunächst abenteuerlich an für Twilio. Der Umsatz für 2018 liegt prognostiziert bei circa $600 Millionen.

Umso astronomischer klingt der Preis wenn man bedenkt, dass SendGrid in 2018 voraussichtlich circa $150 Millionen Umsatz erwirtschaften wird.

Jedoch relativieren sich all diese Zahlen, da die Transaktion als reiner Aktientausch strukturiert wird.

Die SendGrid-Aktionäre bekommen konkret 0,485 Twilio-Aktien für eine SendGrid Aktie. Bargeld fließt keines.

 

Make-or-Buy-Entscheidung

Dennoch ist die Verwässerung für Twilio-Aktionäre enorm.

Und man kann sich schon fragen, ob es nicht für Twilio möglich gewesen wäre, die E-Mail-Funktionalität von SendGrid einfach selbst zu bauen. Und das für viel weniger Geld.

Aber auch wenn man als Software-Architekt diese Frage sicherlich bejahen würden, so kann diese Fusion dennoch sinnvoll sein.

Denn Twilio bekommt nicht nur die SendGrid-Technologie, sondern Zugang zu 74.000 SendGrid-Kunden, denen man jetzt die Twilio-Produkte verkaufen kann.

 

 

Twilio kann über 74.000 SendGrid Kunden nun die eigenen Produkte verkaufen (Bild: SendGrid)

 

Noch wichtiger als dieses Cross-Selling-Potential ist die Tatsache, dass man die führende Position als allumfassende Kommunikationsplattform in der Cloud festigt und damit wohl nicht weniger als die Weltmarktführerschaft in einem schnell wachsenden Markt der Cloud-basierten Kommunikationsplattformen ernsthaft für sich beanspruchen kann.

Diese Position hätte man aus eigener Kraft – wenn überhaupt – nur einige Jahre später erreichen können.

 

Fazit

Für uns macht dieser Schritt strategisch viel Sinn.

Wahrscheinlich waren die $2 Milliarden der strategische Preis, den man dem Junior-Partner SendGrid auch angesichts seiner im Vergleich zu Twilio höheren Bruttomarge bieten musste, um ihn für einen Aktientausch zu begeistern.

Wir sind sehr gespannt, wie sich das gemeinsame Unternehmen nach diesem Schachzug in den kommenden Jahren weiterentwickelt.

Wir planen Twilio weiterhin langfristig im Portfolio des DLF zu halten.

Das kurzfristige Potential in der Aktie ist allerdings begrenzt nach den dreistelligen Kursgewinnen im laufenden Jahr.

 

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