Umstellung auf Elektroantrieb kostet mehr als 114.000 Arbeitsplätze

Die Wandlung in der Industrie für Automobile wird Deutschland besonders hart treffen. Neben den eigentlichen Marken gibt es auch viele Zulieferer, die direkt an dem klassischen Geschäft mit PKWs und LKWs hängen. Der Wandel der Branche bedeutet mittelfristig auch, dass eine Vielzahl der Stellen in diesem Bereich wegfallen wird.

Schon seit einiger Zeit wird darauf verwiesen, dass der notwendige Wandel der Branche dazu führen wird, dass sich auch die Arbeitsweise der Hersteller verändern wird. Eine große Zäsur der Branche dürfte durch den Wechsel vom Verbrennungsmotor zum Elektro-Antrieb entstehen. Die Fachleute vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verweisen darauf, dass bis zum Jahr 2035 über 114.000 Arbeitsstellen in der Autobranche verloren gehen werden. Gleichzeitig vermutet die Agentur für Arbeit, dass 16.000 neue Stellen in verschiedenen Branchen entstehen werden, die mit der Entwicklung und Produktion der Elektroantriebe zu tun haben.

Dabei ist der Effekt erst einmal umgekehrt: Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren positive Einflüsse auf dem Arbeitsmarkt zu bemerken sind. Die Transformation der Branche wird mit einigen Investitionen einhergehen. Auch doppelte Produktionslinien sind zu Beginn zu erwarten. Es ist aber davon auszugehen, dass besonders der gestiegene Bedarf beim Import mittelfristig dazu führen wird, dass die positiven Effekte auf dem Arbeitsmarkt recht schnell von negativen Entwicklungen ersetzt werden.


Bundesregierung bemüht sich um Elektro-Standort Deutschland

Das größte Problem bei der Umstellung auf die Elektroantriebe ist der Umstand, dass viele der deutschen Hersteller die entsprechenden Umrüstungen verschlafen haben. Sie hätten sich schon vor Jahren in diesem Bereich positionieren müssen. Nun steigt der Bedarf nach Importen. Das Know-How der Branche ist nicht in Deutschland zu finden, sondern liegt eher in China und den USA. Das führt dazu, dass vor allem Fachkräfte davon betroffen sein werden, dass die Autohersteller ihre Arbeitsweise komplett verändern. Die Bundesregierung versucht die Folgen dieser Entwicklungen abzufedern. Das größte Problem der Branche ist, dass die Antriebe in der Zukunft nicht mehr in Deutschland, sondern in anderen Staaten produziert werden.

Ziel ist es daher, dass spätestens ab dem Jahr 2021 die Produktion von elektronischen Antrieben in Deutschland erfolgt. Dafür stellt die Regierung eine Milliarde Euro zur Verfügung, die direkt in die Forschung und den Ausbau der entsprechenden Infrastruktur investiert werden soll. Damit sollen die ersten drastischen Folgen abgefedert und Motivationen für die Hersteller geschaffen werden, für eine Produktion im eigenen Land zu sorgen.


Deutsche Autohersteller arbeiten an neuen Strategien

Wie drastisch die Entwicklung schon in den kommenden Jahren sein wird, zeigt auch der Blick auf die Aussagen der Entscheider bei den großen Konzernen. Volkswagen-Chefstratege Michael Jost verkündete im Handelsblatt zum Beispiel, dass im Jahr 2026 das letzte Mal in Deutschland die Produktion eines Fahrzeugs mit einem Verbrennungsmotor starten wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Pariser Klimaabkommen. Wenn man versucht, die darin vereinbarten Ziele zu erreichen, darf ab 2050 kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr auf den Straßen zu finden sein. Entsprechend werden die letzten neuen Modelle mit einem solchen Motor wohl irgendwann im Jahr 2030 eingeführt werden.

44 Milliarden Euro will VW zudem in den Bereichen Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung investieren. Mehr als 30 Milliarden aus dieser Summe sollen alleine in das Thema der elektrischen Mobilität wandern. Es wird also sehr schnell klar, dass die neuen Strategien der deutschen Hersteller von drastischer Natur sind. Die größte Frage wird dabei sein, ob diese Investitionen nicht zu spät kommen und ob es der Branche gelingt, sich noch rechtzeitig zu positionieren, um eine noch größere Welle der Entlassungen in den nächsten zehn Jahren vermeiden zu können.