Umwelt, Soziales, Unternehmensführung: Was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet

Wohl wenige Begriffe in der aktuellen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Diskussion sind so strapaziert wie der der Nachhaltigkeit. Vermutlich liegt Nachhaltigkeit sogar allein an der Spitze, nur gefolgt von der „Digitalisierung“. Freilich, der Nachhaltigkeitsgedanke ist ein unumkehrbares Megathema, genau wie die Digitalisierung. Beides lässt sich weder ignorieren noch wegdiskutieren und beides wird die Zukunft in vielerlei Hinsicht prägen. Aber genauso wird „Nachhaltigkeit“ inflationär genutzt und oftmals ist völlig unklar, was das eigentlich bedeuten soll – gerade in Zeiten, in denen sogar Taschentücher als nachhaltig beworben werden.

Das gilt umso mehr für die Geldanlage. Wer seine Rendite mit gutem Gewissen erwirtschaften will, sollte wissen, was er wirklich sucht und wie die ihn angebotenen Produkte wirklich aufgestellt sind. Denn nachhaltige Investoren müssen sich darauf verlassen können, dass Investmentgesellschaften kein Greenwashing betreiben – also nur so tun, als seien sie nachhaltig. Bereits 2014 haben beispielsweise die Verbraucherzentrale Bremen und die Stiftung Warentest bei der Überprüfung von 46 Investmentfonds, die nach eigenen Angaben nur in besonders nachhaltige Firmen investieren, festgestellt, dass nur einer dieser Fonds zu 100 Prozent die entsprechenden Nachhaltigkeitskriterien erfüllt hat. So hat ein Fonds nicht einmal Pornografie, Rüstung und Kinderarbeit ausgeschlossen, und Aktien von Öl- und Gaskonzernen, Lebensmittelunternehmen oder auch Herstellern konventioneller Automobile waren weit verbreitet.

Wichtig für die nachhaltige Geldanlage sind daher die sogenannten ESG-Faktoren („Environmental, Social & Good Governance“). Diese entsprechen den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der UNO, zum Beispiel menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, Abbau von Ungleichheiten, Armutsbekämpfung, Frieden und Gerechtigkeit und Geschlechtergleichstellung. Anleger sind daher gefragt, genau einzuordnen, ob das Asset Management sich wirklich an diese Kriterien hält und den nachhaltigen Weg auch nicht verlässt, um die prognostizierten Zahlen zu erreichen.

Genauso werden dabei unter anderem eine überzeugende, qualifizierte Aufsichtsratsbesetzung, eine angemessene und transparente Vorstandsvergütung, die auf langfristige und nachhaltige Unternehmensentwicklung ausgerichtet ist, die Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit und faire Arbeitsbedingungen und eine angemessene Entlohnung und Förderung von Aus- und Weiterbildungschancen überprüft, wie die Investmentgesellschaft DWS herausstellt.

Daraus folgen dann laut der DWS absolute Ausschlussgründe bei der Anlage der Vermögen. Unternehmen würden aus dem Investmentprozess ausgeschlossen, „wenn sie zum Beispiel Antipersonenminen, nukleare, chemische oder biologische Waffen oder Streubomben produzieren oder Umsätze mit angereichertem Uran machen“, heißt es weiter. Bei der UBS, die Nachhaltigkeit als wesentliches Anlagethema identifiziert hat, investieren die Vermögensmanager beispielsweise in Aktien und Anleihen von Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen verkaufen, die dazu beitragen, ein konkretes ökologisches oder soziales Problem zu lösen, sich mit verschiedenen wichtigen ESG-Fragen beschäftigen und ESG-Chancen erfolgreicher nutzen als ihre Konkurrenten. Ein weiterer Investment-Fokus der Bank in den Nachhaltigkeits-Portfolios sind Anleihen von Emittenten wie Unternehmen, Kommunen und Entwicklungsbanken, mit denen Umweltprojekte finanziert werden, und aktive Beteiligungen, um die Geschäftsleitung der entsprechenden Unternehmen zu motivieren, ihre Leistung in der Nachhaltigkeit zu verbessern und Chancen wahrzunehmen.

„Nachhaltige Anlagen bieten zahlreiche Möglichkeiten, attraktive Renditen zu erwirtschaften und dabei Gutes zu tun. Dies reicht von der Suche nach Lösungen für die weltweit dringendsten Herausforderungen bis hin zur Veränderung der Geschäftspraktiken von Unternehmen. Daher sind wir der Auffassung, dass Kunden sich gerade nicht zwischen Rendite und einer sozialen und ökologischen Wirkung entscheiden müssen, sondern in beiden Welten erfolgreich zuhause sein können“, sagt Maximilian Kunkel, Chefanlagestratege Deutschland der UBS.

Den Wert nachhaltiger Investments hat übrigens auch Timo Busch, Professor an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg und Senior Fellow am Center for Sustainable Finance and Private Wealth der Universität Zürich, beschrieben: „Es gibt mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Analysen, welche die Auswirkungen nachhaltiger Anlageansätze auf finanzielle Renditen isolieren und messen. In mehr als 2000 akademischen Studien wurden in den letzten 40 Jahren die Faktoren in Bezug auf nachhaltiges Anlegen untersucht. Systematische Analysen der Literatur haben ergeben, dass der Einbezug von Nachhaltigkeitsfaktoren entweder die Renditen verbessert oder sie zumindest nicht beeinträchtigt, und dies über alle Anlageklassen hinweg.“

Das deckt sich übrigens mit den konkreten Marktdaten: Das Volumen des in nachhaltigen Fonds gemanagten Vermögens belief sich zum 30. Juni dieses Jahres auf rund 118 Milliarden Euro. Ende 2017 waren es noch 106 Milliarden Euro Gesamtfondsvermögen. Weltweit sind rund 1,5 Billionen Euro nachhaltig angelegt, der Wertzuwachs lag laut einer Studie im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 27 Prozent.