Dr. Guido Krüger
Fachanwalt für SteuerrechtNachricht senden

Unfall, Krankheit oder Tod: Unternehmensführung sicherstellen

Auch im Worst Case-Szenario müssen Unternehmer dafür sorgen, dass ihr Betrieb fortgeführt werden kann. Ein sogenannter Notfallkoffer schafft eine gewisse Ruhe und Gelassenheit, um in einem sehr ernsten Szenario das Unternehmen zu retten. Im Mittelpunkt steht das Notfalltestament.

Unfall, Krankheit oder Tod kann jeden treffen, völlig ungeplant und unmittelbar. Daher ist es gerade für Finanzdienstleister, Honorarberater, Vermögensverwalter und Co. als Unternehmer, die für Kunden, Mitarbeiter und ihre Familien verantwortlich sind, wichtig, sich vor diesen Worst Case-Szenarien abzusichern. Sie müssen sicherstellen, dass ihr Unternehmen auch nach einem solchen Ereignis weiter existieren kann. Denn nach dem Ausfall des Chefs steht das Unternehmen von Jetzt auf Gleich ohne operative, strategische und rechtliche Führung dar. Das führt zu erheblichen Fortführungsbedenken: Denn es bestehen bei jeder Art von Unternehmen – ob Personen- oder Kapitalgesellschaft – rechtliche Vorschriften, die dringend erfüllt werden müssen.

Ist die Geschäftsführung nicht sichergestellt, kann das Gericht eine Notgeschäftsführung anordnen – denn ohne Geschäftsführer ist die Gesellschaft handlungsunfähig. Das wird vor allem dann passieren, wenn der alleinige Geschäftsführer auch alleiniger Gesellschafter des Unternehmens ist und die Gesellschafterversammlung dementsprechend keinen neuen Geschäftsführer bestimmen kann. Gerade im Mittelstand ist dies üblich, dass sich die Gesellschaftsanteile auf eine Person – den Gründer – konzentrieren. Dann ist die familiäre Kontinuität nicht mehr gewahrt, die Unternehmenskultur steht auf dem Spiel und generell ist dann natürlich nicht mehr klar, ob das Unternehmen überhaupt noch mit dem Blick auf eine langfristige Zukunft geführt und entwickelt wird.

Die Frage ist also: Wer kann bei einem Ausfall des Geschäftsführer-Gesellschafters beziehungsweise alleinberechtigten Vorstands die notwendigen Gesellschaftsaufgaben wahrnehmen? Dazu gehören unternehmerisch existenzielle Tätigkeiten wie die ordnungsgemäße Buchführung und Bilanzierung, die rechtzeitige Aufstellung des Jahresabschlusses und die Erfüllung aller Pflichten gegenüber dem jeweiligen Sozialversicherungsträger. Obacht: Auch wenn diese und andere Aufgabe von Dienstleistern wie dem Steuerbüro erfüllt werden, bedarf es eingehender Kontrolle und oftmals der persönlichen Unterzeichnung, etwa bei Bilanz oder Jahresabschluss. Der Ausfall des Unternehmers ohne direkte Einsetzung eines Vertreters kann also dazu führen, dass diese existenziellen rechtlichen Pflichten nicht nachgekommen werden kann.

Was ist dementsprechend zu tun, um das Unternehmen und damit die Ertragsquelle für die Familie abzusichern? Ein erster Schritt ist die Errichtung eines umfassenden Notfallkoffers. Dabei müssen Finanzdienstleister, Honorarberater, Vermögensverwalter und Co. nicht gleich die gesamte Unternehmensnachfolge regeln, gerade dann nicht, wenn die Kinder noch jung sind. Aber der Notfallkoffer sollte so strukturiert sein, dass er alle Regelungen dafür enthält, wie im Falle eines Falles mit der Wahrnehmung der Gesellschaftsrechte und der Führung des Betriebs umgegangen werden soll.

Im unternehmerischen Notfallkoffer befinden sich alle Handlungsanweisungen für den unternehmerischen Umgang mit dem Finanzunternehmen. Dazu gehören neben dem Testament generell alle wesentlichen Dokumente (Versicherungen, Verträge etc.) sowie eine Liste mit Kontakten, die zurate gezogen werden können: vom Interims-Manager bis zum Rechtsanwalt, vom Steuerberater bis zur Personalberatung, um einen adäquaten Portfoliomanager oder Vermögensberater zu finden.

Im Mittelpunkt steht dabei das Notfalltestament. Das kann durchaus das sogenannte Berliner Testament zur gegenseitigen Erbeinsetzung sein, damit der Ehepartner alleiniger Erbe des Betriebs wird. Das verhindert, dass im Falle des Todes des Unternehmers die gesetzliche Erbfolge in Kraft tritt und das Vermögen zersplittert wird zwischen Ehegatten und Kindern. Tritt der Notfall nicht ein, werden die Verfügungen natürlich regelmäßig überprüft und an neue Situationen angepasst, sodass zu jedem Zeitpunkt die besten Maßnahmen getroffen sind.

Übrigens: Das Notfalltestament – etwa eben in der Gestalt der gegenseitigen Erbeinsetzung – verhindert, dass bei Tod des Vermögensinhabers automatisch die gesetzliche Erbfolge in Kraft tritt. Dies führt bei minderjährigen Kindern zwangsläufig dazu, dass diese Gesellschaftsanteile nach der gesetzlichen Quote erben. Das wiederum führt zu großem Aufwand, um die Folgen der Zersplitterung des Vermögens innerhalb der Familie so gering wie möglich zu halten – gerade in einer Zeit, in der sehr persönliche Dinge eine übergeordnete Rolle spielen. Daher ist für junge Unternehmer oft die gegenseitige Erbeinsetzung über das sogenannte Berliner Testament die erste Wahl, um das Notwendige abzusichern. Im Laufe der Jahre kann und sollte dies dann zwar immer wieder hinterfragt und angepasst werden, für die frühen Jahre bildet es aber oft die sicherste Lösung.

Natürlich verhindert ein Notfallkoffer keinen Notfall. Aber er schafft eine gewisse Ruhe und Gelassenheit, um in einem sehr ernsten Szenario die Ertragsquelle der Familie zu retten. Daher sollten Finanzunternehmer sich über das „Packen“ des Notfallkoffers eingehende und professionelle Gedanken machen.

 

Dr. Guido Krüger, Fachanwalt für Steuerrecht, ist Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt und Mitglied des weltweiten Leitungsausschusses. Er berät Familienunternehmen bei sämtlichen steuerlichen und gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen und begleitet Familienunternehmer dabei, wirksame Modell für den privaten Vermögensschutz und die langfristige Entwicklung des Privatvermögens zu entwickeln. Mehr Informationen unter www.beiten-burkhardt.com