Ungewohnte Töne aus Washington - warum Trump jetzt zurückrudern muss

„Ich bin nicht pro-russisch“, so US-Präsident Donald J. Trump, „ich bin für niemanden.“ Gegenüber dem US-Sender Fox News erklärte Trump, er wolle, dass „das Land (Anmerkung: die USA) sicher ist“ und es gut ist, wenn man mit „Russland auskommt“, weil beide Länder 90 Prozent aller auf der Welt befindlichen Atomwaffen kontrollieren würden. Angesprochen darauf, ob Russland der größte Widersacher der USA sei, gab Trump an, er würde „niemals das Wort Widersacher benutzen“, weil „alle zusammenarbeiten“ können. „Es kann allen sehr gut gehen und wir könnten sehr wohl alle in Frieden leben.“


Seit Montag im Kritik-Dauerfeuer

Es sind ungewohnte Worte, die man von Trump hört. Seit dem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin, das am vergangenen Montag in der finnischen Hauptstadt Helsinki über die Bühne ging, befindet sich der US-Präsident im Kreuzfeuer der Kritik. „Ich sehe keinen Grund, warum es Russland wäre“, so Trump zu dem Umstand, Russland hätte sich in den US-Wahlkampf eingemischt. Nun musste Trump, der sich mit dieser Aussage gegen die eigenen Geheimdienste stellte, zurückrudern: „Natürlich akzeptiere ich alle Schlussfolgerungen der US-Geheimdienste, die zu dem Ergebnis kamen, es gab eine Einmischung von Seiten Russlands.“ So sei es „ein Missverständnis“ gewesen. „Ich habe nie gesagt, ich sehe keinen Grund, warum es Russland wäre, sondern ich habe gesagt, ich sehe keinen Grund, warum es nicht Russland wäre.“


Harte Kritik von Seiten der Demokraten

Der Demokrat Chuck Schumer, Oppositionsführer im Senat, sei der Meinung, Trump habe eindeutig Schwäche gezeigt. „Er hat 24 Stunden zu spät und noch am falschen Ort die Meinung vertreten. Kann Trump Präsident Putin nicht direkt ins Gesicht sagen, dass wir Recht und er Unrecht hat? Das ist nur ein weiteres Zeichen der Schwäche“, so Schumer. Auch Fox News, ein US-Fernsehsender, der Trump nahe steht, schrieb in der Online Ausgabe darüber, dass „Trump einen Rückzieher“ machen würde. Dana Perino, Sprecherin des ehemaligen Präsidenten George W. Bush und Moderatorin von Fox News, meldete sich ebenfalls zu Wort: „Ich hätte das nach 24 Minuten und nicht erst nach 24 Stunden klargestellt.“


„Es war ein großer Erfolg“

US-Präsident Trump trat einen Tag später auch dem Eindruck entgegen, dass er beim Treffen mit Putin klar über den Tisch gezogen wurde. „Ich war bei dem Treffen der Stärkere“, so Trump. „Es war ein gutes Treffen. Es war ein großer Erfolg, außer bei den Fake News-Medien“, so Trump via Twitter.