„Unsere Absicherung ist unsere gute Einzeltitelauswahl“

Die Fondsperformance ist nach einem halben Jahr sehr gut, das Fondsvolumen dagegen noch ausbaufähig. Würden Sie zustimmen?

Irmak: Ja, das kann man so sagen. Die Performance ist super. Wir haben alles outperformt, was es Vergleichbares am Markt gibt, ob es jetzt thematische Fonds wie Robotic-Fonds sind, ob es Nasdaq ist oder unsere Benchmark MSCI World. Wir sind zufrieden und das gute Abschneiden macht auch ordentlich Lärm in der Investment-Community. Allerdings schauen sich viele Investoren den Fonds erst einmal kritisch an und warten ab, wie der Fonds sich weiterentwickelt. Wir sprechen jetzt vermehrt IFAs und Vermögensverwalter an und hoffen, dass das Fondsvolumen weiter ansteigt.


Der Fonds ist bislang extrem gut gelaufen. Die Unsicherheit an den Aktienmärkten aber wächst. Die Rückschlaggefahr auch. Warum sollten Investoren jetzt in Ihren Fonds einsteigen?

Irmak: Wenn die Märkte fallen sollten, fallen wir natürlich mit. Wir haben keinerlei Absicherung und wollen auch nicht massiv Cash halten. Unsere Absicherung ist eigentlich unsere sehr gute Einzeltitelauswahl. Und wir sind davon überzeugt, dass unsere Werte die ersten sein werden, die sich nach einer Korrektur wieder erholen. Aber natürlich wollen und können wir den Anlegern die Timing-Entscheidung nicht abnehmen. Der Fonds hat aber eine sehr langfristige Sichtweise, und wir sind selber mit unserem Geld in den Fonds investiert und sehen das sehr unternehmerisch.


In welche Art von Unternehmen investieren Sie?

Irmak: Es sind drei verschiedene Kategorien. Zum einen sind es substanzstarke, etablierte Unternehmen, die einen sehr hohen digitalen Reifegrad erreicht haben und dabei sind, sich von der Konkurrenz abzusetzen und ihre Branche zu dominieren. Wir nennen sie die Digital Transformation Leaders. In der zweiten Kategorie befinden sich oftmals noch junge Firmen aus dem digitalen Zeitalter, die ihre Industrie mit ganz neuen Geschäftsmodellen und Plattformen entscheidend verändern werden, die Digital Business Leaders. Und unter den Digital Enablers fassen wir die Unternehmen zusammen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen den digitalen Wandel erst ermöglichen.


Wir würden Sie Ihre Anlagephilosophie beschreiben?

Irmak: Wir investieren sehr konzentriert. Wir haben derzeit etwas mehr als 30 Unternehmen, in die wir investiert sind. Und es werden auch nicht viel mehr als 40 Positionen, weil wir beide die gar nicht covern können.


Das bedeutet, dass Sie auch nicht den Anspruch haben, das gesamte Anlageuniversum abdecken zu wollen?

Irmak: Nein überhaupt nicht. Wir haben eine klare Meinung. Deswegen müssen wir uns auch nicht überdiversifizieren und fahren einen konzentrierten Ansatz.  


Haben Sie seit Auflegung schon einen Wert ausgetauscht?

Irmak: Wir haben bereits Werte wieder aus dem Depot genommen. Wir haben zum Beispiel zunächst in die Deutsche Post investiert, als einer der großen Profiteure von E-Commerce, sollte man meinen. Wir haben aber gemerkt, dass die Deutsche Post gar nicht die notwendige Bewegungsfreiheit hat und die Flexibilität, das Tempo mitzugehen, das die Konkurrenten gehen können. Dazu hat das Unternehmen im Vorfeld der Gewinnwarnung auch nicht ehrlich kommuniziert. Wir haben uns dann relativ schnell von dem Wert getrennt.


Wie groß ist das Anlageuniversum Ihres Fonds insgesamt?

Irmak: Wir investieren weltweit, deshalb ist das Anlageuniversum sehr groß. Es ist quasi MSCI World plus China. Aber natürlich ist es so, dass wir viele Werte gar nicht covern können. Die herausragenden Unternehmen sind allerding schnell identifiziert. Mein Partner und ich kommen selber aus den genannten Kategorien und wir hatten beide schon immer unsere Titel, in die wir investiert waren. Ich habe für die Deutsche Asset and Wealth Management das digitale Geschäft global aufgesetzt, und mein Partner hat selber ein Softwareunternehmen gehabt und mehrere Jahre im Silicon Valley gearbeitet.


Wie ist die Arbeitsteilung. Bringt jeder seine Ideen mit ein oder ist nur einer für das Investment zuständig?

Irmak: Wir managen den Fonds gemeinsam. Stefan Waldhäuser kommt aus der Software-Welt und ist von daher sehr stark für die dritte Säule unseres Fonds zuständig. Mein Fokus liegt auf der ersten Säule. Und die zweite Säule managen wir gemeinsam. Aber es gibt auch traditionelle Unternehmen, die Stefan covert, genauso wie es Digital Enablers gibt, die ich covere. Der Schwerpunkt ist aber durch unsere Vergangenheit klar definiert.


Gibt es zwischendurch heftige Diskussionen in Sachen Titelauswahl?

Irmak: Ja, wir sind keineswegs immer der gleichen Meinung, aber da wir langfristig investieren, muten wir uns gegenseitig diese Diskussionen zu. Aktuell stehen einige Unternehmen auf unserer Watchlist, bei denen wir noch keine gemeinsame Überzeugung entwickelt haben.

 


Zum ersten Teil des Interviews gelangen Sie hier.