Unternehmen: Durch die Familienstiftung Nachfolge und Erhalt sicherstellen

Die Familienstiftung hat sich als interessante Alternative für die Unternehmensnachfolge herausgestellt. Sie tritt an die Stelle natürlicher oder juristischer Personen und ist für die Ewigkeit gestaltet.

Die Diskussion um die Unternehmensnachfolge hat in Deutschland in den vergangenen Jahren eine neue Dimension erreicht. Denn von vielen 1000 Unternehmen, die hierzulande aktuell jährlich zur Übergabe bereitstehen, wird nur noch annähernd die Hälfte innerhalb der Familie weitergegeben, während von der anderen Hälfte die meisten verkauft und die restlichen schlicht aufgegeben werden. Dabei, so betonen Experten immer wieder, sind die Unternehmer, die ihren Betrieb gerne in der Familie erhalten würden, weit in der Überzahl – nur sind Kinder als die „geborenen“ Nachfolger immer seltener bereit, die gleiche gesellschaftsrechtliche Verantwortung wie die Eltern zu übernehmen.

Doch was können Unternehmer tun, wenn sie auf der einen Seite familiäre Kontinuität in der Firma wünschen, aber auf der anderen Seite keine Verwandten für die gesellschaftsrechtliche und operative Führung zur Verfügung stehen? Die üblichen Unternehmensformen wie AG oder GmbH sind dazu nicht tauglich, denn dort sind jeweils Aktionäre beziehungsweise Gesellschafter nötig, die wiederum gesetzlich geregelte Pflichten und Rechten übernehmen. Hingegen erbringt die Familienstiftung neue Möglichkeiten für Unternehmer, eine Gesellschaft auch ohne Nachfolger zu erhalten und für die Familie nutzbar zu machen.


Unternehmen vor einer Zersplitterung geschützt

Durch die Errichtung einer Familienstiftung könne die Fortführung des Unternehmens nach seinen gewachsenen Wertvorstellungen sichergestellt und die Identifikation zwischen Unternehmen und Familie erhalten werden, heißt es bei der Wirtschaftskanzlei CMS. Kurz gesagt, überträgt der Unternehmer als Stifter die Anteile an der Gesellschaft an die Familienstiftung, die dadurch zur Eigentümerin wird. Das wiederum führt zur Absicherung des Unternehmens über die Generationen hinweg. Denn dadurch, dass die Familienstiftung selbst keine Mitglieder oder Anteilseigner habe und daher in ihrem Bestand über Generationsgrenzen hinweg von Erbgängen unabhängig und allein dem stetigen Willen des Stifters verpflichtet sei, wie CMS ausführt, sei das eingebrachte Unternehmen vor einer Zersplitterung der Beteiligung geschützt und in der beständigen Hand der Stiftung konzentriert. Will heißen: Die Stiftung hat die gesellschaftsrechtliche Verantwortung für das Unternehmen, das niemals in die Gefahr gerät, ohne Eigentümer dazustehen. Das ist gerade im Mittelstand wichtig.

Ebenso sorgt die Familienstiftung dafür, dass die eingebrachte Beteiligung nicht zersplittert (also verkauft) werden kann, da keine natürlichen oder juristischen Personen Anteile besitzen, die veräußerbar wären. Ein Beispiel für diese Schutzfunktion liefert der kürzlich verstorbene Ferdinand Piëch, Großaktionär der Porsche Automobil Holding SE, von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und danach bis 2015 deren Aufsichtsratsvorsitzender: Er hat bereits vor vielen Jahre Stiftungen nach österreichischem Recht gegründet, damit seine Anteile an Porsche und VW nicht unter den zwölf Kindern aufgeteilt und weiterveräußert werden können. Und der Großunternehmer Reinhold Würth betonte 2003 in einem Interview ebenfalls den Erhaltungsgedanken, warum er auf Familienstiftungen als Eigentümerinnen der Würth-Gruppe setze: „Die Enkel können nicht das Firmengeld für Ferraris verjubeln.“

Dass die Familien dennoch vom Unternehmen profitieren, ist ein herausragendes Merkmal der Familienstiftung. „Die Versorgung und Unterstützung der Familienmitglieder wird aus den Erträgen des Unternehmens als Stiftungsleistungen nach den Vorgaben der Satzung und des Stifterwillens bewirkt“, heißt es bei CMS weiter. In der Regel werden die Gewinne des Unternehmens an die Familienmitglieder über die Stiftung ausgeschüttet.


Unternehmenskultur nachhaltig sichern

Zugleich kann aber die Familienstiftung natürlich nicht die operative Führung eines Unternehmens übernehmen. Dafür bedarf eines Managements, das sich aus Familienmitgliedern und externen Geschäftsführern zusammensetzen kann. Die Praxis zeigt übrigens, dass erfahrene und kompetente Manager viel eher motiviert sind, sich einem stiftungsgeführten Unternehmen anzuschließen, weil dieses für Kontinuität und einer generationenübergreifenden Eigentümerstruktur steht. Daher steht das Management eines solchen Unternehmens vor viel weitreichenden Gestaltungsmöglichkeiten, weil die Familienstiftung mit ihrem „Ewigkeitsgedanken“ nicht in Jahren, sondern in Generationen auf Führung und Erhalt des Unternehmens blickt und dieses nicht für Fusionen oder Verkauf vorgesehen ist.

Apropos Kontinuität: Es erweist sich regelmäßig als besonderer Wert einer Familienstiftung, dass eine bestimmte Unternehmenskultur nachhaltig gesichert werden kann. Die Familienstiftung trägt über die Stiftungssatzung den Willen und die Vorstellungen des Stifter-Unternehmers in die Zukunft. Sie agiert, als wäre der Unternehmen dauerhaft an Bord. Das garantiert nicht nur den rechtlichen Erhalt der Firma, sondern eben und gerade auch Werte, die dem Unternehmer wichtig sind, vom Umgang mit Mitarbeitern über soziale Aktivitäten bis hin zu bestimmten geschäftlichen Grundbestimmungen. Diese Wertvorstellungen bleiben über Generationsgrenzen für die Familie erhalten, weil die Familienstiftung diese gegen innere und äußere Einflüsse sichert.