Unternehmerische Beteiligungen sind für Family Offices langfristige Kapitalanlagen

Family Offices sind bei Unternehmenstransaktionen regelmäßig mit dabei. Warum? Sie betätigen sich als Finanzinvestoren, um stabile Renditen für ihre Kunden zu erwirtschaften.

Der Markt mit Unternehmenstransaktionen (M&A – Mergers & Acquisitions) brummt. Fusionen und Übernahmen brachten es im vergangenen Jahr laut der Studie „M&A in Disruption: 2018 in Review“ des Beratungshauses Bain & Company auf Investitionen in von 3,4 Billionen US-Dollar und damit auf das zweithöchste Niveau der vergangenen 20 Jahre. Gemäß des Institute of Merger, Acquisitions and Alliances (IMAA) belief sich das Volumen der Fusionen und Übernahmen von ganzen Unternehmen oder Unternehmensanteilen weltweit im Jahr 2018 sogar auf rund 3,8 Billionen US-Dollar.


Renditen mit Beteiligungen erwirtschaften

An diesen M&A-Aktivitäten sind Family Offices regelmäßig beteiligt. Sie gehören mit ihren Transaktionen zur Gruppe der Finanzinvestoren (wie Private Equity-Gesellschaften), weil sie Renditen mit ihren Beteiligungen erwirtschaften wollen. Das ist als Beimischung zum Investmentportfolio auch durchaus sinnvoll, Marktbeobachter sprechen von Umsatzrenditen von zehn, 15 oder sogar mehr Prozent bei gut geführten Unternehmen – und das über Jahre hinweg.

Typische Erwägungen sogenannter strategischer Käufer wie die Hebung von Synergien, der Erwerb von Marktanteilen oder der Eintritt in ein bestimmtes beziehungsweise angrenzendes Marktsegment spielen für Family Offices in der Regel keine Rolle. Wie ein klassischer Finanzinvestor seien Family Offices durch „schlanke Verwaltungsstrukturen, die sich auf Beteiligungsmanagement, Beteiligungscontrolling und die damit verbundene Beratung der Portfolio-Unternehmen vor allem in Finanzfragen beschränken“ geprägt, schreibt der Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt Dr. Jörn-Christian Schulze (Arqis) in seinem Aufsatz „Unternehmensbeteiligungen im Family Office“.


Keine Kapitalbeteiligung der Geschäftsführung

Portfolio-Unternehmen würden von Family Offices in der Regel als langfristige Kapitalanlage gehalten und nicht operativ geführt und repräsentierten das ausgelagerte Vermögen der Familie. Daher sei es laut Jörn-Christian Schulze auch nur selten im Interesse von Family Offices, die „Motivation der Geschäftsführung mittels Kapitalbeteiligungen am Portfolio-Unternehmen zu erreichen“, ganz im Gegenteil zu beispielsweise Private Equity-Gesellschaften. Das Family Office sei also auf „herkömmliche wirtschaftliche Anreize für Geschäftsführer und Arbeitnehmer, wie Bonus-Pläne oder Gewinnbeteiligungen, angewiesen. Natürlich sind der Phantasie hier keine Grenzen gesetzt. Gerade um den Vergleich mit Private Equity geführten Unternehmen in Bezug auf Mitarbeiterinzentivierung herzustellen, simulieren Family Offices vereinzelt den Verkaufsfall ihrer Portfolio-Unternehmen und beteiligen die Geschäftsführung am gesteigerten (aber nicht tatsächlich realisierten) Unternehmenswert“, schreibt der bekannte M&A-Anwalt.


Kontinuierliches Beteiligungsmanagement notwendig

Um der Rolle als langfristige Kapitalanlage gerecht zu werden, bedarf es bei den Beteiligungen natürlich auch eines kontinuierlichen Managements, wie beispielsweise Marcard, Stein & Co herausstellt, eine Family Office Bank, wie sie sich selbst nennt. Die Bank bietet laut eigener Aussage die gesamte Bandbreite der Beratung, die im Rahmen der ganzheitlichen Betreuung komplexer Familienvermögen benötigt wird. Dazu gehört auch das Controlling aller unternehmerischen Beteiligungen.


Marktnahe Zeitwerte für alle Beteiligungen

Wichtig dabei seien die regelmäßige Auswertung der Beteiligungsberichte, der Austausch mit dem Investmentmanager beziehungsweise Initiator, insbesondere in schwierigen Marktphasen, die Erarbeitung von Abstimmungsvorschlägen, die Vertretung der Kundeninteressen auf Gesellschafterveranstaltungen und die Aggregation des Beteiligungsvermögens in das Gesamtvermögensreporting. „Um diese Aufgaben erfüllen zu können, ermitteln wir auf regelmäßiger Basis marktnahe Zeitwerte für die Beteiligungen, in die Erkenntnisse aus der laufenden Marktbeobachtung der Anlageklasse sowie Berechnungen zu den künftig erwarteten Zahlungsströmen aus der Beteiligung einfließen. Dies ermöglicht die Ermittlung des Performancebeitrags der Beteiligung sowie eine Einbindung in die Liquiditätssteuerung auf Gesamtvermögensebene“, heißt es bei der Bank.

Insgesamt stelle die Dienstleistung des Beteiligungscontrollings neben der Beteiligungsprüfung und -strukturierung die „zweite erfolgsrelevante Säule des Beteiligungsmanagements“ dar, so Marcard, Stein & Co. Beteiligungscontrolling schaffe nicht nur zum Entscheidungszeitpunkt, sondern über den gesamten Investmenthorizont Transparenz und Nähe zum Investment. Genau das also, was ein Family Office für seine Mandanten leisten soll.